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„Das kann aber noch ein Jahr dauern“

Im Iran nimmt man es mit der Geografie bezüglich des amerikanischen Kontinents nicht so genau.
 
Der Aussichtspunkt Kala Patthar auf 5643 Metern mit dem Everest in zehn Kilometern Entfernung. Unten am Khumbu-Gletscher liegt in der Saison das Everest-Basecamp.

Mark Harzheim ist seit 16 Monaten mit Pedelec und Solaranhänger auf dem Globus unterwegs – Zwischenmeldung aus Kathmandu.

Von Andreas Konrad, 04.08.2017.
 
Braunschweig/Kathmandu. Es war ein ganz normaler Dienstagmorgen. Als ich im Büro meinen Rechner hochfahre, ploppt mir eine E-Mail entgegen. „Hallo Andreas, wie läuft`s in good old Braunschweig“, schreibt Mark Harzheim und sofort erinnere ich mich. Wir hatten uns an einem regnerischen Frühlingstag am Rathaus für eine Geschichte über seine geplante Weltumrundung mit dem Fahrrad getroffen, doch war das nicht im letzten Jahr? Richtig! Kurz vor seinem Start am 24. April 2016. „Ich bin gerade in Kathmandu“, erfahre ich weiter „und möchte auf Dein Angebot zurückkommen, noch einen Artikel in der NB zu bringen.“ Schnell verabreden wir uns zu einem Telefonat über WhatsApp. 16.30 Uhr, MEZ.

Während ich mich auf das Gespräch vorbereite wird mir klar, dass es unmöglich sein wird, das Erlebte aus 16 Monaten und rund 16 000 Fahrradkilometern quer über den Globus in einen Zeitungsartikel zu pressen, dafür bedarf es schon eines Buches. „Die Tour macht noch immer Riesenlaune, habe es an noch keinem Tag bereut, losgefahren zu sein“, schrieb Mark bereits in der Mail.

Als ich ihn am Telefon frage, wie es ihm geht, erhalte ich schon durch seine Stimmfarbe die Antwort. Positiv und euphorisch, aber zugleich auch tiefenentspannt. Schnell kommen wir ins Gespräch, als wäre unser letztes Treffen gestern gewesen. Das ist sicher das Geheimnis seines Tour-Erfolgs: Er schafft es in kurzer Zeit, eine große Vertrautheit aufzubauen.

„Es hat sich mittlerweile zum Sport entwickelt, am Abend einen guten Platz zum Zelten zu finden. Die beste Strategie ist, die Nähe zu Einheimischen zu suchen, dann wird man meist angesprochen“, verrät Mark. So habe er die überwiegende Zahl der Nächte auf seiner Reise im Zelt verbracht, selten ein Hostel gebucht. Deshalb komme er auch wirtschaftlich mit den Mieteinnahmen aus seiner Eigentumswohnung bestens zurecht. „Vermisst Du nicht etwas Komfort“, frage ich und nach einer kurzen Pause, in der er darüber nachzudenken scheint, was überhaupt Komfort ist, erhalte ich die Antwort: „Überhaupt nicht!“

Ob er mehr beeindruckt von der Schönheit der Natur oder von den Begegnungen auf seiner Reise sei, möchte ich wissen. „Beides“ ist die klare Antwort. Natürlich werde er auch immer wieder nach seinen Lieblingsorten gefragt, erzählt er weiter. Und da habe er drei klare Favoriten, alles Orte an denen sich eine großartige Allianz zwischen Natur und Menschen ergeben habe.

„Ich habe noch nie einen Gletscher im Sommer gesehen, und dazu diese unglaubliche Gastfreundschaft“, schwärmt er von Georgien. „Die Menschen dort sind unglaublich stolz auf ihren Rotwein, verglichen mit einem guten aus Spanien schmeckt der aber überhaupt nicht. Um mich den permanenten Einladungen möglichst höflich zu entziehen, habe ich schließlich vorgeschoben, ich sei trockener Alkoholiker“, lacht Markt.
Sein zweiter Favorit ist bislang Sri Lanka. „Nach dem stressigen Indien habe ich dort wunderbar relaxt.“ Neben entspannten Einheimischen traf er dort aber auch Freunde aus Deutschland, um seinen 50. Geburtstag zu feiern.

Natürlich muss man bei so einer Tour auch das Thema Gefahr anschneiden. „Bislang war ich kein einziges Mal ängstlich, bin auch nie überfallen worden und es wurde mir nichts gestohlen.“ Dass er samt Fahrrad auf der Ladefläche eines Pick-ups, begleitet von zwei Soldaten mit Schnellfeuerwaffen durch Pakistan chauffiert wurde, bezeichnet er als „abenteuerlich“.

Aktuell ist Mark in Nepal – seinem dritten Favoriten – und hat gerade zwei ausgiebige Gebirgswanderungen gemacht. Morgen hofft er, sein Visum für Myanmar zu erhalten, dann geht es nach einem längeren Aufenthalt am Himalaya weiter.
In seinem Gepäck befindet sich übrigens noch ein Grußschreiben von Oberbürgermeister Ulrich Markurth an Braunschweigs Partnerstadt Bandung in Indonesien, das er mit auf die Reise nahm. Mark verspricht mir, sich zu melden, wenn er es überbringt. „Kann aber noch ein Jahr dauern“, sagt er und wir verabschieden uns. Ich freue mich schon jetzt auf die nächste E-Mail.

Wer mehr über Marks Abenteuer erfahren möchte, kann viele Geschichten und Bilder unter www.oneworldpedelectour.de im Internet finden.
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