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Das geteilte Leben und ein fremder Rhythmus

Dauercamper Rainer zieht täglich mit einem kleinen Bollerwagen zum Waschhaus, um sein Geschirr abzuwaschen. Waschmaschine, Trockner, Backofen und Kaffeemaschine stehen dort bereit.
 
Für den Abwasch steht den Campern das Waschhaus zur Verfügung. Fotos (2): Erik Beye

Für ungeübte Camper lauert mancher Kulturschock – Am Ende winkt eine Errungenschaft: Gelassenheit.

Von Erik Beyen, 30.05.2017.

Mariental. Facebook und Twitter? Die braucht man auf einem Campingplatz nicht. Denn dort wird das Leben auch ohne diese Online-Offenbarungs-Plattformen geteilt, ob man will oder nicht. Und dann dieser Rhythmus, der so gar nicht in den für die meisten Menschen üblichen Alltag passt, für Neulinge in der Camperszene gleicht das beinahe einem echten Kulturschock. Die NH hat erforscht, wo der auf einem Campingplatz überall lauern kann.

Kulturschock Nummer eins: das Aufwachen. Natürlich gibt es sie, die Menschen, die stets mit weit offenen Fenstern schlafen und sich gern von den Vögeln wecken lassen, gar keine Frage, wenn man auf dem Lande wohnt. Da könnte die eine oder andere Nachtigall schon mal ihren Gesang zelebrieren. Auf dem Campingplatz heißt ihr Lied ab Mitte Mai „Aufstehen bitte“, und zwar zur ersten Morgendämmerung und gefühlt eine Ewigkeit vor dem Einschlafen. Zugegeben: Es gibt keine schönere Art des Weckens, ganz kostenlos und garantiert der Jahreszeit angepasst. Der eingefahrene Rhythmus kommt dabei allerdings schwer ins Schleudern, denn bereits am frühen Abend melden sich die fehlenden Stunden Schlaf. Dann heißt es: Disziplin und durchhalten, immerhin ist alles nur eine Frage der Gewohnheit, sagt der Volksmund, und der muss es ja wissen.

Kulturschock Nummer zwei: die Morgentoilette. Wohnwagen haben in aller Regel ein eigenes Bad. Doch das benutzen längst nicht alle Camper, denn ein Campingplatz hat Sanitäranlagen für die Allgemeinheit. Und dort trifft sich morgens der Platz in Schüben. Bad und WC als Ort für soziale Kontakte. Für ungeübte Camper eine echte Herausforderung, denn der nächste Schritt ist der kommunale Wasch- und Duschsaal. Dort treffen sie sich wieder, die Bäuche und Bärte in Reih und Glied an den Becken, je nach Umfang auch darüber oder darin. Zugegeben: Dieses Szenario spielt sich vorwiegend bei Hochbetrieb ab, also an Wochenenden oder während der Hochsaison. Außerdem gibt es Ausweichmöglichkeiten, wenn es die Zeit zulässt, gern mit dem ersten Lied der Nachtigall oder einfach im Laufe des Vormittags. Für ganz ängstliche Menschen gibt es Einzelwaschkabinen, und die Duschen sind hinter Kabinentüren versteckt.

Ähnlich verhält es sich mit Kulturschock Nummer drei, dem Abwasch. Smalltalk am allgemeinen Spülbecken, Erziehung zur Sauberkeit inbegriffen, denn ein jeder ist bemüht, seine Abwaschrückstände anschließend zu entfernen. Da darf gern auch Hochbetrieb sein, es gibt immer Themen für eine Plauderei. Für Ungeübte gilt: Geduld und Gedanken beisammen halten, denn Spülmittel, Schwamm und Trockentuch gehören nicht der Allgemeinheit. Aber jeder Gang macht bekanntlich ...

Kleines Fazit zwischendurch: Ein Campingplatz hat seinen ganz eigenen Rhythmus. Wer sich auf ihn einlässt, gewinnt eine Tugend, die das Leben erleichtert: Gelassenheit.

Nächste Folge der Dauercamping-Serie: Ordnung muss ein, auch auf dem Campingplatz. Sind sie wirklich alle kleine Bürgermeister, die Dauercamper?
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