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Auch Puppen kennen „Rheuma“

Puppendoktor Günter Geier bei der Arbeit. Nach 55 Jahren hängt er jetzt seinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen an den Nagel und will sich mehr seiner Familie widmen. Foto: Frank Boxler/oh

Günter Geier ist Puppendoktor und „heilt“ vom 29. bis 31. Januar Patienten im Brawo-Park.

Von Birgit Leute, 23.01.2016.

Braunschweig/Altendorf (Bayern). Schere, Feile, Pinzette – wenn Günter Geier auf Reisen geht, hat er meistens ein ganzes Arztbesteck an Bord. Seine Patienten sind allerdings keine Menschen. Sie sind Puppen.

Vom 29. bis 31. Januar macht der 75-jährige Franke erstmals auch in Braunschweig Station: Dann „heilt“ er kaputte Spielzeugfiguren vor dem Brawo-Park. Für Günter Geier ist die Reise gleichzeitig der Abschied von einem langen Berufsleben als Puppendoktor.

Im vergangenen Jahr erlitt er einen Herzinfarkt, musste aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten. „Es fällt mir schwer, mein Metier aufzugeben“, seufzt Geier beim Telefoninterview.

55 Jahre lang reparierte er Puppen. In seinem Haus in der Nähe von Bamberg füllen die Ersatzteile gleich mehrere Regalmeter. Köpfe, Arme, Beine, Augen – für alles hat der Puppendoktor das passende Pendant. Rund 15 000 Teile nimmt er gewöhnlich auf seine Reisen mit. „Die Gummis, die Arme und Beine zusammenhalten, sind die größte Schwachstellen. Die werden leicht porös“, erzählt Geier von den „Rheumatikern“ unter seinen Patienten.

Auch Schädelbasisbrüche muss der Puppendoktor des öfteren mit Flüssigcelluloid behandeln, denn bei Stürzen nehmen vor allem die schweren Köpfe Schaden. „Eigentlich habe ich Schneider gelernt. Als Puppendoktor zu arbeiten, hätte ich mir damals – als junger Mann – nicht vorstellen können“, erinnert sich Geier. Doch mit 19 Jahren traf er einen Kollegen, fing Feuer und entschied sich für einen absoluten Nischenberuf. „Meist kommen ältere Damen zu mir, die noch die eine oder andere Käthe-Kruse-Puppe haben“, so Geier.
Das wertvollste Stück, dass er je reparierte, war das sogenannte „Kaiserbaby“ – eine Puppe, die Kaiser Wilhelm II. als Neugeborenen darstellt. „Eine alte Dame hatte das Original von ihrer Urgroßmutter geerbt. 17 000 Euro sind Liebhaber bereit, dafür auszugeben“, schwärmt der Puppendoktor.

Am heutigen Spielzeug lässt Geier dagegen kein gutes Haar „Das ist alles Schrott“, sagt er über die Produkte aus Fernost und gibt ein Beispiel. „Kürzlich musste ich einem Teddybären eine Brummstimme einsetzen. Der war innen komplett mit Glaswolle gefüllt. Stellen Sie sich vor, was passiert kann, wenn damit ein Kleinkind spielt“, kritisiert Geier.

Wer den Puppendoktor vom 29. bis 31. Januar vor dem Brawo-Park besuchen möchte: Seine Sprechstunde geht täglich von 9 bis 18 Uhr. Eine neue Stimme kostet rund acht, Gummis für Arme und Beine rund 16 Euro. Ersatzteile für historische Puppen (zum Beispiel Köpfe) können bis zu 65 Euro kosten.
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