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„Das ist auch für uns spannend“

Rozann Schmidburg und Laszlo Hubay Cebrian kamen zur Premiere. Foto: Pause

Hubay-Enkel kam zur Premiere der Oper „Anna Karenina“ im Staatstheater Braunschweig.

Von André Pause, 16.02.2014.
Braunschweig. Die Opernpremiere des Stückes „Anna Karenina“ am gestrigen Abend im Staatstheater lockte internationale Gäste nach Braunschweig. Der ungarische Botschafter aus Berlin war ebenso angereist wie Regierungsvertreter aus Budapest – und die Enkel des Komponisten Jenö Hubay: Rozann Schmidburg und Laszlo Hubay Cebrian.

„Ich bin wahnsinnig aufgeregt“, freut sich Schmidburg (Jahrgang 1938) im Gespräch. Ihr Bruder (Jahrgang 1942) nickt: „Absolut.“ Ihnen geht es da nicht anders als anderen Besuchern. Seit 1936 ist das Stück nicht mehr auf einer Opernbühne präsentiert worden, überhaupt sind es lediglich zehn Produktionen in den 100 Jahren nach der Komposition. „Daher ist es natürlich auch für uns spannend“, sagt Schmidtburg.
In der kommunistischen Diktatur Ungarns durfte Hubays Name nach 1956 nicht genannt werden. Er selbst war ein großbürgerlich-aristokratischer Künstler, seine Ehefrau Róza war Gräfin. Auch hatte er stets Kontakt zu höchsten Kreisen gehabt, war bei Königen und Kaisern zu Gast. „Dazu war er Antikommunist“, betont die Enkelin. „Es ist sehr schwierig, zur Musik des Großvaters eine Verbindung aufzubauen“, beschreibt Laszlo Hubay Cebrian, „bis zur Wende war sie ja verboten.“ Die gesamte Familie stand auf der schwarzen Liste.
Heute sei das anders, skizziert der Enkel des nach Franz Liszt wohl zweitbedeutendsten Komponisten Ungarns. Das Geschwisterpaar hat bereits vor Jahren die Hubay-Stiftung gegründet, mit dem Ziel, die Musik des Großvaters vor allem im eigenen Land wieder bekannter zu machen, und die Regierung helfe dabei. Wichtig sei, dass die Musik wieder gespielt wird. „Wenn man heute nach Budapest fährt, hört man im Radio konstant Hubay: Lieder, Sinfonien und größere Werke. Seit Ende der 80er Jahre ist das Interesse wieder da“, meint Laszlo Hubay Cebrian, der vor allem ab der Jahrtausendwende eine schrittweise „Enteisung des Hubay-Erbes“ zu erkennen glaubt. Die sentimentalen ungarischen Tänze Hubays hätten dabei geholfen. „Das wurde gleich sehr gut angenommen und sehr viel gespielt“, erinnert sich Rozann Schmidburg.
Lange Jahre ist „Anna Karenina“ in der Budapester Nationaloper gespielt worden. Hubay Cebrians Idee war, dass das Stück genau dort endlich wieder zurück auf die Bühne kommt. Das klappte bislang nicht. Dann half der Zufall, oder besser Philipp Kochheim, der neue Operndirektor des Staatstheaters. „Auf einmal bekam ich eine E-Mail, und er fragte mich, ob ich mit Jenö Hubay verwandt sei. Ich sagte, dass er mein Großvater sei. Dann hat er mir die Geschichte erzählt, dass er in Budapest war und die Notenunterlagen von ’Anna Karenina’ gesehen hat. Er sagte mir, dass er die ’Anna Karenina’ in Braunschweig einführen möchte“, sprudelt es aus dem Enkel heraus. Es sei fantastisch, dass „Anna Karenina“ die bekannteste der Hubay-Opern nun hier in Deutschland gezeigt werde, meint auch die Schwester. Das vielfach – zuletzt 2012 – verfilmte Drama biete viel Liebe und Sentimentalität. Das würde gut passen zum Menschen Jenö Hubay, den die Enkel nicht mehr persönlich erleben durften. Sehr hilfsbereit und offen, musikalisch immer die Perfektion suchend – so sei er ihnen in Erzählungen vermittelt worden.
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