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Beim Kicken die Flucht vergessen

Dank einer Spende der Polizeidirektion Braunschweig konnten für die Landesaufnahmebehörde unter anderem Fußballtore angeschafft werden. Es freuen sich (v.l.): Ralf Schulte (Sachgebietsleiter Soziales der LAB), Student Taris Wilde, Klaus Siems (Standortleiter LAB), Student Steffen Rolfes und Polizeipräsident Michael Pientka.

Sport ist wichtig in der völlig überfüllten Landesaufnahmebehörde – Polizei spendete Geräte.

Von Birgit Leute, 12.09.2015.

Braunschweig. Jedes Mal, wenn Taris Wilde mit einem Fußball unter dem Arm durch die Landesaufnahmebehörde (LAB) geht, umringt ihn eine Menschentraube. Seit zwei Monaten veranstaltet der TU-Student gemeinsam mit zwei weiteren Kommilitonen ein Fußballtraining für Flüchtlinge.

Dass die überhaupt wieder kicken können, ist der Polizeidirektion Braunschweig und dem Förderverein „Freunde der Polizei Braunschweig“: Mitte des Jahres übergaben sie der LAB nicht nur neue brandneue Fußballtore, sondern auch eine wetterfeste Tischtennisplatte und eine Volleyballanlage.
„Die Idee wurde anlässlich unseres jüngsten Benefizkonzertes geboren“, erzählt Polizeipräsident Michael Pientka. Beim Auftritt des Polizeiorchesters im November vergangenen Jahres kamen durch die Eintrittsgelder und eine Spende des Fördervereins insgesamt 5000 Euro zusammen. Für die Veranstalter war klar: Diese Summe sollte der LAB zugute kommen.
„Bereits damals war die Lage auf dem Gelände beengt, der Kinderspielplatz zu klein, unsere alten Fußballtore nach jahrelanger Nutzung verschlissen“, schildert Klaus Siems, Standortleiter der LAB in Braunschweig, eine Situation, die sich im Laufe dieses Jahres durch den ungebremsten Zustrom an Flüchtlingen noch einmal dramatisch verschärfte.
2500 Menschen leben inzwischen in der Aufnahmeeinrichtung. Sie leben dicht gedrängt in Zelten und Containern. Für Privatleben ist kaum Platz.
In der LAB in Kralenriede sucht man deshalb nicht nur bei der Unterbringung händeringend nach Lösungen, sondern auch im Freizeitbereich. „Wer so dicht aufeinander sitzt, braucht eine Beschäftigung, eine Möglichkeit, die aufgestaute Energie abzubauen“, sagt Siems. Kurze Rücksprache mit der Polizeidirektion: Bitte gebt uns doch Sportgeräte. Der Wunsch wurde erfüllt: In dieser Woche wurden offiziell Fußballtore, Tischtennisplatte und die Volleyballanlage übergeben. Zusammen mit einem neuen Kinderspielplatz ist der Bolzplatz inzwischen im Dauereinsatz. „Es macht Spaß mit den Leuten zu kicken, auch wenn wir uns nur mit etwas Englisch und oft mit Füßen und Händen unterhalten“, erzählt Student Taris Wilde lachend.
Auch Klaus Siems freut sich über die Spende. „Ich weiß, dass viele Menschen uns in dieser Zeit helfen wollen, aber nicht alles macht Sinn. Es ist schon zu tumultartigen Szenen gekommen, weil Leute unangemeldet vor unserem Tor hielten und Geschenke direkt aus dem Kofferraum verteilten.“ In dieser Hinsicht ist der Standortleiter froh, dass die Stadt inzwischen eine Koordinierungsstelle in der Kaufbar eingerichtet hat. „Wichtig für uns ist eine gewisse Nachhaltigkeit – so wie im Falle der Sportgeräte, die auch in fünf bis zehn Jahren noch genutzt werden können.“
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1 Kommentar
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Peter Rosenbaum aus Braunschweig - Innenstadt | 11.09.2015 | 20:09  
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