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Das Hochwasser hielt Region in Atem

An der L 639 zwischen Essenrode und Wendhausen drohte ein Rückhaltebecken die Straße zu überfluten. Fotos: Feuerwehr
 
Mitglieder der Feuerwehrbereitschaft Helmstedt werden für ihren Einsatz in Goslar verabschiedet.

Die Helmstedter Feuerwehren waren im Dauereinsatz – Hilfe für Goslar und Wolfenbüttel.

Von Andreas Konrad, 29.07.2017.

Helmstedt. Tief „Alfred“ hatte in dieser Woche die Region voll im Griff. Grauer Himmel und unglaubliche Regenmengen – teils das Dreifache der gesamten Juli-Niederschläge, wie der Deutsche Wetterdienst meldete – brachte es vor allem über den Harz. Die Feuerwehren in Helmstedt hatten alle Hände voll zu tun und leisteten auch noch Nachbarschaftshilfe.

Überschattet wurden die Einsätze von einem schweren Unfall, bei dem zwei Feuerwehrmänner verletzt wurden.
Am Mittwoch, nach zwei Tagen Dauerregen, wurden gegen 5 Uhr die ersten Feuerwehren der Gemeinde Lehre wegen Hochwassers alarmiert. In den folgenden zwei Stunden kamen alle verfügbaren Ortsfeuerwehren der Gemeinde zum Einsatz.
Schwerpunkt waren die Ortschaft Essehof, in der die Hordorfer Straße komplett unter Wasser stand sowie die Ortschaft Essenrode, wo die Schloßstraße, der Kirchring sowie der Bäckerberg betroffen waren.

In Essehof galt es, die Straßen von den Wassermassen zu befreien, sowie anschließend einige vollgelaufene Keller leerzupumpen. Das Wasser stand teilweise 30 bis 40 Zentimeter hoch auf den Straßen, und es floss weiterhin nach. In Essenrode waren vorrangig die genannten Straßen freizupumpen. Um vollgelaufene Keller kümmerten sich viele Anwohner in Eigenregie.
Da die Einsatzkräfte der Feuerwehr nicht ausreichten, wurden noch THW-Einheiten aus Helmstedt und Schöningen dazugezogen. Das THW hat schon außerhalb der Ortschaft Essenrode versucht, das Wasser in geeignete Bahnen zu leiten, um so zu verhindern, dass die Wassermassen weiter in die Ortschaft dringen.
Weiterhin gab es einige Einsatzorte in Flechtorf, Klein Brunsrode und Lehre abzuarbeiten. Im Feuerwehrhaus Lehre wurde eine Örtliche Einsatzleitung (ÖEL) aufgebaut, von der aus die Einsatzkräfte koordiniert und eingesetzt wurden.
Um 11.28 Uhr dann eine weitere Schreckensnachricht: Bei einem schweren Verkehrsunfall hatten sich auf der L 641 bei Warberg zwei Feuerwehrmänner schwer und einer leicht verletzt – laut Polizeiangaben war der Wagen auf dem Weg zu einem unwetterbedingten Einsatz.

Demnach fuhr der Feuerwehrwagen der Freiwilligen Feuerwehr Räbke mit Blaulicht und Martinshorn in Richtung Warberg – aus bisher nicht geklärter Ursache geriet das Fahrzeug dann auf den stark aufgeweichten Grünstreifen. Dabei verlor der 55-jährige Fahrer die Kontrolle über den Wagen, der etwa 70 Meter über den Seitenstreifen fuhr und schließlich gegen einen Baum prallte. Durch den Crash wurden der Fahrer und ein 23-jähriger Beifahrer schwer verletzt; ein weiterer Insasse (24) verletzte sich leicht. Alle Verletzten wurden zur weiteren Behandlung in das Krankenhaus Helmstedt gebracht. An dem Fahrzeug entstand ein Totalschaden – die Schadenshöhe liegt bei etwa 18 000 Euro.

Damit war der Tag für die Helmstedter Feuerwehr allerdings noch nicht beendet. Ein Hilferuf aus Goslar ereilte die Helfer: Katastrophenalarm. Gegen 19 Uhr setzte sich die Feuerwehrbereitschaft noch am Mittwoch mit vielen Fahrzeugen und Mannschaften der Kreisfeuerwehr und der einzelnen Kommunen nach Goslar in Bewegung. Zum Eigenschutz war auch ein Krankentransportfahrzeug des DRK dabei. Kreisbrandmeister Olaf Kapke verabschiedete die 185 Einsatzkräfte und 28 Fahrzeuge. „Eine solch dramatische Hochwasserlage hat die Stadt Goslar seit 70, 80 Jahren nicht erlebt“, sagte Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk. Die Flüsse Gose und Abzucht, im weiteren Verlauf auch die Oker sowie viele kleine – sonst unscheinbare – Bäche hatten sich in reißende Ströme verwandelt und waren über die Ufer getreten. Der Einsatz dauerte bis in den Donnerstagabend. Gleich im Anschluss rückten sieben Fahrzeuge und 33 Einsatzkräfte nach Wolfenbüttel aus. Auch hier Katastrophenalarm, 8500 Sandsäcke und 400 Big Bags wurden zu den Einsatzorten gebracht.
Um 18.37 Uhr wurden derweil in der Heimat die Ortsfeuerwehren Essenrode und Groß Brunsrode auf die L 639 zwischen Essenrode und Wendhausen alarmiert, weil dort ein Rückhaltebecken durch weiteren Wasserzufluss auf die Straße zu überschwemmen drohte. Es wurden zwei Hochleistungsschmutzwasserpumpen, eine Tragkraftspritze und eine Tauchpumpe eingesetzt, um Wasser aus dem Becken über die Straße in die Ausweichflächen zu leiten.

Die Helmstedter Feuerwehr wurde in Goslar im weiteren Verlauf durch Einheiten aus der Region – unter anderem aus Salzgitter Thiede – abgelöst. Am gestrigen Freitag entspannte sich die Lage schließlich. In Wolfenbüttel stabilisierten sich die Wasserstände am Freitag. Noch bis Sonntag sollen die Pegelstände der Oker in und um Wolfenbüttel ihre Höhe behalten, sagte Matthias Tramp, Geschäftsführer der Stadtwerke.
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