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Brücke ins Land der Kirschblüten

Von Annette Heinze

Braunschweig. Geishas, Sushi, unterwürfige Frauen: Das deutsche Bild von Japan war durch Klischées geprägt. Diese Erfahrung machte Teruko Balogh, als sie 1985 Volkswagen zum ersten Mal auf der Hannover-Messe vertrat. „Das Bild hat sich geändert“, sagt die gebürtige Japanerin, „einen klitzekleinen Beitrag haben wir dazu geleistet.“

Seit 2005 ist sie Präsidentin der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Braunschweig-Peine-Wolfsburg mit 240 Mitgliedern. Die Gesellschaft feiert jetzt ihr 25-jähriges Bestehen. „In mehr als 500 Veranstaltungen haben wir verschiedenste Facetten japanischer Tradition und Kultur nahe gebracht“, sagt die Präsidentin.
Teruko heißt „glänzendes Kind“ – ein Name, der verpflichtet. Teruko Balogh entstammt, historisch gesehen, der japanischen Oberschicht, der Kaste der Samurai. Als sie mit 27 Jahren 1971 ihrem deutschen Mann nach Deutschland folgt, bringt sie den höchsten Bildungsabschluss, das Abitur mit. Das Studium hat sie ausgeschlagen, um ihre verwitwete Mutter nicht zu belasten. Aber sie hat an einer Privatschule in Tokio Englisch gelernt und Erfahrung als Angestellte.
„Als ich nach Deutschland kam, habe ich 50 Prozent des Gehörten verstanden, sprechen konnte ich kaum“, erinnert sich Balogh. Ihre prägende Erfahrung Anfang der 70er Jahre in Wolfsburg: „Wenn Du die Sprache nicht korrekt sprichst, bist Du ein Mensch zweiter Klasse.“ Verkäuferinnen oder Bedienungspersonal reagieren unfreundlich auf die Sprachversuche der jungen Japanerin: „Es war ein Kulturschock“. Doch Teruko Balogh gibt nicht auf, lernt Deutsch, orientiert sich an den Nachrichtensprechern. In Japan war Deutsch oft als besonders harte Sprache karrikiert worden: „Es klang ganz anders, als ich gedacht hatte, ich fand die Sprache schön.“
Nach gescheiterter Selbstständigkeit ihres Mannes steigt Balogh 1981 bei Volkswagen ein – als Fremdsprachenkorrespondentin. VW kooperiert neu mit Nissan. Teruko Balogh hat sofort mit Japan zu tun, betreut daneben chinesische Mitarbeiter von Shanghai Volkswagen. Ab 1992 ist sie die „Window Person“, das Bindeglied zum technischen Büro in Tokio. Balogh ist auch auf höchster Ebene dabei, wenn zum Beispiel Vorstands-Chef Dr. Carl Hahn japanische Gäste empfängt.
Ihre Kontakte bringt sie in die Deutsch-Japanische Gesellschaft ein. Die Gesellschaft unterstützt Mitte der 80er Jahre japanische Unternehmen, die sich in der Region ansiedeln. Toshiba in Braunschweig, Matsushita/Panasonic in Peine und Osterode. Eines der wichtigsten Projekte wird es, Kindern japanischer Angestellter muttersprachlichen Unterricht zu ermöglichen. Sie sollen im Falle der Rückkehr nicht den Anschluss verlieren.
„Kennen Sie das Projekt?“, fragt Teruko Balogh den damaligen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder als Tischnachbarin bei einem Wirtschaftstreffen. Der muss verneinen, setzt sich dann aber tatkräftig dafür ein. Auch Christian Wulff konsultiert sie vor seiner ersten Japan-Reise.
„Ich galt immer automatisch als Repräsentantin meines Landes, wurde vieles gefragt“, sagt Teruko Balogh. Sie will ein richtiges Bild von Japan vermitteln. Das treibt sie bis heute an.

Programm: Am Sonnabend gibt es in der Innenstadt und den Schlossarkaden japanischen Tanz, Gesang sowie Vorführungen in Judo, Karate, Ikebana und Origami. Eröffnung ist um 10.30 Uhr in den Schlossarkaden. 50 Tänzer zeigen den Volkstanz Awa-Odori. Ab 12 Uhr gibt es im Basement der Schlossarkaden eine Ikebana-Vorführung. Eine Kimono-Präsentation ist ebenfalls dort ab 13.30 Uhr zu sehen. Das komplette Programm gibt es als Flyer in der Innenstadt.
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