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Archäologen graben noch tiefer

Stadthaus Petri an der Langen Straße erhält Tiefgarage – Weitere historische Funde vermutet.

Von Martina Jurk, 24.08.2011.

Braunschweig. Noch mehr Schätze vermuten Archäologen, die in den nächsten Tagen auf der Baustelle der ehemaligen alten Bücherei Hinter Brüdern bis in fünf Meter Tiefe weitergraben. Entstehen soll dort das Stadthaus Petri.

In den vergangenen drei Monaten hat die Firma Arcontor Teile einer mittelalterlichen Stadtmauer freigelegt. Gegraben wurde in zwei Metern Tiefe. „Aufgrund einer veränderten Mieterstruktur ist es unerlässlich, eine Tiefgarage zu bauen. Das heißt, wir müssen bis zu fünf Meter tief graben. Das bietet den Archäologen die Möglichkeit, neue historisch bedeutsame Funde zu machen“, betont Investor und Bauherr Jochen Staake. Bei dem neuen „Untersuchungsgebiet“ handele es sich um 3500 Quadratmeter. Der Zeitplan für den Bau des Petrihauses verschiebe sich um sechs bis acht Wochen.

Dass zwischen Neu- und Altstadt – parallel zur Langen Straße – ein mittelalterlicher Stadtgraben verlief, dafür gibt es jetzt konkrete Befunde. „Das ist für die Stadtgeschichte von enormer Bedeutung“, meint Dr. Mathias Wiegert, Geschäftsführer und Inhaber der Firma Arcontor, 2004 gegründet und befasst mit planerischer Archäologie und Ausgrabungen. Dass Neu- und Altstadt in der Braunschweiger Frühzeit getrennt waren, sogar durch eigene Bürgermeister und Ratsversammlungen, sei bekannt gewesen. Jetzt könne durch entsprechende Funde belegt werden, dass Neu- und Altstadt durch einen Graben getrennt waren. „Durch den geänderten Bauplan haben wir nun die Möglichkeit erhalten, noch einmal in die Tiefen zu schauen.“ Dr. Mathias Wiegert vermutet noch drei bis vier mittelalterliche Brunnenanlagen.
Die Archäologen sitzen im Büro des Investors Staake Investment & Consulting GmbH & Co. KG mit am Tisch. Baumaßnahmen seien generell ein Grund, mögliche archäologische Funde zu sichern. Zum anderen müssten denkmalpflegerische Auflagen erfüllt werden, erklärt Dr. Wiegert. Für den Prähistoriker haben die Funde vor allem Bedeutung für die Zukunft: „Ausgrabungen sind die letzte Instanz der Archivierung. Es ist das, was wir an die künftige Generation weitergeben.“ Die moderne Technik habe auch bei der Archäologie Einzug gehalten. „Wir sitzen nicht mehr mit dem Backpinsel an der Ausgrabungsstätte, sondern wir verfügen heute über modernste Technik. Die reiche vom Bagger bis zur Computeranimation“, so Wiegert. Durch diese Technik hätten die bisherigen dreimonatigen Grabungen unter der Leitung der Mittelalterarchäologin Doris Koether absolut im Zeitlimit gelegen. Archäologie sei nicht mehr das, was Bauprojekte aufhält, sondern eines von vielen Baugewerken.
Das ehemals städtische Grundstück hat eine Gesamtfläche von 3750 Quadratmetern. Nach dem Umzug der Öffentlichen Bücherei ins Schloss stand das Gebäude lange Zeit leer.
Im Sommer 2010 verkaufte es die Stadt an die Staake Investment GmbH & Co. Objekt BS-Stadtmauer KG, die Ende des vergangenen Jahres mit dem Abriss der alten Bücherei begann.
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