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Björn Casapietra: „Ich lasse mich nicht in eine Schublade stecken“

Von Birte Probst

Björn Casapietra ist 38 Jahre, immer charmant und immer gut gelaunt. Am 2. Mai kommt er nach Braunschweig, singt italienische Lieder und Arien von Giacomo Puccini, Ruggiero Leoncavallo sowie Nino Rota – und Ohrwürmer wie das Kirchenlied „Amazing Grace“. Im nB-Interview spricht er über Ehrgeiz, über seinen Kinderwunsch und über seinen wiedergefundenen Halbbruder.

70 Konzerte, 70 Städte, 70 Interviews – was war je die blödeste Frage eines Journalisten?

!Die blödeste Frage war: „Sind Sie mehr Sänger, mehr Schauspieler oder mehr Moderator?“ Warum muss man in Deutschland jeden in eine Schublade stecken? Ich bin alles: auf der Bühne Sänger, in Serien Schauspieler, im Fernsehen Moderator.

?Hoffentlich ist das eine gute Frage: Üben Sie tatsächlich vor jedem Konzert mit Ihrer Mutter, der Sopranistin Celestina Casapietra, in Italien per Telefon?

!Ja, vor jedem Konzert. Meine Mutter sitzt meistens am Klavier, ich mache dann mein Handy auf Lautsprecher und singe los. Damit fühle ich mich sicherer.

?Es gibt keine Telefon-Flatrate ins Ausland – wie hoch war Ihre letzte Rechnung?

!Die Auslandsgebühren waren enorm hoch, eine Zahl möchte ich nicht nennen. Seit zwei Tagen ist meine Mutter aber in Deutschland, mein Telefonanbieter verdient also momentan nichts (lacht).

?Auf der Tournee treten Sie mit Ihrem Halbbruder auf, dem „Silly“-Gitarristen Uwe Hassbecker. Erst vor anderthalb Jahren haben Sie sich richtig kennengelernt – ist das Freundschaft oder Liebe?

!Freundschaft. Wir kommen uns durch die Musik näher, aber zwischenmenschlich muss noch viel wachsen.

?Sie haben den gleichen Vater. Apropos: ? Neulich sagten Sie, dass Sie gerade Papa werden wollen – hat’s schon geklappt?

!Bis jetzt noch nicht, aber wir arbeiten daran (lacht). Mehr möchte ich zu meiner Freundin nicht sagen. Ich halte das bewusst bedeckt, weil ich schon viele Freundinnen hatte und jedes Mal dachte, die Liebe meines Lebens gefunden zu haben. Ich halte das wie Harald Schmidt und Stefan Raab: Privates bleibt privat.

?Genug Platz für Kinder hätten Sie in Ihrem Haus am Zeuthener See; dort, wo Sie zum „Perfekten Promi Dinner“ einluden. Hand aufs Herz: Wohnen Sie da wirklich?

!Das Haus ist ein Familienbesitz. Früher hat meine Mutter dort gelebt, wenn sie in Deutschland war. Jetzt wird es so gut wie nicht mehr genutzt. Ich richte gerade den Garten her. Irgendwann, mit einer eigenen Familie, werde ich das Haus übernehmen.

?Sie sagten einmal, Sie wuchsen mit Haushälterinnen auf, aber ohne Eltern – was würden Sie bei Ihrem Kind anders machen?

!Ich würde meinem Kind viel, viel Liebe, Körperlichkeit und Zärtlichkeit geben. Allerdings auch nicht zu viel, das richtige Maß ist wichtig. Wie heißt es? „Der geliebte Sohn wird Hausmeister, der ungeliebte Anwalt.“

?Ihr Vater war sehr berühmt, Ihre Mutter ist es noch immer – wie ehrgeizig sind Sie?

!Ich lebe meinen Beruf 24 Stunden lang. Da nützt es einem nichts, dass man berühmte Eltern hat. Durch Liebesmangel habe ich meinen Ehrgeiz entwickelt.

?Kritiker schreiben, Ihr Album „Verführung“ sei Ihr bestes. Andere sagen, Ihre Stimme reiche nicht für die Oper, nur für Schlager – was sagen Sie diesen Kritikern?

!Ich sage ihnen, dass sie ihre Gehirne mal abschalten sollen. Warum muss es denn immer eine Schublade sein? Ich möchte mich jeglicher Etikettierung entziehen: Ich bin kein klassischer Tenor, aber ich bin auch kein Schlagersänger. Ich möchte alles sein: mit klassischen Liedern und mit meinem eigenen Stil.

?Also haben Sie auch kein Problem damit, dass nicht alle Konzerte ausverkauft sind?

!Wenn ich jedes Mal ausverkauft wäre, wäre ich nicht mehr ehrgeizig. Es kann gerade schön sein, wenn nur ein paar hundert Zuschauer im Publikum sitzen, weil man ihnen dann näher ist.

?Waren Sie außer bei Ihren Konzerten schon einmal in Braunschweig?

!Nein, bis jetzt war ich erst zweimal in Braunschweig. Leider kenne ich nichts außer den Hotels. Aber dieses Mal haben wir einen freien Tag, und ich werde mir die Stadt anschauen.

?2007 holten Sie Frauen aus dem Publikum zu sich auf die Bühne – dieses Jahr auch?

!Nein, nein, ich habe mehr Ernsthaftigkeit im Programm. Als Sänger bin ich jetzt so sicher, dass ich das nicht mehr brauche. Spießig ist das Konzert aber auch auf keinen Fall. Es ist kurzweilig und unterhaltsam, ein musikalischer Abend für Menschen mit Niveau, die Spaß haben wollen.
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