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Auftritt Elvis: Auf jeden Fall Kult

Wolfgang „Elvis“ Haberkamm und seine Kneipe „Vier Linden“ haben Kultstatus. Foto: Alper/oh

In unserer Serie „Kult“ stellen wir Originale vor – heute Lindenwirt Wolfgang Haberkamm.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 29. Oktober 2016

Braunschweig. Seit 2005 macht Elvis „Außenpolitik“ und spätestens seitdem ist er endgültig „Kult“. Wolfgang „Elvis“ Haberkamm gehört als Vier-Linden-Wirt schon gefühlt ewig zum Braunschweiger Kern, aber 2005 hat er sich upgegradet: „Mein erster Besuch im Vip-Zelt bei der Eintracht hat mir klar gemacht, ich muss mich noch mehr unters Volk mischen“, sagt er. „Außenpolitik“ nennt er das.

Sein „Schatten“ heißt Dirk Alper, die beiden Freunde treten fast immer gemeinsam auf, Alper, der freie Fotograf, ist sozusagen Elvis’ Pressesprecher. Es gibt Fotos von allen wichtigen Events in der Stadt – oder in der eigenen Kneipe – in der Mitte steht meist Elvis, daneben der Oberbürgermeister, der Intendant vom Staatstheater, der Eintracht-Trainer, Promis wie Heiner Lauterbach oder Horst Jansen, Hinz und Kunz …
Die Wände im Wirtshaus „Zu den vier Linden“ in der Wiesenstraße sind regelrecht tapeziert mit diesen Zeitzeugnissen. „Vorn an der großen Wand die Promis, hier neben dem Tresen der Sport, im nächsten Zimmer die Kunst“, erklärt Elvis.
Seit 1993 ist Wolfgang Haberkamm Vier-Linden-Chef, die Kneipe, die an diesem Samstag ihren 120. Geburtstag feiert, ist durch ihn zu dem geworden, was sie ist: eine Kultkneipe. „Ewige Stammtische“ von Juristen oder Medizinern, daneben kloppen ein paar Männer Skat, Banker sitzen neben Arbeitern. Alle fühlen sich hier richtig.
„Ich bin Anarchist und Atheist“, beschreibt sich Elvis. Eine heiße Mischung, die ihn die Beamtenlaufbahn als Lehrer gekostet hat (wobei er eh die Nase voll hatte); drei Ehen sind („immer ganz friedlich“) auf der Strecke geblieben, manche Freundschaft. Aber: Er ist auch verantwortungsbewusst, gerecht und geradeaus. So hat er es geschafft, ein Mitarbeiter-Team an sich zu binden, das für den Erfolg seiner „Vier Linden“ fast genauso wichtig ist wie er selbst. Harmonisch läuft es auch zwischen ihm, seinen drei Exfrauen und den drei Kindern – einmal im Jahr lädt Elvis zum Familientreffen ein.
Geboren wurde Wolfgang Haberkamm in einem Dorf im Solling, die Kindheit war einfach und liebevoll. Seine Mutter hatte nicht studieren können – ihr Traum war der Lehrerberuf – weil die Brüder Vorrang hatten, so arbeitete sie später als Putzfrau, legte jeden Pfennig zurück , damit „ihr Junge es mal besser hat“.
Eine Verpflichtung für Wolfgang „Elvis“, er studierte Theologie auf Lehramt und bekam Ende der 70er eine Anstellung an der IGS Wilhelm Bracke. Elvis eckte relativ schnell mit der „Obrigkeit“ an, eine Beziehung zu einer Schülerin setzte dem Ganzen die Krone auf. Viele Jahre dauerten die gerichtlichen Auseinandersetzungen, bis er aus dem Schuldienst ausschied. Immerhin – er war zwar freigestellt, aber das Gehalt lief fast in gleicher Höhe weiter.
Eine gute Grundlage, um sich neu zu orientieren. Tischlerlehre, Bauleiter, erster Job in der Gastronomie, Geschäftsführer. „Seit meinen Anfängen als Lehrer in Braunschweig war ich Stammgast in den Vier Linden“, blickt Elvis zurück. Und so war es ein Wink des Schicksals, dass genau in dem Moment, als er sich in seinem Geschäftsführerposten nicht mehr wohl fühlte, der damalige Lindenwirt ihm das Lokal anbot. „Deine Schmuddelbude?“, war Elvis´ erste Reaktion. Aber dann griff er zu. Der Rest ist Geschichte, oder besser – Kult. Das damals von den Eltern geliehene Geld hat er längst zurückgezahlt, der Laden läuft wie geschnitten Brot; Elvis und sein Freund („mein Paparazzo“) können sich zunehmend auf die „Außenpolitik“ konzentrieren.
Sein jüngster Coup: Er hat einen Preis gestiftet für das Filmfest. Er sitzt auch in der Jury. Die ersten Bilder gibt es auch schon – siehe Foto unten links.
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