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Der Rocker mit dem klassischen Herzen

Tom Rauschhardt am Mischpult in seinem Tonstudio. Foto: Erik Beyen

Tom Rauschhardt hat mit Weltstars Gitarre gespielt – In Velpke ist er „zu Hause angekommen“.

 Von Erik Beyen, 20.10.2017.
 

Velpke. Mit zwölf Jahren hat er sein erstes eigenes Lied komponiert, ein Stück mit drei Akkorden auf der Klassikgitarre. Auf diese Weise wurden schon Stars geboren. Mit 14 ist er vom Klassiker zum Rocker geworden. Ärger hat er dafür keinen bekommen. Und das, obwohl sein Vater damals bei den Dresdner Philharmonikern als Geiger arbeitete.

„Nein, der hat mir nie Stress gemacht. Musik ist nun mal vielschichtig“, erzählt Tom Rauschhardt, der Wahlvelpker mit sächsischen Wurzeln, die er nicht leugnen kann, sprachlich zumindest. Er habe die Welt gesehen, aber ankommen in einer Familie, das sei eine Sehnsucht, die auch die Musik nicht stillen könne. Mit der Neuen Helmstedter sprach er über sich, die Musik, Ansprüche und den Hang vieler Menschen, sich selber viel zu wichtig zu nehmen.

Tom war gerade vier Jahre jung, da hat er sich einen Tennisschläger genommen und ihn zur Gitarre umfunktioniert. Dieses Instrument würde ihn also sein Leben lang begleiten. Das sei schon damals allen klar gewesen. Wie recht sie doch hatten. Der Musiker und Musiklehrer ist Jahrgang 1979. Seine Jugendweihe, das weltliche Pendant zu Konfirmation bei den Protestanten und Firmung bei den Katholiken, hat er nur wenige Jahre nach der Wende gefeiert. Es gab Geld und davon die erste E-Gitarre. „Damals konnte man nicht einfach eine E-Gitarre kaufen“, lacht er heute.

Die Entscheidung, Profimusiker zu werden, habe er nie bereut – ganz, wie John Miles es besingt: „Music was my first love, and it will be my last“. Es war aber ein harter Weg, denn just als er die Aufnahmeprüfung für das Konservatorium bestanden hatte, da starb sein Vater, der, dem er so gern gezeigt hätte, was Musik für ihn bedeutet. Er tat es trotzdem: Nach dem Studium ging es in die Welt. Seine Referenzliste ist lang: Rauschhardt musizierte mit Größen wie Steve Lukather von der Band Toto, Ricky Lawson und Paul Gilbert, um nur ein paar wenige zu nennen, spielte für internationale Stars auf der Bühne, und „Das sind einfach nur ganz normale Menschen“, sagt er zutiefst bodenständig, aber eben doch Persönlichkeiten, deren Selbstverständlichkeiten sich von denen der übrigen Gesellschaft abheben.

Apropos Gesellschaft: Da hat Tom Rauschhardt, der Mann, aus dessen Feder hunderte Songs stammen, der in mehreren Bands spielt und Musik bis in die Haarspitzen lebt, so seine Meinung. Die sei schlichtweg übersättigt von Youtube und Co, sehr zum Leidwesen der Künstler, denn deren Tätigkeit erfahre lange nicht mehr die Wertschätzung, die sie verdient hätte. Tja, und dann ist da noch das Anspruchsdenken der Menschen: Instrumente als Statussymbol. Er nimmt es alles hin, denn: „Wem soll ich was beweisen?“ - Der Inhaber der gleichnamigen Musikschule ist in Velpke angekommen, engagiert sich für den Zusammenhalt im Ort, sein Herz aber gehört der Musik, und das wird wohl auch so bleiben.
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