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Botschafter der Rotbauchunke

Kabarettist Dieter Nuhr brachte am Freitagabend das Publikum in der Stadthalle zum Lachen.

Von Christoph Matthies, 18.03.2012.

Braunschweig. Irgendwo zwischen politischem Kabarett und Comedy bewegt sich Dieter Nuhr. Am Freitagabend gab der beliebte Entertainer und Buchautor ein Gastspiel in der mit 2300 Zuschauern ausverkauften Stadthalle.

„Wenn man keine Ahnung hat: Einfach mal Fresse halten.“ Dieter Nuhrs freche Lebensweisheit, die einige Menschen tatsächlich durchaus öfter beherzigen könnten, hat sich wie kaum ein Satz eines zeitgenössischen Kabarettisten in den Sprachgebrauch eingebrannt. Ob der Spruch ursprünglich wirklich auf den heute 51-Jährigen zurückgeht, ist eigentlich zweitrangig. Jedenfalls steht er auf den T-Shirts, die Nuhr am Freitagabend in der ausverkauften Stadthalle verkaufen ließ.
Als Moderator des ARD-Satire-Gipfels, den er im Januar 2011 von Matthias Richling übernahm, wird Dieter Nuhr heute vor allem als Kabarettist wahrgenommen. Immerhin handelt es sich um die Nachfolgesendung des legendären Scheibenwischers, einer wahren Institution des bundesdeutschen Politkabaretts. Doch wo Satire draufsteht, ist bei Nuhr nur bedingt auch Satire drin. Bei seinem Besuch in Braunschweig hangelte sich der Entertainer gekonnt von einem Thema zum nächsten, brachte sein Publikum zum Lachen, tat, was einen „Comedian“ eben auszeichnet. Dass er das kann, wissen seine Fans, dafür besuchen sie seine Shows und kaufen sie seine Bücher.
Wer mehr als nur gut lachen möchte, angriffslustiges Kabarett zum Beispiel, ist bei Nuhr allerdings oft unterversorgt. Eine authentische Haltung bleibt im Schatten seines Sarkasmus verborgen, seine Einlassungen sind eher passiv-aggressiv. Nur ganz selten bedient er sich der attackierenden Posen oder der Kampfrhetorik eines Urban Priol, eines Volker Pispers oder gar eines Georg Schramm. So streift er bei politischen und gesellschaftlichen Aufregern, sei es die Affäre Wulff, der Atomausstieg oder das moderne Männerbild, bewusst nur die Oberfläche. Dabei amüsiert er, etwa mit dem „Taliban mit Laktoseintoleranz“ oder „kotzepickenden Vögeln“, ohne jedoch übermäßig zu polarisieren. Der Vorteil: Sein Programm entwickelt eine angenehme Leichtigkeit. Den bleibenden Eindruck, der bissiges Kabarett von seichter Comedy unterscheidet, erreicht er damit freilich nicht.
So ist Dieter Nuhr, trotz seines häufig zitierten „Fresse halten“-Credos, unter den Kabarettisten so etwas wie die Rotbauchunke, die er selbst gern als Symboltier wutbürgerlicher Proteste und falsch verstandenen Artenschutzes herbeizitiert: ein bunter, zweifelsohne lustiger Lurch, der im großen Satire-Teich allerdings eher auf Seerosenhöhe quakt.
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