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Danke Braunschweig: Überwältigende Resonanz

Ulrich Müller (im karierten Hemd) überzeugte sich, dass die Spenden direkt bei den Flüchtlingen in Idomeni ankommen, dabei lernte er einige Familien auch persönlich kennen. Fotos: Deutsche Kleiderstiftung
 
Fast fünf Tonnen haben allein die Braunschweiger an Kleidung und Hygieneartikel gespendet.

Deutsche Kleiderstiftung schickte 15 Tonnen gut erhaltener Kleidung sowie Hygiene- und Babyartikel nach Idomeni – Neu: Nähworkshop.

Von Marion Korth, 20.04.2016. Braunschweig.

Einen Monat ist es her, dass wir in der neuen Braunschweiger einen Hilferuf der Deutschen Kleiderstiftung veröffentlichten, die um Spenden für Flüchtlinge in den Lagern in Idomeni bat. Unglaublich, was sich danach im Carityshop „Zweimalschön“ im Magniviertel abspielte. Ulrich Müller, Vorstand der Stiftung ist begeistert von der Spendenbereitschaft. Fast fünf Tonnen trugen die Braunschweiger innerhalb weniger Tage zusammen.

Besonders berührt war Christel Kowalski, Filialleiterin in Braunschweig, über die vielen Hygieneartikel, Babynahrung sowie Schnuller und Windeln, die extra eingekauft wurden, um sie dann bei „Zweimalschön“ für die leidenden Menschen in Idomeni zu spenden. Die Spenden werden ab sofort von Ehrenamtlichen der Griechisch Evangelischen Gemeinde verteilt. Ulrich Müller traf Mitarbeiter der Gemeinde sowie Geflüchtete in Idomeni und überzeugte sich persönlich, dass die Spenden – insgesamt 15 Tonnen – bei den betroffenen Mitmenschen ankommen.
Dabei lernte Müller einige Flüchtlinge auch persönlich kennen, die ihm ihre Geschichte erzählten.

Hier ist sein Bericht. „Da ist zum Beispiel Raad, der vor der Flucht einen großen Supermarkt und Angestellte hatte. Er war Arbeitgeber und ein angesehener Bürger. Er ist einer vom Typ ’Macher’. Deshalb packten er und seine Kinder selbstverständlich mit an, als der Hilfsgütertransport aus Deutschland in einem kleinen Ort nahe der mazedonischen Grenze ankam. ’Idomeni’, das einstige 100-Seelen-Dorf liegt nicht weit entfernt.
Aus dem Irak seien sie geflüchtet. Über eine der üblichen Routen bis nach Griechenland. Dort hatten sie Glück im Unglück: In einem leerstehenden Gebäude fanden die syrischen Christen Obdach. Zwei Räume und ein Abstellraum reichen für ein Matratzenlager für zwei Familien. Mena und Jabar, ein befreundetes Ehepaar, finden auch noch Platz in dem alten Pfarrhaus. In der Küche findet sich spärliches Mobiliar. Ein paar Stühle, Bänke und ein altes Sofa. Hier sitzen wir und ich erfahre, wie die Anhänger des ’IS’ kamen, um zu plündern und zu zerstören. Die beiden Volkswagen der Familie nahmen sie einfach mit.

In Idomeni treffe ich sehr freundliche Menschen. Immer wieder werde ich begrüßt und eingeladen, vor den Zelten Platz zu nehmen. Sie zeigen mir das nur wenige Wochen alte Baby, den Buggy mit zerschlissenen Rädern. Hunderte von Kilometern hat er hinter sich.
Viele wollen ihre Geschichte erzählen. Vom Krieg, von ihrer Vertreibung, von dem in der Heimat erlebten Hass. ’Irgendetwas wird passieren, deshalb gehe ich hier nicht weg’, berichtet mir ein junger Mann, der daran glaubt, dass er gegebenenfalls über Albanien nach Deutschland kommen könne.
Das Ziel der Flucht ist ein Ort zum Leben, wo man wieder Würde empfängt und geachtet wird. Viele glauben, dass die Bundesrepublik Deutschland dafür ein gutes Land sei.

Ich verstehe, dass diese Mitmenschen einfach nur weiter wollen, zu Verwandten und Bekannten und in Länder, in denen es Arbeit und eine Zukunft für die Kinder gibt. Sie möchten endlich wieder wert geschätzt, gebraucht und geachtet werden. Daher will niemand ’zurück’ von der Grenze in eines der offiziellen Lager. Zu groß ist die Angst, dass es dort nicht weiter geht, sondern sich die Aufenthaltszeit in einem solchen Camp auf unbestimmte Zeit verlängert. So entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit in Idomeni eine eigene, dörfliche Infrastruktur zum Überleben. In einem Zelt sehe ich eine Familie, wo der Älteste gerade Schreibunterricht für seine jüngeren Geschwister gibt. Ein Geflüchteter schneidet am Straßenrand Kindern die Haare. Andere bereiten gerade eine Mahlzeit vor mit Lebensmitteln, die von freiwilligen Helfern ausgegeben wurden.“

Kleine und große Hilfsorganisationen aus vielen Ländern würden durch ihr bürgerschaftliches Engagement unbeschreibliche Hilfe leisten, berichtet Müller. Mit Hilfe der Griechisch Evangelischen Gemeinde sei im Verbund mit weiteren griechischen Unterstützern eine Wifi-Station errichtet worden, damit die Flüchtlinge Kontakt zu Verwandten und Freunden aufnehmen können. Außerdem würden die ehrenamtlichen Helfer wöchentlich mehrere tausend Sandwiches vorbereiten und verteilen.

Als der deutsche Hilfstransport Anfang des Monats in Idomeni ankam, hätten Volontäre der Kirchengemeinde sowie Geflüchtete dabei geholfen, die Spenden wie Bekleidung, Schuhe und Hygieneartikel für die Verteilung zu packen. Nur noch wenige Organisationen würden überhaupt Kleidung in den Camps verteilen, entsprechend groß war der Ansturm. Bei einer ersten Ausgabe am 6. April im Camp Yiannitsa seien so viele Menschen zur Ausgabestelle gekommen, dass man Mühe hatte, für geordnete Abläufe zu sorgen. In der zweiten Woche waren deshalb Helfer von Zelt zu Zelt gegangen, um die Bedarfe abzufragen.

Das Engagement für Idomeni wird fortgeführt: Im Charityshop Zweimalschön im Magniviertel begann in diesem Monat ein Nähworkshop. Die Ehrenamtlichen (und gern auch weitere Unterstützer) nähen Einkaufsbeutel, die gegen eine Spende verkauft werden sollen. Verwendet werden dafür Textilien, die zum Trage nicht mehr geeignet, zum Aussortieren aber zu schade sind. Wer mitnähen möchte, erhält nähere Infos über die nächsten Termine unter 48 03 90 56.
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