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Ausgewogen und regelmäßig

Das Logo: die Bortfelder Rübe.
 
Professor Dr. Max Reinshagen, Chefarzt der Klinik für Magen- und Darmerkrankungen im Klinikum Braunschweig. Foto: Klinikum/Jörg Scheibe

Neue nB-Serie: "Alles bio-logisch?"

Teil 1: Gespräch mit Professor Max Reinshagen über gesunde Ernährung.

Von Martina Jurk, 22.09.2015.

?Was ist aus medizinischer Sicht eine optimale Ernährung? Was ist gesund?

!Die ideale Ernährung gibt es nicht. Gesund ist eine ausgewogene mitteleuropäische Ernährung. Wir brauchen Fette, Kohlenhydrate und Eiweiß – aber nichts davon extrem zu viel oder zu wenig. Gut ist eine gesunde Mischkost mit ausreichend Obst und Gemüse. Nicht so gesund ist weißes Mehl. Auch raffinierter Zucker nicht, denn dafür sind wir genetisch nicht gebaut (erst um 1800 werden die Grundlagen für die industrielle Zuckerherstellung geschaffen). Und natürlich sind pflanzliche Fette besser als tierische. Wir sollten regelmäßig essen: morgens, mittags, abends, und dann nach dem Abendbrot nichts mehr essen.

?Wissen wir das eigentlich nicht alles schon? Warum fällt es uns so schwer, das umzusetzen?

!Richtig, fast jeder von uns weiß, was gesund ist, aber die wenigsten richten sich danach. So ist es keine gute Idee, überwiegend Fertiggerichte zu sich zu nehmen, weil diese zu viele Zusatzstoffe, Fette und Zucker enthalten. Ein- bis zweimal am Tag sollte jeder etwas Gesundes kochen. Im Alltag geht das nicht immer. Das heißt, wir müssen Kompromisse machen.

?Alles, was wir essen, muss durch den Darm. Und damit scheinen immer mehr Menschen Probleme zu haben. Was stimmt nicht mit uns oder mit unserer Ernährung?

!Der Darm verträgt normalerweise alles. Aber es gibt Menschen, deren Darm manche Dinge nicht verträgt. Wenn man zum Beispiel von Milchprodukten Verdauungsprobleme bekommt, dann lässt man sie eben weg. Laktoseintoleranz ist keine Krankheit! Wir Mitteleuropäer haben eine Mutation des Enzyms Laktase, die bis ins hohe Alter dafür sorgt, das Milchzucker aufgespalten und abgebaut wird. Andere Völker wie Afrikaner und Asiaten haben diese Mutation nicht und vertragen deshalb auch keine Milchprodukte. Grundsätzlich brauchen wir Milch nur als Babys und bei Kalziummangel.

?Sie sprachen von Extremen. Sind demnach vegetarische oder vegane Ernährungsweisen eher ungesund?

!Wenn sich Menschen so ernähren möchten, dann ist das völlig in Ordnung. Sie sollten aber darauf achten, dass sie zusätzlich Vitamine (Vitamin B 12) und Proteine zu sich nehmen. Wer sich vegetarisch ernährt, wird nicht zunehmen. Eine vegane Ernährung bei Kindern im Wachstum halte ich für bedenklich.

?Ihr Fazit für eine gesunde Ernährung?

!Ausgewogen, Mischkost, regelmäßiges Essen und Bewegung, damit der Kreislauf gut funktioniert.

Hintergrund:
Raffinierter Zucker: Mineralstoffe und Vitamine sind entzogen worden, wird deshalb auch als „leere Kalorie“ bezeichnet. Er ist ein schneller Energieträger, das heißt, der Zucker wird im Körper sofort in Energie umgewandelt. Die Folge: Der Blutzuckerspiegel steigt schnell an, fällt aber ebenso schnell wieder. Der Körper verlangt nach mehr Zucker.

Vitamin B 12: Vitamin B 12 ist ein lebenswichtiges Vitamin, das der Körper nicht selbst produzieren kann, weshalb der Mensch auf eine regelmäßige Zufuhr von Vitamin B 12 über die Nahrung angewiesen ist. Das Vitamin ist nur in Fleisch (am meisten in Rinderleber), Fisch und Muscheln enthalten. Vegetarier und Veganer müssten also auf ein Nahrungsergänzungsmittel zurückgreifen. Vitamin B 12 ist an mehreren grundlegenden Stoffwechselprozessen beteiligt wie DNA-Bildung, Schutz und Regeneration der Nerven, auch im Zentralnervensystem und Gehirn, Blutbildung, Zellteilung.
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