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Auf dem Campingplatz bleibt die Zeit stehen

Die guten Seelen des Campingplatz am Loosteich in Mariental: Dieter Melcher, Bettina Schmidt und Peter Kepp (v.l.). Fotos: Erik Beyen
 
Platzleiterin Bettina Schmidt bittet in den Mietwohnwagen des Campingplatzes am Loosteich in Mariental.

Die NH taucht in die Welt der Camper ein und schaut hinter das Camping-Idyll.

Von Erik Beyen, 19.05.2017.

Mariental. Camper sind eine aussterbende Spezies, vor allen Dingen die Dauercamper. Tatsächlich? Wir haben nachgefragt und uns unter eben diese Gattung Mensch gemischt. In den nächsten Ausgaben berichten wir vom Campingplatz am Loosteich in Mariental.



Auf unserer kleinen Reise in die für viele Menschen befremdliche Welt riskieren wir einen Blick hinter das Camper-Idyll und machen, soviel steht fest, so manch interessante Begegnung. Unsere temporäre Unterkunft: ein großer Wohnwagen mit festem Vorzelt und fast Vollausstattung. Für sein Alter ist er noch ziemlich gut in Schuss und erzählt Geschichten aus jenen Tagen, als Campen eine günstige Urlaubsalternative war und Dauercamping das Lebensgefühl einer ganzen Generation ausmachte.

1976 eröffnete die Gemeinde Mariental den Campingplatz. Zu jener Zeit hat noch niemand einen Gedanken an die Wende 1989 verschwendet. Damals, erinnert sich Platzleiterin Bettina Schmidt, waren alle Plätze belegt, 151 an der Zahl. Es habe sogar Wartelisten gegeben. Die meisten Gäste kamen aus dem damaligen Westberlin, die ihre Wohnwagen gleich haben stehen lassen. Zu schikanös waren die Kontrollen an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. „Da musste man wirklich den gesamten Wohnwagen ausräumen“, sagt Bettina Schmidt, die den eisernen Vorhang selber einige Male überwunden hat.

Die Zeiten das Kalten Krieges waren Blütezeiten für den Campingplatz. Doch das ist lange schon vorbei. Nach der Wende, so erzählt es Schmidt, seien die Camper mehr und mehr ausgeblieben. Heute sind von den 151 Stellplätzen lediglich etwa 60 dauerhaft belegt, und nur noch wenige Gäste bleiben tatsächlich während der gesamten warmen Jahreszeit von Mai bis Oktober auf dem Platz. Aber es gibt sie eben doch noch, die Dauercamper.

Der Wohnwagen, den wir für eine Weile als temporäres Domizil nutzen, vermittelt, wie der Campingplatz selber, das Flair alter Tage. Dort ist die Zeit stehen geblieben, und jeder Betrachter hat unvermittelt den Eindruck, als spiele sich in ihm noch täglich das pralle Leben ab. Alles ist bereit: Geschirr, Besteck, Gas für die Heizung, Strom liegt an, den Wasserkocher muss man nur einschalten, auf den Betten im Wagen liegt die Bettwäsche bereit, und in den Schränken Utensilien der einstigen Besitzer. Vor dem inneren Auge läuft zwangsläufig ein Film ab.

Der Wohnwagen, er hat die Welt gesehen. Seine Besitzer müssen echte Reisecamper gewesen sein, bevor sie ihren Lebensabend und den des Wohnwagens in Mariental verbracht haben. Bettina Schmidt wird leicht schwer ums Herz. Ihr fallen sofort Geschichten zu dem Paar ein. Heute gehört der Wohnwagen dem Campingplatz und wird vermietet. Geschichten kann Bettina Schmidt noch viele erzählen. In der nächsten Folge unserer Serie erzählen wir die zweier auf dem Platz am Loosteich Gestrandeter. Über 30 Jahre lang sind diese beiden mit dem Campingwagen unterwegs, und sie haben noch lange nicht genug.
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