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Bosse führt die Albumcharts an

Bosse führt mit „Engtanz“ die Charts an. Foto: oh

Zum ersten Mal landete ein Braunschweiger auf Platz eins – Mit „Engtanz“ die Nase vorn

. Von Falk-Martin Drescher, 24.02.2016.

Braunschweig. Dem smarten Musiker Axel Bosse ist am vergangenen Freitag das gelungen, was vor ihm noch kein Braunschweiger geschafft hat: Er hat es auf Platz eins der Albumcharts geschafft. Mit „Engtanz“ hat er aktuell die Nase vorn.

Die Songs haben nichts mit dem Klammer-Blues aus Teenagerzeiten zu tun. Es ist der ausgelassene Engtanz mit dem Leben. So ist das sechste Studio-Album von Bosse einmal mehr eine Standortbestimmung. Und es zeigt: Erwachsen sein und das auch gut zu finden – das geht. Wichtig ist zu wissen, wer man ist. Das Zögern, zaudern und hadern hinter sich gelassen zu haben. Und: Gelernt zu haben, wie man die Guten umarmt und die Bösen auf Abstand hält. Das setzt bei Bosse in den neuen Songs reichlich Energie frei. Musikalisch mutig, voller Wucht, mit neu entdeckter Liebe zu Gitarren, Chören und Streichern.
Wieder zeigt er, dass er zu den hervorragenden Beobachtern unter den deutschen Songschreibern zählt.

So sind zwölf hörenswerte Beziehungsgeschichten entstanden. Sie handeln von den Verbindungen zu anderen und zu sich selbst. Feinsinnige Psychogramme einer Generation im Umbruch. Verdichtete Momentaufnahmen, meisterhaft eingefangen und erzählt. So zum Beispiel in „Mordor“: Einem dieser Schlüsselsongs des Albums, die vom Erwachsenwerden erzählen. In dem es darum geht, den Boden der Vergangenheit, in dem man so sehr verwurzelt ist, zu verlassen.

„Ruhepole sind mir immer wichtiger“

Wie wäre es mit einem imposanten Ausflug in Hip-Hop-Gefilde? Mit großem Orchester instrumentiert, mit Freund Casper im Gepäck. Darüber, dass es keinen geraden Weg gibt, das ganze Leben eine „Krumme Symphonie“. Das macht großen Spaß, ist frisch und absolut tanzbar. Ebenso wie Bosses Beschreibung der getriebenen – zumeist urbanen – Zeitgenossen (er nimmt sich davon selbst nicht aus), die auf der Jagd nach der Optimierung ihres Ichs keinen Um- und Irrweg und keine Sackgasse auslassen, um letztendlich doch immer wieder vor dem Schild zu landen, welches einem sagt, dass man sich selbst nicht abschütteln kann („Wir nehmen uns mit“).

Hier nimmt Bosse sowohl die Esoterik als auch jegliche Art von Maskerade ziemlich elegant und humorvoll auf die Schippe. „Ruhepole sind mir immer wichtiger geworden in den letzten Jahren“, sagt Bosse. „Auch zum Schreiben ziehe ich mich meistens zurück. Packe mein kleines mobiles Studio unter den Arm, fahre weg, muss raus, lasse mich treiben.“ Amsterdam, Spanien, Berlin, Hamburg und Umbrien, wo er wieder mit seinem Produzenten Philipp Steinke (unter anderem: BOY) zusammengearbeitet hat, der diesmal alle Songs des neuen Albums produziert hat. Besonders Umbrien schätzt Bosse als
Kreativort sehr. „Das ist immer die intensivste Zeit in Italien. Leben und arbeiten in einem alten Steinhaus, meistens draußen sein, abends gut Essen, nur Musik und sonst Ruhe. Ich hasse es, in geschlossenen Räumen zu sitzen“, meint er. Er genießt die Weite.

Open-Air in Braunschweig

Das neue Album erschien am 12. Februar bei Vertigo Berlin – nun ist es auf Platz Eins der Charts gelandet. Der „Engtanz“ wird live mit zunächst 15 kleinen Club-Konzerten in Deutschland, Österreich und in der Schweiz aufs Parkett gelegt. Nach den Festivals im Sommer – im August übrigens auch auf der Volksbank Brawo Bühne im Raffteichbad – folgt im Herbst schließlich eine weitere Runde in den großen Clubs und Hallen des Landes.
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