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Der Appetit auf Baileys mit Sahne wird minütlich größer

nB präsentierte TV-Koch Horst Lichter am Freitagabend in der ausverkauften Stadthalle

Von Martina Jurk, 19.12.2010


Braunschweig. Kann denn Butter Sünde sein? Diese Frage beantwortet Horst Lichter in seiner gleichnamigen Show ganz klar mit nein. „Wenn der liebe Gott gewollt hätte, dass ein Marzipanbrot schlecht für uns ist, dann hätte er es nicht erfunden“, argumentiert der Starkoch.

Spätestens seit seinen Auftritten als Fernsehkoch („Lanz kocht“, „Lafer! Lichter! Lecker!“, „Die Küchenschlacht“ im ZDF) ist uns klar: Lichter kocht nicht nur gut, weil bodenständig, sondern er redet auch gern und viel. Das Publikum weiß offensichtlich, worauf es sich einlässt. Die Stadthalle rappelvoll, Lichter braucht keinen Aufwärmer, keinen Eisbrecher, um die Besucher auf seiner Seite zu haben. Die allerersten Sprüche genügen, und die Leute im Saal kriegen sich vor Lachen nicht mehr ein – bis zum Schluss.
„Ich bin kein Comedian, kein Kabarettist, ich bin ein Geschichtenerzähler“, stellt der 48-Jährige klar. Und so erzählt er seine Stories. „Sie sind alle wahr“, schwört er. Dass Horst Lichter auch ab und zu mal zum Herd geht, ist Nebensache, aber so gehaltvoll wie ein Fass Butter. Und immer ist reichlich Baileys dabei. Butter und Puderzucker schmelzen, Baileys dazu, ein Stück Banane ins Glas („Kann man aber auch weglassen.“)– fertig ist der hochprozentige Cocktail. Heiko in der ersten Reihe muss kosten. „Das mache ich nach“, ist aus dem Publikum zu vernehmen.
Kaum ein Lebensmittel, das bei Lichters näherer Betrachtung nicht für Lachkrämpfe bei den Fans sorgt. Er darf das, er ist gelernter Koch, er weiß, wovon er spricht. Auch seine Fernsehkoch-Kollegen verschont er nicht. „Johann Lafer freundet sich mit den Möhren an und dann zieht er sie aus.“
Butter und Sahne sind die Lieblingszutaten des Kölners. „Das ist einfach lecker!“ Gnadenlos rechnet er mit der einen oder anderen Diät und mit Laufsteg-Hungerhaken ab. Nein, maßlose Übertreibungen sind nicht sein Ding, auch nicht in die andere Richtung. Horst Lichter ist ein Genussmensch, und das versucht er in seiner zweistündigen Show den Zuschauern ans Herz zu legen. Denn nach zwei Schlaganfällen und einem Herzinfarkt fasste er vor 20 Jahren den Entschluss, sein Leben grundlegend zu ändern – und zu genießen!
Die Geschichten, die der Zwirbelbartträger zum Besten gibt, haben nicht immer etwas mit Essen zu tun. Als er mit seinem Kumpel Franz wider Willen nach Las Vegas fliegt und als amerikanischer Tourist verkleidet in Shorts, buntem Hemd und Strohhut auf der Bühne steht, braucht er auch gar nicht zu sprechen, damit sich die Leute vor Lachen biegen. Seine Flugangst spült er mit mehreren doppelten Baileys runter. Womit auch sonst. Oder der Urlaub mit seinem Schatz (so nennt er seine Frau) in der „Domrep“ – zum Brüllen komisch. „Stimmt alles“, versichert Lichter, „nur, es war noch schlimmer.“
Er kocht Kakao, einen ganz speziellen – mit Baileys und Sahne. „Da kannst du nur noch mit dem Bus nach Hause fahren.“ Die Krönung aber ist seine Blitztorte: Tortenboden, Baileys, in Cognac eingelegte Bananen, Sahne. Das Ganze dreimal übereinander. Obendrauf noch ordentlich Eierlikör. Klar ist, die wird nachgebacken. Und so langsam bekommen die Besucher Appetit auf Baileys. Sollte Horst Lichter bei dieser Firma einen Werbevertrag haben, dann erfüllt er ihn erfolgreich.
Zum Schluss fragt der Koch die Zuschauer, ob denn Butter Sünde sein kann. Die Antwort wissen alle schon vorher. Aber was dann kommt, ist völlig unerwartet und rührt das Publikum fast zu Tränen. „Sünde ist nicht der Kinderwagen, der im Hausflur steht, sondern die Hausordnung, die das verbietet.“ Sünde sei, sich mit dem Nachbarn über die Kirschen zu streiten, die übern Zaun wachsen. „Einen leckeren Kirschstreuselkuchen davon backen und den Nachbarn einladen, gemeinsam so richtig zu sündigen“, schlägt Horst Lichter als Alternative vor.
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