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„Das war schon was Besonderes“

Wolfram Hilger (l.) schwelgt mit Neithard Mollet in Erinnerungen an die Magdeburg-Wanderung mit den Funker-Freunden. Foto/Fotocollage: André Pause

Wolfram Hilger wanderte mit seinen Funkerfreunden 1990 von Braunschweig nach Magdeburg.

Von André Pause, 03.10.2015.

Groß Schwülper. Mit einer Wette unter Amateurfunkerkollegen fing alles an: Wenn es zur Wiedervereinigung kommt, dann gehen wir von Braunschweig nach Magdeburg!

Wolfram Hilger wanderte ohnehin mit Begeisterung, da würden ihn auch die etwa 85 Kilometer in die Partnerstadt nicht umhauen. Hinzu kam, dass die Möglichkeit zur Einlösung der Wettschuld zum Zeitpunkt der Formulierung durch den Funkerfreund Erhard Kalxdorf – Mitte der 80er Jahre – sprichwörtlich in den Sternen stand.
Als es zur Überraschung aller doch zum Zusammenschluss kam, hielt Wolfram Hilger Wort und machte sich gemeinsam mit den heute verstorbenen Erhard Kalxdorf (Braunschweig) – dem eigentlichen Initiator – und Walter Preussler (Magdeburg) von Riddagshausen aus auf den Weg in die Bördestadt.
Zuvor hatten die Funker-Ortsverbände H03 Braunschweig und W10 Magdeburg über Kurzwelle Kontakt hergestellt und sich gegenseitig einen Besuch abgestattet, so dass die Aktion aus beiden Lagern mit großem Interesse verfolgt wurde. Viele Funker verfolgten beinahe jeden Schritt der Wanderer.
Die erste Etappe führte das Trio am 6. Oktober 1990 über Königslutter am Elm bis nach Völpke. „Wir wussten, an einem Tag werden wir es nicht schaffen. Da hat uns ein Funkerkollege eine Übernachtungsmöglichkeit angeboten, und am nächsten Tag sind wir dann weiter“, erinnert sich Wolfram Hilger und fügt lachend hinzu: „Im grenznahen Gebiet gab es auf fünf Kilometer kein Ortsschild. Gar nichts war da. Wir wollten einen Mopedfahrer nach dem Weg fragen, da hat er uns gesehen und ist abgehauen. Der hatte wohl Angst, dass wir ihm das Moped klauen.“ Überhaupt erfolgte die Orientierung überwiegend nach Instinkt. Eine Karte hatten Hilger und Co nicht dabei, nur ihre Funkgeräte, die für einen Kontakt nach Magdeburg sorgten. „Trotzdem konnten wir denen ja nicht sagen, wir stehen gerade an diesem oder jenen Baum. Wir wussten aber immer ungefähr die Richtung“, rekapituliert Diplom-Ingenieur Hilger, der mit Frau Birgit seit 1966 in der Region Braunschweig zuhause ist.
Am nächsten Tag wurde die zweite Etappe in Angriff genommen. Wobei sich junge Wanderer dem Dreiergespann anschlossen, es begleiteten, bis das Werk gegen 16 Uhr vollbracht, das Versprechen eingelöst war. Eine Funker-Delegation empfing das Trio euphorisch in Magdeburgs Süden. „Das war schon was Besonderes damals“, sagt Hilger.
Die Beziehungen nach Magdeburg sind, wenn auch mittlerweile in abgespeckter Form, bis heute existent. Gegenseitige Besuche und gemeinsame Veranstaltungen finden noch regelmäßig statt. In dieser Form gewandert wurde allerdings nie wieder.
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