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Aus Guadalajara über Halle und München nach Braunschweig

Dr. Ezequiel Franco-Lara kam für ein Promotionsstudium nach Deutschland und blieb

Von Jens Radulovic

Braunschweig. „Wenn Sie sehen würden, wo ich gelebt habe, würden Sie mich fragen, wie ich überhaupt von dort wegziehen konnte“, sagt Dr. Ezequiel Franco-Lara. Und dennoch zog es ihn aus Guadalajara, der zweitgrößten Stadt Mexikos, weg in die Löwenstadt.

Der in Mexiko-Stadt geborene und mit vier Jahren nach Guadalajara umgezogene Franco-Lara machte an der dortigen Universität seinen Master in Chemieingenieurswissenschaft mit der Vertiefung in Biotechnologie.
„Guadalajara ist das, was für Mexikaner München ist: die für das Bild im Ausland prägende Stadt. Dort kommen beispielsweise der Tequila und die Sombrero-Hüte her“, beschreibt der 39-Jährige die Heimat seiner Jugendtage.
Ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes (DAAD) für ein Promotionsstudium der Ingenieurswissenschaft im Fach Bioverfahrenstechnik brachte ihn zum ersten Mal nach Deutschland, an die Universität Halle-Wittenberg. „Ich mag es, mich in Sprachen einzuarbeiten und habe bereits in Mexiko Deutsch gelernt – und sprach es schon sehr gut, dachte ich.“ Dann kam er für seinen ersten Sprachkurs nach Dresden und verstand erst einmal so gut wie nichts. „Ich hatte natürlich Hochdeutsch gelernt, und Sächsisch ist schon ein sehr spezieller Dialekt“, lacht Ezequiel Franco-Lara über diesen „kleinen Kulturschock“. Die Umstellung fing aber schon bei seinem Namen an: „In Mexiko hat man grundsätzlich zwei Nachnamen: Der Erste ist der erste Name vom Vater, der zweite ist der erste Name der Mutter. Um mich den deutschen Gepflogenheiten anzupassen, setze ich zwischen die Namen jetzt einen Bindestrich“, erklärt er.
Es gebe viele Unterschiede in der Mentalität von Mexikanern und Deutschen, meint Franco-Lara: „Wenn in Mexiko in einer Kneipe traditionelle Musik gespielt wird, singen wirklich alle mit. So eine, alle Menschen vereinende Musik gibt es hier nicht.“ Aber auch in Deutschland findet er gesellschaftsprägende Gemeinsamkeiten: „Das ökologische Denken ist hier bei allen Menschen sehr ausgeprägt. Viele Ausländer finden beispielsweise die Mülltrennung erst einmal schwer. Aber jedem ist natürlich klar, dass das eine sehr sinnvolle Sache ist.“
In Mexiko ginge man dagegen aufgrund der Knappheit mit Wasser bewusster um: „Ich achte auch heute noch darauf, zum Beispiel unter der Dusche das Wasser nicht so aufzudrehen.“
Nach vier Jahren in Halle zog es ihn zur Vorbereitung auf die Verteidigung seiner Dissertation zurück nach Mexiko zur Familie. „Ich hatte vor, nach der Promotion eine Professur in Mexiko anzunehmen. Die Chancen dafür standen gut, denn Leute mit einem Promotionsstudium im Ausland sind in Mexiko hoch geschätzt.“
Aber der Zufall wollte es anders, denn er lernte eine deutsche Studentin kennen, die ein Praktikum in Mexiko absolvierte. Also ging er mit ihr zurück nach Deutschland, zunächst für zwei Jahre an die Technische Universität München.
Fachliche Gründe zogen ihn schließlich in die Löwenstadt. „Die TU hier hat einen extrem guten Ruf und verfügt über den einzigen Sonderforschungsbereich Bioverfahrenstechnik“, begründet er seinen Schritt.
„Aber ich habe auch die Stadt mittlerweile zu schätzen gelernt, nicht nur aufgrund ihrer reizvollen Geschichte“, erzählt Ezequiel Franco-Lara, dem Braunschweig bereits durch zum Beispiel Heinrich den Löwen bekannt war, „auch dass man alles mit dem Fahrrad erreichen kann, mag ich an Braunschweig sehr.“
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