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„Der Torsten Lieberknecht wird staunen“

Fan aus Leidenschaft: Der Gartenbauingenieur Dirk Reinecke brachte die Eintracht-Fahne auf den Kilimandscharo

Von Marion Korth, 29.11.2009

Ohof. Dirk Reinecke ist Gärtner und Eintracht-Fan aus ganzem Herzen. Und wer von sich selbst sagt, dass er alles 100-prozentig macht und obendrein ein Spinner ist – von dem darf man einiges erwarten. Gerade ist er zurückgekehrt von Afrikas höchstem Berg, dem Kilimandscharo. Das Gipfelfoto zeigt ihn, seine beiden Bergbegleiter und eine blau-gelbe Eintracht-Fahne.

Besuch am Eintracht-Außenposten in Ohof an der B 214. Grün sind in Reineckes Baumschule nur die Bäume, ansonsten weht auch hier eine blau-gelbe Vereinsfahne. Fußballfans wissen gleich Bescheid. Der 42-Jährige sprüht vor Energie, könnte wahrscheinlich Bäume ausreißen. Hinter sich hat er die vier gemeinsten und gleichzeitig großartigsten Tage seines Lebens. Vier Tage, so lange dauert die Tour hinauf auf den Gipfelpunkt in 5880 Meter Höhe. Die Machame- oder Whiskey-Route ist die anspruchsvollere. Rund 80 Prozent der Kilimandscharo-Besteiger nehmen die leichtere, die „Coca-Cola-Route“.
Reinecke hat sich auch auf dem Limonadenweg an den Traumberg herangepirscht, war vor sieben Jahren schon einmal oben. Jetzt also wieder. Im Urlaub auf Mallorca hatte er von dem Milliardär Abramovich gelesen, der mit 113 Trägern unterwegs gewesen und gescheitert war. Er selbst aber wollte es schaffen. Er wollte der erste auf dem Kilimandscharo sein, der Flagge für seinen Verein, für die Eintracht zeigt.
Bevor er sich gemeinsam mit Jan Rosenneck (38), Karsten Kröger (53) und elf Trägern auf den Weg macht, geht’s ins „Trainingslager“. Sportlich ist Reinecke sowieso. Im Harz läuft er sich warm. „Zum Schluss sind wir auf den Brocken gejoggt“, erzählt er. Im Fitnessstudio stellt er sein Laufband auf Maximalsteigung ein. „Wäre ich nicht fit gewesen, hätte ich es nicht geschafft“, sagt er heute. Der Kilimandscharo sei nicht zu unterschätzen. Die Hälfte muss umdrehen. Und es gibt immer wieder Tote. Das wusste Reinecke.
Die Eintracht hatte er eingeweiht, als Antwort gab es ungläubiges Staunen, zwei Eintrachtmützen und als Leihgabe die Fahne. Die hat er zwischenzeitlich wieder brav abgegeben. 2000 Euro kostete die Reise – „alles selbst bezahlt“.
63 Kilometer bis zum Gipfel, keine Vergnügungstour. Ab 4000 Höhenmetern sei das kein Spaß mehr. „Es ist, als hätte man von eben auf jetzt nur noch einen Lungenflügel.“ Reinecke redet gern, aber dann sei sogar er schweigsam geworden. Niemals zuvor habe er seinen Körper so wahrgenommen, Gefühl bis in die Haarspitzen. Vorwärtskommen im Schneckentempo, jeder Schritt eine Überwindung.
In vier Tagen durch vier Klimazonen von tropisch bis arktisch. „Man friert total und verbrennt gleichzeitig trotz Lichtschutzfaktor 50.“ Auf seiner Nase pellt sich die Haut, am kleinen Finger und Zeh hat er Erfrierungen. Abends mit zwei Fleecepullovern übereinander, langer Hose und Stiefeln in den Schlafsack. Todmüde, aber einschlafen geht nicht. Wegen der Höhe, des ständigen Sauerstoffmangels komme der Körper überhaupt nicht mehr zur Ruhe. Porridge zum Frühstück, eine Woche lang nicht waschen – das muss man wollen. Oder auch nicht. „Ab 5000 Meter habe ich mich gefragt, warum machst du das eigentlich, das dankt dir doch keiner. Aber dann habe ich in meine Tasche gefasst, da war die Eintracht-Fahne drin. Ich hatte einen Auftrag.“
Der ist jetzt ausgeführt. Reinecke hat die Gipfelurkunde mitgebracht und einen Lavabrocken für den Sohn. Im Kopf das Bild wie nach nächtlicher Tour über Geröllfelder die Sonne aufgeht, ein Strahl am Horizont erscheint, rot und orange – ein Traum.
Nach ihm war auf dem Gipfel ein Japaner angekommen. Umarmung mit Tränen in den Augen. Nur das mit der Videoaufnahme ist schief gelaufen. Das „Braunschweig-Lied“ hat er auf dem Kilimandscharo gesungen, ist aber nur zur Hälfte auf dem Band zu hören. Schade.
Demnächst singt Reinecke bestimmt wieder. Der Dauerkarteninhaber hat seinen Stehplatz im Stadion, Block 6. „Ich wollte Eintracht einen Gefallen tun. Vielleicht sagt eine Firma jetzt: Ein Verein, der solche Fans hat, den sponsern wir.“ Und dann heraus aus dem jahrelangen Jammertal, Aufstieg in die zweite Liga. Das wäre was für ihn, der in eine „Eintracht-Familie“ hineingeboren worden ist. Den Eintracht-Trainer hatte er vorher zufällig in der Disko getroffen. „Der Lieberknecht wird staunen, dem hatte ich das auch gesagt, dass ich auf den Kilimandscharo steige.“
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