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Der Machtkampf bei Volkswagen ist beendet

Dr. Martin Winterkorn und Ferdinand Piëch (r.).

Das Aufsichtsratspräsidium spricht sich mehrheitlich für den VW-Manager aus.

Von Andreas Konrad, 18.04.2015.

Braunschweig. Es war gestern eine eher knappe Pressemitteilung, die VW in die Welt sendete: „Das Präsidium des Aufsichtsrates der Volkswagen AG stellt fest, dass Professor Dr. Martin Winterkorn der bestmögliche Vorsitzende des Vorstands für Volkswagen ist“, hieß es dort im Namen des Aufsichtsratspräsidiums.

Damit endet zunächst eine Debatte um die Personalie Winterkorn, die Konzern-Patriarch Ferdinand Piëch (r.) mit der Bemerkung „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“ gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ auslöste. „Das Präsidium wird dem Aufsichtsrat jetzt vorschlagen, den Vertrag von Herrn Professor Dr. Winterkorn in der Februar-Aufsichtsratssitzung des Jahres 2016 zu verlängern“, lautet der abschließende Satz der Mitteilung. Kurz, aber eindeutig.
Es war ein strammes Programm, das Martin Winterkorn am Donnerstag zu bewältigen hatte. Erst informierte er sich im Werk Braunschweig über eine Leichtbau-Offensive im Bereich Fahrwerk, dann reiste er zum Treffen des sechsköpfigen Aufsichtsratspräsidiums nach Salzburg, bevor er am Abend nach übereinstimmenden Berichten der 1:4-Pleite des VfL Wolfsburg im Europa-League-Viertelfinale gegen Neapel im Stadion beiwohnte.
Das Aufsichtsratspräsidium hatte sich zu einer Sondersitzung an Piëchs Stammsitz in Salzburg getroffen. Zum Präsidium zählen neben Ferdinand Piëch dessen Cousin Wolfgang Porsche, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh, dessen Stellvertreter Stephan Wolf und Berthold Huber von der IG Metall. Am Freitagvormittag kam dann die Meldung, die Winterkorn vorerst an der Konzernspitze hält.
Parallel dazu legte VW die Absatzzahlen des ersten Quartals vor: Der Volkswagen Konzern lieferte in den ersten drei Monaten 2,49 Millionen Fahrzeuge aus – das ist ein Plus von 1,8 Prozent. Audi, Porsche, Seat und Škoda legten alle zu, nur die Kernmarke Volkswagen schwächelt – minus 1,3 Prozent. Und genau daran entzündet sich die Kritik. Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer hätte einen Abgang Winterkorns daher für einen richtigen Schritt gehalten. „Kurzfristig ist es schwer verdaubar, aber langfristig ist es die richtige Entscheidung“, sagte er am Donnerstagabend im ZDF heute journal. „VW braucht jemanden, der das Fahrzeugkonzept und das Geschäft der Kernmarke zukunftsrichtig ausgestaltet“, betonte der Experte von der Uni Duisburg-Essen. „Im VW-Konzern hat man ein Problem: Die Töchter verdienen das Geld und die Mutter VW Pkw ist äußerst ertragsschwach.“ Das bringe VW in eine „Sandwich-Position“, weil der Konzern mit hohen Rabatten in den Markt gehen müsse.
Nach der Erklärung des Aufsichtsratspräsidiums scheint eine Entlassung Winterkorns zumindest bis zur Februar-Aufsichtsratssitzung des Jahres 2016 kein Thema zu sein. Spätestens dann wird das Thema neu auf die Tagesordnung kommen.
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