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Axtmord: Lebenslang

Gericht erkennt auf Mord und stellt besondere Schwere der Schuld fest.

Von Marc Wichert, 19.09.12

Braunschweig. Der Mann, der im Februar in Hannover und Braunschweig zwei Frauen mit einer Axt niedergeschlagen hat, ist gestern wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Die 9. Große Strafkammer des Landgerichts Braunschweig stellte außerdem in ihrem Gesamturteil eine besondere Schwere der Schuld fest.

Sie sah es als erwiesen an, dass der Verurteilte aus Habgier den Tod beider Opfer billigend in Kauf genommen hat. Zudem sei er in beiden Fällen mit Heimtücke vorgegangen, um an seine Beute zu kommen. Somit seien Mordmerkmale gegeben, und das Gesetz kenne in diesem Fall keine andere Strafe als lebenslang, führte der Vorsitzende Richter Dr. Ralf Polomski in seiner knapp eineinhalbstündigen Urteilsverkündung aus. Zwar sei der Verurteilte geständig gewesen und habe Reue gezeigt, aber „es ist kaum ein brutaleres Verbrechen vorstellbar“, sagte Dr. Polomski zur Begründung. Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer am Montag ebenfalls lebenslang gefordert, die Verteidigung zwölf Jahre.
Der 33-jährige Pole hatte am 16. Februar vor der AWD-Arena in Hannover sein erstes Opfer von hinten mit einer Axt niedergeschlagen. Die Frau überlebte schwer verletzt, kämpft jedoch weiterhin mit psychischen und körperlichen Problemen infolge des Überfalls. Einen Tag später erschlug der Mann mit derselben Waffe eine 53-jährige Braunschweigerin. Insgesamt erbeutete er dabei 200 Euro in bar. Die Braunschweigerin starb Anfang Juni an den Folgen des Überfalls. Nur wenige Tage nach der Tat war der 33-Jährige nach intensiven Ermittlungen der Polizei gefasst worden. In seinem Auto fand man unter anderem die Axt und Dokumente des Opfers aus Hannover.
Dr. Polomski ging in etwa 80 Minuten ausführlich auf die Urteilsfindung ein. Er erklärte, dass anhand der Gutachter und der Zeugen, die in diesem Prozess zu Wort kamen, und aufgrund der festgestellten Tatsachen das Gericht nur auf Mord erkennen kann. Und bei Mord kenne das Gesetz nur ein Strafmaß: lebenslang. „Das ist hart, aber vom Gesetzgeber so gewollt“, sagte Dr. Polomski. Die Opfer des Verurteilten seien völlig ahnungslos gewesen, sie hätten ihm keinerlei Anlass gegeben, gerade sie auszusuchen.
Die Opfer waren ihm körperlich unterlegen, der 33-Jährige habe weder im ersten noch im zweiten Fall versucht, die Taschen der Opfer auf andere Art zu erlangen. Deshalb stellte das Gericht eine besondere Schwere der Schuld fest, was bedeutet, dass der Verurteilte unter normalen Umständen in etwa 24 Jahren freikommen könnte, erklärt Gerichtssprecher Michael Schulte.
In die Richtung des Verurteilten, der sich zum Ende der Urteilsverkündung hin immer mehr hinter seinen Händen versteckte und offensichtlich heftig weinte, sagte Richter Ralf Polomski schließlich noch: „Denken Sie trotzdem an Ihre Zukunft. Auch Ihre Tochter können Sie irgendwann wieder sehen.“ Die Töchter der toten Braunschweigerin könnten ihre Mutter nicht mehr sehen, fügte er hinzu.
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