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Antikörper – Hoffnung der Medizin

Die Preisträger gemeinsam mit IHK-Präsident Helmut Streiff (v. l.): Dr. Thomas Schirrmann, Professor Michael Hust, Helmut Streiff, Dr. André Frenzel und Professor Stefan Dübel. Foto: Jörg Scheibe/oh

Technologie-Transferpreis geht an vier Braunschweiger Wissenschaftler.

05.11.2016.

Braunschweig. Für den „Transfer Generierung menschlicher Antikörper als medizinische Wirkstoffe“ erhielten vier Braunschweiger Wissenschaftler gestern den mit 10 000 Euro dotierten Technologietransferpreis der IHK: Professor Stefan Dübel, Dr. André Frenzel, Professor Michael Hust und Dr. Thomas Schirrmann vom Institut für Biochemie, Biotechnologie der TU Braunschweig.

Aufgenommen wird diese neue Technologie von der Yumab GmbH Braunschweig.
„Der Technologietransferpreis wurde zum 32. Mal verliehen. Insgesamt sind 83 Preisträger mit 39 Transferobjekten und einer Preissumme von mehr als 280 000 Euro ausgezeichnet worden“, freute sich IHK-Präsident Helmut Streiff. Mit den Erfindungen, die für die Unternehmen häufig mit einer weltweiten Alleinstellung verbunden waren, seien beachtliche Markterfolge erzielt worden.

Antikörper sind die große Hoffnung der Medizin. Aus ihnen können maßgeschneiderte Medikamente entstehen, die unter anderem Krankheitserreger abwehren beziehungsweise bekämpfen. Bereits heute werden erste monoklonale Antikörper gegen verschiedene Krebserkrankungen oder Rheuma eingesetzt. Bislang ist die Entwicklung dieser Eiweißmoleküle indes noch zu teuer für eine breite Nutzung. Herausforderung ist, die richtigen Antikörper zu identifizieren und für die jeweilige Erkrankung maßzuschneidern.

„Wir haben zu jedem Zeitpunkt 100 Millionen Antikörper im Körper, um gegen jeden Krankheitserreger ein Gegenmittel zu haben. Mit einigen hundert Antikörpern könnte man bereits die großen lebensbedrohlichen Krankheiten behandeln, etwa lebensbedrohliche Infektionen, gegen die es noch keine Impfung gibt“, berichtet Professor Stefan Dübel.

Die Yumab GmbH generiert nun mit der Phagendisplay-Methode Antikörper nach Maß. Sie erzeugt menschliche Antikörper komplett im Reagenzglas. Das Prinzip: Die genetische Sequenz verschiedener menschlicher Antikörper wird in Bakterien kloniert. Nach und nach wird eine komplexe Genbibliothek aller menschlichen Antikörper-Sequenzen hergestellt. Aus dieser riesigen Vielfalt an Antikörpern muss dann im nächsten Schritt der eine, passende Antikörper ausgewählt werden. Dies ermöglicht das Antikörper-Phagendisplay. Dazu wird jeder Antikörper der Genbibliothek an die Oberfläche eines Bakterien-Virus (Phage) gekoppelt, der genau die DNA enthält, die
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Seite 2 der Presseinformation der IHK Braunschweig vom 4. November 2016


diesen speziellen Antikörper kodiert. In einem Selektionsprozess im Reagenzglas werden nun die Antikörperphagen angereichert, die spezifisch an die Zielstruktur, z. B. ein Tumormarker oder ein Virusprotein, bindet. Huckepack trägt dieser Antikörper-Phage die genetische Information für diesen Antikörper, die dann nachfolgend gentechnologisch an die jeweilige Anwendung angepasst werden kann.

Die Arbeitsgruppe von Professor Stefan Dübel hat bereits 2005 in einem vom BMBF geförderten Großprojekt als „Antibody Factory“ Antikörper nach Maß geliefert. Zu dieser Zeit stieß auch Thomas Schirrmann zu der Gruppe. Ende 2012 wurde aus der ehemals akademischen Dienstleistung ein kommerzielles Antikörper-Phagendisplay-Projekt: die Wirkstoffmanufaktur-Neugründung Yumab GmbH mit Dr. Thomas Schirrmann als Geschäftsführer. Das Unternehmen arbeitet heute mit entsprechenden Lizenzen und Technologien aus der TU Braunschweig im Auftrag internationaler Pharmaunternehmen an der praktischen Entwicklung neuer Wirkstoffkandidaten gegen Krebs, Infektionserkrankungen und Autoimmunstörungen wie Rheuma oder Morbus Crohn. Innerhalb von drei Jahren hat das Spin-off weltweit 67 Aufträge von 32 Kunden aus sieben Ländern gewonnen. Die Yumab GmbH gibt aber auch Forschungsimpulse an das TU-Institut für Biotechnologie zurück, so dass auch für die Zukunft beide Seiten profitieren.

Die maßgebliche Innovation, die die Gründung der Yumab GmbH ermöglichte, war, die bisher für Einzelfälle sehr aufwändig durchzuführende Methode zu industrialisieren, miniaturisieren und hochdurchsatzfähig zu machen, und sie damit einem sehr viel breiteren Kundenkreis schneller und für sehr viel weniger Kapitaleinsatz verfügbar zu machen. Der Aufgabe lagen große Unterschiede und ein enormer Entwicklungsaufwand zugrunde, damit die Technologie kommerziell nutzbar wurde. Mittlerweile wurden 12 neue hochqualifizierte Arbeitsplätze geschaffen. Die derzeitige Geschäftsplanung rechnet in 2017 mit circa 20 Mitarbeitern.

Ein besonderes integrales Element des Produktes ist der Tierschutzaspekt. Die Standardmethode benötigt zur Herstellung der meisten weltweit genutzten Antikörper Versuchstiere, insbesondere Mäuse und Kaninchen – weltweit bis zu 500.000 Tiere jährlich. Die Technologie der Yumab könnte diese Verwendung von Tieren auf null reduzieren. Braunschweig ist bereits als eines der führenden Zentren dieser Tierversuchsersatzmethode weltweit bekannt.

Der Jury-Vorsitzende Professor Werner Gramm skizzierte den Lebensweg der vier Forscher und stellte den Transfer in die Wirtschaft vor. Die Festansprache hielt Professor Gerd Müller-Lorenz. Der selbstständige Dirigent, sprach zum Thema »Führung durch Resonanz«.
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