Anzeige

Bombendrohung: Ungefragt nach Hause geschickt

Auch Anastasia wurde am Montag aus ihrer Schule evakuiert. Allein trat die Achtjährige ihren Heimweg an. Foto: privat

Schulleitung entließ die achtjährige Anastasia am Montag eigenverantwortlich – rechtlich nachvollziehbar.

Von Ann-Kathrin Ewald.

Braunschweig. „Mama, ich bin schon auf dem Weg nach Hause“ – als Elena Laubig Montagvormittag einen Anruf von ihrer achtjährigen Tochter Anastasia erhielt, fiel sie aus allen Wolken.

Die Schülerin des Wilhelm-Gymnasiums war, wie viele Braunschweiger Schüler, am Montag nach eingegangenen Anschlagsdrohungen (lesen Sie mehr zu den Evakuierungen im Kasten rechts) nach Hause geschickt worden.
Das Problem: Elena Laubig war selbst unterwegs und nicht daheim, als ihre Tochter nach Hause kam. Allein wartete die Achtjährige vor der Tür, bis ihre Mutter eintraf. „Eigentlich ein Unding, dass die Schule die Kinder nach Hause schickt, ohne zu fragen, wie sie nach Hause kommen – und ohne die Eltern zu informieren“, findet Mutter Laubig.

Rechtlich abgesichert

Rein rechtlich habe die Schulleitung richtig gehandelt, als sie die Achtjährige eigenverantwortlich nach Hause schickte, erläutert Bianca Schöneich von der Niedersächsischen Landesschulbehörde. Eine Betreuungspflicht bestehe nur für Grundschüler. „Für die erste bis vierte Klasse muss tatsächlich eine Betreuung auch nach einer Evakuierung gewährleistet sein, denn die Schule übernimmt die Rolle des Erziehungsberechtigten“, erklärt Schöneich.
Dabei hängt es auch von der Dringlichkeit der Situation ab, ob die Schulleitung die Eltern der Schüler jeweils einzeln kontaktiert und eine Abholung vereinbart oder eine Betreuung außerhalb des Schulgeländes organisiert, so Schöneich und fügt hinzu: „Unseres Wissens waren unter den evakuierten Schulen gestern nur zwei Grundschulen. Die Polizei hatte entschieden, dass die Schüler unverzüglich die Schule verlassen müssen und dass die Möglichkeit, die Eltern zu kontaktieren, in der Kürze nicht gegeben war. Daraufhin wurden alternative Betreuungen organisiert. Eine Schule ist zum Beispiel geschlossen in den Botanischen Garten gegangen.“

Panik vermeiden

Doch wie sieht es mit der Informationspflicht seitens der Schule aus? Müssen Eltern darüber in Kenntnis gesetzt werden, warum ihre Kinder nach Hause geschickt werden? „Hierzu gibt es zumindest keine rechtlichen Vorgaben“, erläutert Schöneich.
Aus Sicherheitsgründen werden während einer laufenden Evakuierung keine expliziten Gründe genannt, um eine Panik zu vermeiden. Alles Weitere läge in den Händen der Verantwortlichen – also der Polizei. Diese informierte am Montag laufend im Internet über den Stand der Dinge. Nach erfolgreicher Evakuierung wurde der Hintergrund und später eine Entwarnung öffentlich gemacht. Alle Bürger konnten sich jederzeit über die Geschehnisse informieren, heißt es seitens der Polizei.

Und Anastasia? Sie wirkt nach dem Trubel gelassen, schließlich sei sie ja nicht ohne Grund bereits in der fünften Klasse und könne ganz gut auf sich aufpassen, betont sie.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
7
Elena Laubig aus Braunschweig - Nordstadt | 07.09.2016 | 10:56  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.