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„Armbruch oder Lack ab? Ich verarzte jeden Wichtel!“

Aline Eppinger unterhält ein Krankenhaus für lädierte Gartenzwerge.
 
In Aline Eppingers Werkstatt warten viele kleine und große Zwergenpatienten darauf, wieder flottgemacht zu werden. Fotos (2): Buhlmann

Aline Eppinger (35) hat ein „Krankenhaus“ für Gartenzwerge – Ihre große Leidenschaft.

Von Katja Buhlmann, 09.05.2017.

Velpke. Ihre Patienten kommen meistens per Post, haben gebrochene Arme, eine von der Sonne abgeblätterte Gesichtsfarbe oder auch einfach nur schmutzige Füße. „Und bei den meisten ist leider schon der Lack ab. Außerdem sehen sie sich alle ähnlich: Sie haben knollige Nasen, tragen Rauschebärte und rote Zipfelmützen“, sagt Aline Eppinger. Die 35-Jährige verarztet Gartenzwerge.

Seit zehn Jahren restauriert und gestaltet sie in ihrem „Zwergenhospital“ in Velpke kunterbunte Figuren. Und das mit ganz viel Liebe. 150 Wichtel tummeln sich in ihrer Werkstatt und warten darauf, wieder fit gemacht zu werden. Kleine, große, sogar Engel und Fußballspieler, aus gebranntem Ton oder Kunststoff. Mittendrin steht Aline Eppinger, strahlt, rubbelt konzentriert mit Schmirgelpapier einem Zwerg die abgeblätterte Farbe aus dem Gesicht, löst den Gilb, der an seinem Ärmel haftet, mit einer Zahnbürste. Dann trägt sie sorgfältig mit einem feinen Pinsel wetterfeste Acrylfarbe auf, zwei Schichten, „damit es schön deckt“, und sprüht abschließend Klarlack darüber. Zum Schluss setzt sie ihre Patienten zum Trocknen vor die Tür. Bis zu zwei Tage dauert so eine Behandlung.

Begonnen hat alles, als die gelernte Restaurantfachfrau einen beschädigten Zwerg ihres Vaters flottmachte. „Die Lampe seiner Laterne war kaputt.“ Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. „Und daraufhin kamen noch andere Familienmitglieder und Bekannte mit ihren Gartenzwergen an“, erinnert sie sich. „Das hat Spaß gemacht, obwohl ich mit Handwerk vorher eher wenig am Hut hatte.“ Sie war gerade in Elternzeit, überlegte, wie es danach beruflich für sie weitergehen könnte. „Und dann habe ich beschlossen, mich mit dem Zwergenhospital selbstständig zu machen.“ Ihr Vater, ja indirekter Ideengeber, reagierte zunächst überrascht. „Was willst du machen?“, fragte er ungläubig, konnte es gar nicht fassen. „Aber schließlich fand er es gut. Genauso wie mein Mann und unsere Kinder“, betont die dreifache Mutter. Und die ganze Familie packt mit an. „Mein Mann schnitzt hin und wieder Geräte für die Zwerge, die Kinder helfen beim Säubern. Ich bin froh, dass ich mir meine Arbeitszeit selbstständig einteilen kann und viel Kontakt zu Menschen habe.“

Das Geschäft brummt. Zahlreiche kleine „Patienten“ hat sie schon verarztet, ihre Kunden kommen aus ganz Deutschland. Für Aline Eppinger ist es immer wieder rührend zu sehen, wie innig manche an ihren Zwergen hängen. „Sie nehmen bis zu 800 Kilometer in Kauf und holen sie persönlich ab, damit ihren Lieblingen ja nichts auf der Heimfahrt zustößt.“ Für Aline Eppinger ist ihre Arbeit auch eine Herzensangelegenheit. „Denn ich finde es traurig, dass wir in einer Wegwerfgesellschaft leben. Ich repariere jeden Zwerg.“ Und sie bringt nicht nur fremde Wichtel im Auftrag auf Vordermann, sondern kauft auch beschädigte Exemplare, die sie auf Flohmärkten findet und modelt sie um.

Einen Lieblingszwerg hat die pfiffige Geschäftsfrau dabei nicht. Es rollen auch keine Abschiedstränen, wenn einer zurück zu seinem Besitzer reist. Aline Eppinger verliebt sich immer wieder neu in das, was sie gerade erschaffen hat. „Jeder Zwerg inspiriert mich, ist irgendwann fertig, und dann ist er mein liebstes Stück, bis der nächste fertig ist“, sagt sie. „Ich bin fasziniert von den Zwergen. Sie machen einen Garten lebendig, sind echte Farbtupfer. Auch wir haben welche. Und die gehören mittlerweile zur Familie.“ Aline Eppinger ist über ihre Homepage zu erreichen:
www.zwergenhospital.de.
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