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Die eigene Forschung in die Praxis umgesetzt

Niedersachsens Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Dr. Gabriele Heinen-Kljajic, kam nach Braunschweig, um der Preisübergabe durch IHK-Vize-Präsident Helmut Streiff an die Wissenschaftler Dr. Martin Oehler, Henning Böge und Prof. Meinhard Schilling (v.l.) beizuwohnen. Foto: Nielsen

Neuartiges EKG mit Technologietransferpreis der IHK ausgezeichnet.

Von Andreas Konrad, 17.11.2013.

Braunschweig. Hier entwickelt, hier gebaut und von hier aus auf den Markt gebracht: Ein neuartiges EKG-Gerät „made in Braunschweig“ will den medizinischen Markt erobern. Dafür gab es am Freitag den Technologietransferpreis der Industrie- und Handelskammer (IHK).

Drei Wissenschaftler des Institutes für Elektrische Messtechnik der Technischen Universität hatten federführend die Idee. Zwei von ihnen, Dr. Martin Oehler und Henning Böge, wollen diese nun in einer extra dafür gegründeten Firma vermarkten, der Dritte, Institutsleiter Professor Meinhard Schilling, bleibt der Forschung erhalten.
Eine wissenschaftliche Publikation aus England gab im Jahr 2002 den Impuls. Hierin wurde kommuniziert, dass es möglich sei, ein Elektrokardiogramm (EKG) aus einem Meter Entfernung zu messen, bislang müssen dazu bis zu zehn Elektroden einzeln am Körper des Patienten befestigt werden. Die Braunschweiger Forscher griffen die Idee auf und entwickelten die neuen Sensoren – Hauptelemente des Gerätes – bis 2004 zum Prototypen und meldeten ein Patent an. In künftigen Anwendungen können die Sensoren auch zur Erstellung einer Elektroenzephalografie (EEG), der Messung der elektrischen Aktivität des Gehirns, verwendet werden. Dies sei aber deutlich komplizierter als beim Herzen, weiß Schilling, der sich damit unter anderem befasst.
Das C-one, so heißt das weltweit einmalige EKG-Gerät, ist deutlich schneller, mobiler und genauer als herkömmliche Methoden. Zudem würde man viel weniger Verbrauchsmaterialien benötigen, weil das Aufkleben der Elektroden wegfiele, nennt Böge die Vorteile. Klinisch erprobt wurde es am Herzzentrum der Universität Göttingen und am Klinikum Oldenburg, in diesem Frühjahr bekam es dann die Zulassung für weite Teile Europas. Die ersten Geräte wurden jetzt verkauft. „Unser Ziel ist es, das C-one zunächst in Kliniken zu etablieren, für die Zukunft ist dann eine kleinere Version für Hausärzte angedacht“, so Böge. Die Braunschweiger Kliniken verwenden das C-one noch nicht. „Wir sind aber in Gesprächen“, stellt Böge in Aussicht, dass auch Braunschweiger Patienten Zugang zur braunschweigischen Innovation bekommen.
Der Technologietransferpreis der IHK wurde zum 29. Mal verliehen und ist mit 10 000 Euro dotiert. Professor Werner Gramm, Vorsitzender der Jury, lobte die diesjährigen Preisträger ausdrücklich: „Wir haben eine Transferleistung in personam.“ Die Forscher nehmen ihre Innovation selbst in die Hand und gründen eine eigene Firma. „Made in Braunschweig“ wie es im Sinne des Technologietransferpreises besser nicht sein könnte.
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