Anzeige

Bitte nicht nur die Schenkelklopfer

Komödiant Kalle Pohl ist bis zum 19. August als „schöner Schwede“ in der Komödie am Altstadtmarkt zu sehen.

Von André Pause, 18.07.2012.


Braunschweig. „Wir machen gleich noch eine Runde, um die letzten Sicherheiten zu verwirren“, scherzt Kalle Pohl wenige Stunden vor der Premiere von „Ein schöner Schwede“ in der Komödie am Altstadtmarkt.

Der Mann, der einst durch die Comedy-Kultserie „7 Tage, 7 Köpfe“ zum Star wurde, spielt bis zum 19. August die Hauptrolle des Hermann, steht hier neben Astrid Straßburger auf der Bühne. „Eine große Freude. Meist kommt man in einer Produktion zusammen und kennt die anderen nicht. Astrid Straßburger habe ich nun kennengelernt, und ich wage zu behaupten, dass wir ein tolles Bühnenpaar sind.“
Der Komödiant ist in vielen Bereichen zu Hause: Comedy, Kabarett, Schauspiel. Berührungsängste sind nicht Pohls Sache. „Ich denke, dass nicht jeder Mensch der sich sucht, mit 18 unbedingt weiß, ob das, was er macht, wirklich etwas ist. Manche bleiben in einem Job und sind zeit ihres Lebens nicht glücklich. Andere suchen weiter und probieren – zu denen gehöre ich. Ich hätte nicht das ganze Leben nur Comedian, nur Schauspieler und schon gar nicht nur Polizist sein können. Nur ein Ding, das wäre mir auf die Dauer zu öde“, betont Pohl, der zwischen den Theaterabenden sein Soloprogramm präsentiert, und dem mittlerweile auch das Schreiben Herzblut geworden ist.
Dem Bühnenleben gingen, elterlich eingefordert, eine nach vier Wochen abgebrochene Kochlehre, eine dreijährige abgeschlossene Kaufmannslehre sowie die Ausbildung für den mittleren Dienst bei der Polizei voraus – etwas Solides. Danach war der Weg auf die Bretter der Welt frei, auch wenn Mama und Papa mit der nahestehenden Verbeamtung liebäugelten. „Ich habe an der Musikhochschule klassische Gitarre studiert, es bis Johann Sebastian Bachs E-Moll-Suite geschafft. Da habe ich gedacht: das ist nicht meine Musik. Ich wollte Unterhaltung machen“, berichtet Pohl, der neun Jahre als Gitarrenlehrer gearbeitet, sieben Musikbücher, eine Gitarrenschule, ein Akkordeonbuch veröffentlicht hat. Irgendwann habe er gemerkt, nicht für den Rest des Lebens Lehrer sein zu wollen.
Der Schwenk zur Comedy. Von 1996 gehörte Pohl zum Stammteam von „7 Tage, 7 Köpfe“ – bis zur Einstellung der Sendung im Jahre 2005. Heute sieht er diese Zeit als Fluch und Segen zugleich. Worauf damals mit Sicherheit niemand gekommen wäre: Der Mann mag stille Comedy. Ein Tusch nach jedem Witz sei nicht seine Sache. Insgesamt kommt das deutsche Fernsehen bei Pohl wenig gut weg. Lieber verweist er auf Chaplin, Stan und Olli oder Louis de Funés. „Dieser leidende Hund, der nach oben buckelt und nach unten tritt. Toll. Steve Martin hat auch immer wieder solche Rollen gespielt oder Rowan Atkinson, der wunderbare Mister Bean, dieser arme, kleine, einsame Mann. Diese tragische Ärmlichkeit, die aber hochlustig ist – das ist Komik.“
Eine Verbindung, die der Künstler auch bei eigenen Rollenangeboten schätzt. „Komödie muss tragisch sein. Im Grunde mache ich Amüsiertheater. Es ist vielleicht ein etwas verpönter Begriff in Deutschland, weil die klassischen Bühnen, die großen Staatshäuser ernste und wichtige Kultur machen. Wir bringen die Leute ja nur zum Lachen. Aber da stehe ich zu, und das finde ich auch gut“, stellt Pohl klar. In Frankreich, England und Amerika werde diese Kultur ohnehin ebenbürtig behandelt. „Ich habe kein Problem damit, Boulevardtheater zu machen. Ich möchte aber auch nicht nur Schenkelklopfer auf die Bühne bringen. Ich habe gerne Tragisches dabei. Dann ist Komik umso schöner.“
Eine Nuance zu tragisch war dann ein anderes Angebot, das ihm sein ehemaliges Management gemacht hat. „Das habe ich dann auch gefeuert, die wollten mich ins Dschungelcamp stecken. Da wurden 70 000 Euro geboten. Ich habe denen gesagt: Wenn Sie mir eine halbe Million geben, können wir vielleicht drüber sprechen. Wenn ich das mache, weiß ich doch, dass es das Letzte ist, was ich im Fernsehen gemacht habe. Und ich nehme nicht nur die halbe Million, ich nehme auch eine Maschinenpistole mit, weil ich weiß: ich halte das nicht aus, in diesem Lager voller Vollidioten.“ (lacht)
Statt nach Australien verschlägt es Pohl nun häufig nach Dénia, zwischen Valencia und Alicante. Das sei sein Luxus: nach Spanien fliegen, mehr schreiben. Bis Dezember steht Pohl vorerst beruflich unter Strom, „dann werde ich gucken, dass ich ganz schnell in den Süden komme“. Er versuche, das zu mischen, nicht mehr den ganzen Terminkalender auszubuchen, mehr und mehr in Spanien zu leben: „Mir geht das Wetter hier mittlerweile dermaßen auf den Keks. Ich denke immer, in Köln ist ein Regenloch. Ich lebe auf, wenn es hell ist. Ich bin zwar kein Maler, aber wenn ich in Deutschland Maler wäre, hätte ich mir schon zwei Ohren abgeschnitten.“
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.