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Diakonie schafft Perspektiven in Polen

Braunschweiger Stiftung baut seit 2009 Beschäftigungsgesellschaft bei Posen auf – Ein Auftraggeber ist Volkswagen.

Von Annette Heinze-Guse, 05.08.2012.

Braunschweig. Heute startet um 11 Uhr „Jazz auf der Oker“ am Café Okerterrassen. Drei Stunden lang spielt die Saratoga Seven Jazzband für einen guten Zweck, unter anderem für die Obdachlosenhilfe in Polen der Stiftung Wohnen und Beraten.

Gerade fand noch die Fußball-EM „vor der Haustür“ statt. Doch die Frauen und Männer, die unter Regie der Diakonie im polnischen Kwilcz arbeiten, haben die spannenden
Spiele höchstens am Fernseher erlebt. Heinrich Schubert von der Diakonie spricht von „Menschen in extremer Armut“. Die polnische Beschäftigungsgesellschaft wurde 2009 mit Unterstützung der Braunschweiger Stiftung „Wohnen und Beraten“ gegründet (die nB berichtete). Im Rahmen des Benefizkonzerts „Jazz auf der Oker“ der nB wurden 2010 auch Spenden für das Projekt gesammelt und zwei Industrienähmaschinen gekauft.
Betrieb trägt sich selbst
Die Diakonie arbeitet vor Ort mit der sozialen polnischen Stiftung Barka zusammen. In den ersten drei Jahren habe die wirtschaftliche Absicherung der Beschäftigungsgesellschaft und die Entwicklung geeigneter Managementstrukturen im Mittelpunkt gestanden: „Der laufende Betrieb muss sich selbst tragen“, sagt Heinrich Schubert, der sich im Ruhestand ehrenamtlich für das Projekt engagiert. Das gelinge der gemeinnützigen Gesellschaft jetzt vor allem durch Aufträge von Volkswagen Posen.
Die Diakonie kümmert sich in Polen um Obdachlose sowie Frauen und Männer mit Handicaps. „Jeder dieser Menschen hat Lebensbrüche“, beschreibt Heinrich Schubert. Eine ehemals landwirtschaftliche Produktionshalle wurde in eine Näherei und eine Werkstatt für Metallbau umgewandelt.
Bis zu acht Frauen werden in Modulen zu Industrienäherinnen ausgebildet, in der Metallwerkstatt werden derzeit vier Männer qualifiziert, berichtet Schubert. Diese absolvieren zum Beispiel einen Schein zum Schweißer.
Acht Frauen, vier Männer werden zurzeit qualifiziert – wie erfolgreich wird ihre berufliche Integration sein? „Wir müssen hier mit langfristigen Zeiträumen rechnen“, erklärt Schubert, „nicht mit Wochen und nicht mit Monaten.“ Teilweise sei auch eine unbefristete Unterstützung der Menschen nötig. Das Beschäftigungsprojekt wird durch ein parallel initiiertes Betreuungsprojekt flankiert. Dieses wird durch die „Aktion Mensch“ gefördert.
Fünf Frauen konnten im zweiten Jahr der Beschäftigungsgesellschaft in reguläre Jobs als Näherinnen vermittelt werden – ein Erfolg für das Projekt. Für Volkswagen in Posen fertigen die Frauen Arbeitskleidung. Die Männer in der Metallwerkstatt reparieren unter fachlicher Anleitung Transportbehälter und Gestelle. Darüber hinaus stellen sie hydraulisch gesteuerte Montagetische her. Diese Arbeit sei in Teilen „sehr anspruchsvoll“, sagt Schubert. Das sei mit Blick auf die Qualifizierung der Mitarbeiter wichtig.
Künftige Ziele sind, das Beschäftigungsprojekt bekannter zu machen, für Akzeptanz und Aufträge zu werben. Kürzlich hat sich dafür ein Beirat mit Mitgliedern aus Polen und Deutschland gegründet. „Wir brauchen eine Kommunikation in das Gemeinwesen hinein“, schildert Schubert. Im Rahmen einer „Kwilcz-Woche“ hat sich der Beschäftigungsbetrieb mit einem Tag der offenen Tür der Öffentlichkeit vorgestellt.
Nicht-staatliche Organisationen (NGO’s) haben in Polen auch 23 Jahre nach der politischen Wende einen schweren Stand. Steuervorteile gibt es für den Beschäftigungsbetrieb nicht. Auch eine EU-Förderung sei schwierig. Das Engagement von NGO’s wird seitens der staatlichen Sozialverwaltung teilweise als Konkurrenz und Kontrolle verstanden.
Armut ist europaweit
Doch die Akteure bleiben am Ball. Hat der Beschäftigungsbetrieb Modellcharakter für Polen? Was kann das Projekt bewirken? „Ich glaube, wir leisten einen Beitrag zur Entwicklung eines Systems der Armutshilfe, das man seit der Wende nicht mehr national betrachten kann“, ordnet Schubert das Engagement ein, „die Gesichter der Armut verändern sich europaweit“.
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