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Balkonbalken war morsch

Erste Einschätzungen nach dem Unglück in Wolfenbüttel.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 20.04.2016.

Braunschweig. Nach dem dramatischen Balkonunglück in Wolfenbüttel, bei dem am Samstagabend neun Menschen teilweise schwer verletzt worden sind, hat nun ein Sachverständiger im Auftrag von Polizei und Staatsanwaltschaft Braunschweig die Unglücksstelle am Montagnachmittag näher untersucht.

„Vorbehaltlich des endgültigen Gutachtens ist es nach einer ersten Einschätzung durch den Sachverständigen offensichtlich zu einer Schwächung eines Tragbalkens des Balkons durch längerfristigen Wassereintritt in das Holz gekommen“, erklärte Franke Oppermann, Polizeisprecher am Polizeikommissariat Wolfenbüttel. Dadurch sei der Balken morsch geworden; diese Schwächung habe mutmaßlich zum Absturz des Balkonbodens geführt.

Neun junge Menschen sind Samstagabend in Wolfenbüttel von einem Balkon urplötzlich in die Tiefe gestürzt, weil der Holzboden unter ihnen wegkrachte. Sie erlitten teils schwere Verletzungen. Wie es zu dem Unglück in der Altstadt von Wolfenbüttel kommen konnte, ist noch unklar. Die sechs Männer und drei Frauen zogen sich bei dem Unfall vor allem Knochenbrüche zu. Zum Gesundheitszustand der neun verletzten Personen können keine neueren Angaben gemacht werden, alle Betroffenen befinden sich weiterhin in stationärer Behandlung in verschiedenen Krankenhäusern der Region, erklärte Polizeisprecher Frank Oppermann.

Gibt es eine Schuld?

„Woran hat es gelegen? Wer ist verantwortlich? Gibt es eine Schuld?“ nennt Wolfgang Klages, Polizeisprecher in Braunschweig, die Routine-Fragen, mit denen die Polizei bei jedem Unglück ermittelt. „In der Regel ziehen wir Sachverständige dazu, um die Ursachen klären zu können“, beschreibt er das grundsätzliche Vorgehen.

„Verantwortlich für die Verkehrs- und Standsicherheit einer baulichen Anlage ist immer der Eigentümer“, betont Adrian Foitzik, Pressesprecher der Stadt Braunschweig, auf Anfrage der nB. „Wie er diese Verkehrssicherheit überprüft/herstellt, in welchen zeitlichen Abständen er den Zustand des Gebäudes etwa überprüft, ist seine Angelegenheit“, fügt er hinzu.

Die Stadt Braunschweig überprüfe im Regelfall nicht ohne konkrete Veranlassung oder Verdacht, ob private Gebäude dem Baurecht entsprächen. Erhalte sie konkrete Hinweise auf baurechtswidrige Zustände, überprüft sie diese. Auch bei Neubauten erfolge im Regelfall, etwa bei den meisten kleineren privaten Bauten, keine Abnahme durch die Bauordnungsbehörde, insbesondere, wenn diese genehmigungsfrei beziehungsweise verfahrensfrei seien.

„Für die Sicherheit der städtischen Gebäude ist der Fachbereich Hochbau und Gebäudemanagement zuständig, der je nach Gebäudetyp in unterschiedlichen Abständen regelmäßig die Sicherheit überprüft“, erklärt Foitzik.
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