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Der Reporter von Ahmstorf will nicht mehr rasen

Ewald Welzel mit Buch und Ordner. Der Ortsheimatpfleger sucht nun einen Nachfolger für sich. Foto: Erik Beyen

Seit 1983 konserviert Ewald Welzel die Geschichte seines Heimatdorfes – Für die NH zieht er Bilanz.

Von Erik Beyen, 26.07.2017.

Ahmstorf. Ewald Welzel ist ein Sammler, ein Faktensammler, der rasender Reporter von Ahmstorf. Mit Block, Stift und Fotoapparat sammelt er seit 1983 alles über und von seinen Heimatort, was er bekommen kann.

Welzel ist ehrenamtlicher Ortsheimatpfleger für das kleine Dorf, das zur Samtgemeinde Grasleben gehört.
Besser: Er war es bis vor wenigen Tagen, denn: „Mit
77 Jahren ist es Zeit, mich meinen anderen Beschäftigungen hinzugeben“, sagte er bei einem Lokaltermin.

Der Reporter will nicht mehr rasen und klappt sein Notizbuch zu. Er hinterlässt eine große Lücke, denn einen Nachfolger für Welzel gibt es bislang nicht.
Eigentlich ist Welzel gar kein Ur-Ahmstorfer. 1970 hat der gelernte Feinmechaniker ein altes Fachwerkhaus von 1880 übernommen und mit viel Aufwand modernisiert, eine Aufgabe für das Leben.

Es war wohl seiner Neugierde und der Freude an der Fotografie geschuldet, dass er schnell mit den Ahmstorfern ins Gespräch kam, vor allen Dingen mit den Landwirten. „Damals waren hier noch 18 Bauernhöfe aktiv“, erinnert er sich. Heute sei ein einziger geblieben. Dennoch: Mit den Gesprächen war die Lust geweckt, die Entscheidung war gefallen: Welzel wollte die Geschichte seines Dorfes aufarbeiten und für die Nachwelt konservieren.
Spätestens ab diesem Zeitpunkt sah man den Mann in seiner Freizeit mit Stift, Block und Fotoapparat durch das Dorf ziehen, immer auf der Suche nach Bewahrenswertem. Das, so der 77-Jährige, sei eigentlich alles, was der Veränderung unterliegt. Und genau deswegen hat er seine Suche auch auf die Staatsarchive Wolfenbüttel und Hannover ausgeweitet. Immerhin galt es, die Geschichte des Dorfes aufzuarbeiten und chronologisch darzustellen. „Das war schon ein ordentlicher Aufwand“, erzählt der Pensionär. Doch dieser Aufwand hat sich wohl gelohnt. Eines von vielen Ergebnissen ist ein 279 Seiten starkes Buch: „Ahmstorf – Geschichte eines Hasenwinkeldorfes“ – eine Lektüre mit unzähligen Zeitdokumenten, die bis in die Anfänge des im Jahre 1150 erstmals urkundlich erwähnten Ortes zurückgehen. „Für das Buch haben wir mehrere Straßenfeste veranstaltet“, ergänzt Welzel. Anders hätte er das Werk nicht finanzieren können.

Der passionierte Fotograf erzählt an diesem Tag noch viele Geschichten über Ahmstorf, wälzt Order voll mit Dokumenten, zeigt alte Karten und Erinnerungsstücke und blickt auf sein Ehrenamt zurück.
Offiziell hatte er das erst in den 90er Jahren übernommen, tatsächlich aber viel länger bekleidet. Nun könne er nicht mehr, wie er selber sagt, und wolle sich wieder mehr der Fotografie widmen. Einen Nachfolger würde er gern ins Amt einführen, wenn sich denn jemand findet: „Ewald Welzel ist ein Ahmstorfer durch und durch. Er hat sein Amt aus eigenem Antrieb heraus bekleidet. Da wird es schwer, jemanden zu finden, der in seine Fußstapfen treten möchte“, sagte Graslebens Samtgemeindebürgermeister Gero Janze. Wer es versuchen will, kann sich bei ihm melden: janze@grasleben.de.
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