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Der Frauenversteher und charmante Beziehungswaise

Autor, Musiker und einstiger Niedersachse Michel Birbaek las von seiner Trennungsparty

Von Sebastian Walther

Braunschweig. Am Freitag kehrte Michel Birbaek zurück nach Niedersachsen. Der Autor lebte lange Zeit in Wolfsburg und offenbarte bei seiner Lesung im Rahmen des Literaturfestivals seitenweise auch seine Schwäche für das schöne Geschlecht.

Michel Birbaek lässt sich gerne duzen. „Hallo, ich bin der Michel“, stellt er sich in Braunschweig vor. Der Autor scheint ähnlich pragmatisch wie die Protagonisten in seinen Büchern durch das Leben zu gehen. Kein Wunder, beteuert Birbaek, er schreibe schließlich „semi-biographisch“. Zuletzt „Beziehungswaise“, seinen dritten Roman, in dem sich ein Pärchen nach sieben Jahre mit einer Party von der eigenen Beziehung verabschiedet. Die Vorlage hierzu stamme aus seinem Leben, seine „Süße“ und er haben sich genauso getrennt, berichtet Birbaek kurz vor der Lesung einiger Passagen daraus.
Frauen scheint er gerne diesen eher kulinarischen Spitznamen zu verpassen, beispielsweise wenn er davon berichtet, dass er eben ein Gentleman alter Schule sei, „mit Tür aufhalten und in den Mantel helfen“ und wenn die Dame Schutz benötigt, dann würde Michel Birbaek auch handgreiflich werden.
Der Autor ist eigentlich Musiker und in Wolfsburg groß geworden. Mit zwölf Jahren zog er mit seiner Familia aus Kopenhagen in die VW-Stadt und betätigte sich dort vor allem musikalisch. Birbaek arbeitete einige Jahre für das Fernsehen, schrieb Gags für Harald Schmidt oder Drehbücher für deutsche Serien. Eher zufällig legte er mit 33 Jahren sein Romandebüt „Was mich fertigt macht, ist nicht das Leben, sondern die Tage dazwischen“ vor und wurde vom Interesse genauso überrascht wie der Verlag. „Nach acht Wochen war die erste Auflage weg. Als auch noch die Lesungen voll waren, hielt man mich plötzlich für talentiert. Die Medien feierten den Roman, als „Überraschungserfolg eines jungen deutschen Schriftstellers.“ Ein Satz, der bei einem 33-jährigen dänischen Musiker inhaltlich zu denken geben könnte, aber gut: Es war nicht nur ein wunderschönes Erlebnis, sein Buch in der Hand zu halten, sondern auch ein einschneidendes“, erinnert sich der Wahlkölner.
Bei ihm wird schnell offensichtlich, was man eigentlich allen Autoren nachsagt. Seine Werke spiegeln ihren Urheber wunderbar wider. So wie Birbaek die Welt sieht, so herrlich unbeschwert und unterhaltsam erscheint sie auch in seinen Büchern. Und anscheinend hat der Mann ein bewegendes Liebesleben. Die Titel (der zweite hieß „Wenn das Leben ein Strand ist, sind Frauen das Mehr“) definieren sein Humorverständnis. Auch wenn in den eher einfach gestrickten Romanen solche klugen Wortspiele weitestgehend ausbleiben. Birbaeks Bücher sind Unterhaltung, für manchen Kritiker auch trivial. Fleißig stricken er und sein Verlag am Mythos des ewigen Frauenverstehers, und auch der Däne wehrt sich nicht gegen dieses Unwort: „Warum sollte ich, für mich ist das ein Kompliment. Wer Frauen versteht, kann schließlich auch in Atomphysik bestehen.“ Und auch warum das so ist, kann er ebenso erklären: „Ich mag eben Frauen. Und wenn du dein Leben lang etwas magst und dich damit beschäftigst, dann lernst du sogar Frauen besser verstehen.“ Und weil das so ist, erscheinen Texte und Kolumnen von ihm auch regelmäßig in Frauenzeitungen. Hier erklärt der 46-Jährige seinen Leserinnen den Mann und dessen Eigenheiten.
Doch vielleicht wird in Zukunft alles anders. Schon das nächste Buch soll ernsthaftere Züge tragen. Einen fertigen Krimi hat er bereits in der Schublade, und für seine Texte hat er sich vorgenommen, „die Leser zu unterhalten und zum Lachen zu bringen, aber ihnen am Schluss auch einen moralischen Hinweis mitzugeben.“

Seitenweise: Noch bis zum 8. Mai bietet das Braunschweiger Literaturfestival seitenweise am Platz an der Martinikirche literarische Unterhaltung in einem historischen Spiegelzelt. Unter anderen stellen dort TV-Moderatorin Charlotte Roche (29. April) und Medien-Seelsorger Jürgen Domian (3. Mai) ihre Debütwerke vor. Während Domian in „Der Tag, an dem die Sonne verschwand“ die Geschichte eines vermeindlichen Weltuntergangs nacherzählt, widmet sich Roche in „Feuchtgebiete“ bisherigen Tabuzonen hiesiger Literatur. Den Abschluss bildet mit Martin Walser (8. Mai) der Braunschweig-Besuch eines der größten deutschen Schriftsteller, er berichtet in „Ein liebender Mann“ von der letzten Liebe des Dichters Goethe. Tickets für die Lesungen können unter der Telefonnummer 2 80 18 18 bestellt werden, alle Termine finden sich auf der Internetseite www.festival-seitenweise.de.
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