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„Big Israel“ ist ausgeträumt

David Ariely setzt auf die nächsten Wahlen in Israel und hofft auf eine Zwei-Staaten-Lösung.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 29.05.2011

Braunschweig. „Ich bin näher bei Obama als bei meinem eigenen Ministerpräsidenten.“ David Ariely positioniert sich für ein neues Israel. Der Bürgermeister von Kyriat Tivon ist gerade zu Besuch in Braunschweig.

„Hi, I’m David“ – lässig und cool kommt der 44-Jährige durch das Foyer des Mövenpick-Hotels zum Gespräch. Offen und sympathisch erzählt der Jurist von sich, seiner Frau und den drei Söhnen, von seiner Zeit als Profi-Basketballer in Israel, von seinem ersten Besuch in Braunschweig, von seinen Eindrücken. „Die Deutschen sind freundlich, vielleicht ein wenig steif“, sagt er lächelnd. „Aber sie haben einen differenzierten Blick auf Israel“, stellt er fest, „das schätze ich.“ In weiten Teilen der Welt seien die Israelis die Bösen und die Palästinenser die Guten. „Das ist zu einfach“, betont Ariely. Und der eben noch smart strahlende Mann wird ernst.
Der Bürgermeister von Kyriat Tivon – einer 14 000-Einwohner-Stadt in der Nähe von Haifa – steht für ein neues Israel. „Benjamin Netanjahu ist ein Hardliner“, sagt Ariely über den amtierenden Ministerpräsidenten, „er wird niemals einen Schritt auf die Palästinenser zu gehen“, ist er sicher.
David Ariely setzt auf die nächsten Wahlen in zwei Jahren. „Ich bin Optimist“, sagt er, „ich glaube, dass sich die fortschrittlichen Kräfte durchsetzen werden.“ Und dann sei auch die von US-Präsident Barack Obama jetzt weltöffentlich geforderte Zwei-Staaten-Lösung denkbar. „Es kann gar keinen anderen Weg in eine friedliche Zukunft geben“, sagt Ariely, „es muss einen israelischen und einen palästinensischen Staat geben. Und zwar in den Grenzen von 1967.“ Ja, ihm sei klar, dass die inzwischen von Israel besiedelten Gebiete nicht 1:1 zurückgetauscht werden können. „Aber das ist doch nur eine Verhandlungssache“, ist er sicher. Ausgleichsflächen, Geldzahlungen, es gebe verschiedene Möglichkeiten. Er sei sich sicher, dass eine Mehrheit der Israelis diese Lösung akzeptieren werde, „die meisten haben den Traum von ‘Big Israel’ doch längst aufgegeben“, erklärt Ariely. „Wir sollten die Verhandlungsführer einsperren – bis eine Einigung vorliegt“, sagt Ariely und fügt an: „Das meine ich nicht im Scherz.“
Er ist auch nach Braunschweig gekommen, um am Beispiel „seiner“ Stadt zu zeigen, dass es israelisch-arabisches Zusammenleben auch in friedlicher und alltäglicher Normalität gibt. „Mit unserer Nachbarstadt Basmat Tabun verbindet uns ein herzliches und gutes nachbarschaftliches Verhältnis“, erzählt Ariely und zeigt bei seinem Besuch im Braunschweiger Schloss einen Film aus seiner Heimat.
Die beiden Bürgermeister sind befreundet, in einem der zahlreichen Kindergärten und auch in einer Schule lernen arabische und jüdische Kinder gemeinsam, singen hebräische und arabische Lieder, die Eltern finden Kontakte untereinander. „Ich bin nur ein kleiner Bürgermeister in einer kleinen Stadt“, sagt David Ariely, „aber mein alltägliches Leben zeigt mir, dass Juden und Araber friedlich zusammenleben können.“ Er appelliert an alle Menschen, den Friedensprozess zu einer Zwei-Staaten-Lösung zu fordern und zu begleiten. „Ich will nicht, dass noch meine Enkelkinder auf Frieden warten müssen.“
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