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Bis 20 Uhr ist nur Schieben erlaubt

Auf dem Kohlmarkt oder auch dem Domplatz ist Fahrradfahren erlaubt, direkt in der Fußgängerzone gilt dagegen von 9 bis 20 Uhr ein Durchfahrverbot. Nicht alle halten sich dran. Foto: T.A.

Polizei und ZOD kontrollierten gestern gemeinsam Fahrradfahrer in der Fußgängerzone.

Von Marion Korth, 10. April 2015.

Braunschweig. Super Wetter zum In-der-Sonne-Sitzen oder zum Fahrradfahren. Nur in der Fußgängerzone, da sollte man besser schieben. Gestern hatten sich Mitarbeiter der Polizei sowie des Zentralen Ordnungsdienstes der Stadt an der Burgpassage postiert, um das Fahrverbot zu kontrollieren. „Wir haben Beschwerden bekommen“, sagt Jens Weidemann, zuständig für Präventionsarbeit bei der Polizei. Und er kündigte weitere Kontrollen an.

Die Zahl der Unfälle, an denen Fahrradfahrer beteiligt sind, steigt: um 100 auf 733 im vergangenen Jahr. Dabei ist das nur die Spitze des Eisberges. Experten gehen von einer Dunkelziffer von bis zu 100 Prozent aus, denn nicht immer wird die Polizei gerufen, sagt Weidemann. In Münster war für eine Studie gezielt in Unfallkliniken nachgefragt worden. Das Ergebnis: Nur 26,5 Prozent der Radunfälle mit Schwerverletzten waren polizeilich erfasst worden. Fahren auf der falschen Seite, Alkohol und Vorrangverstöße seien die Hauptunfallursachen.
Bilanz der Kontrolle am Freitag zwischen 10.10 und 12.20 Uhr: 82 Menschen fahren unerlaubt durch die Fußgängerzone. 15 Euro kostet die Ordnungswidrigkeit.
Am Morgen hatte er noch überlegt, ob er mit dem Rad fahren soll. Jetzt kommt Robin Koppelmann seine Entscheidung teuer zu stehen. Auch er muss 15 Euro zahlen. „Obwohl ich hier zur Schule gegangen bin, das Schild ist mir noch nie aufgefallen“, sagt er. „Die meisten, die wir anhalten, sind einsichtig“, sagt Polizist Jens Weidemann. Nur manchmal gebe es Diskussionen, ob denn wenigstens Schrittgeschwindigkeit erlaubt ist. Nein, ist sie nicht.
In der Fußgängerzone geht es weniger um Unfallverhütung als vielmehr um das Sicherheitsgefühl der Fußgänger. Unfallschwerpunkte befinden sich am Bohlweg auf Höhe Galeria Kaufhof und entlang der Celler Straße, wo die Radstreifen sehr schmal sind. Wird dort auf der falschen Seite gefahren, kommt es immer wieder zu Kollisionen.
Bei Kontrollen fällt eine steigende Zahl von Radfahrern auf, die Alkohol getrunken haben. „Ab 1,6 Promille ist das eine Straftat, auch wenn derjenige noch gerade fahren kann“, sagt Weidemann. Passiert ein Unfall, dann trifft den Radfahrer schon ab 0,3 Promille eine Mitschuld.
Ob die Räder verkehrssicher sind, interessiert die Beamten an diesem Vormittag nicht. Trotzdem winkt Weidemann einen Radfahrer heraus. Er ist mit einem „Fixie“ unterwegs. Normalerweise haben diese ursprünglich für den Bahnrennsport konzipierten Räder nicht einmal eine Bremse, geschweige denn zwei wie vorgeschrieben. Auch Rücktritt oder Leerlauf sind nicht möglich, da Pedale und Nabe starr miteinander verbunden sind, so- lange sich die Räder drehen, drehen die Pedale mit. Dieses „Fixie“ hat wenigstens eine Bremse am Vorderrad. Eine Vollbremsung könnte trotzdem gefährlich sein. „In Berlin sind diese Räder schwer in Mode, jetzt schwappt das auch zu uns“, sagt Weidemann. Beim zweiten Mal werden solche Räder ohne Straßenzulassung aus dem Verkehr gezogen. „Das konfiszieren wir dann“, sagt Weidemann.
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