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Angebote gibt es, aber sie werden kaum genutzt

Stellten das Erfolgsmodell Interkulturelle Servicestelle für Gesundheitsfragen vor (v. r.): Servicestellenleiterin Dr. Farahnaz Javanmardi, Stadträtin Dr. Andrea Hanke und Gesundheitsamtsleiterin Dr. Brigitte Buhr-Riehm. Foto: Peter Sierigk

Interkulturelle Servicestelle für Gesundheitsfragen will Menschen mit Migrationshintergrund eine Brücke in das Gesundheitswesen schlagen.

Von Marion Korth, 26.07.2016.

Menschen mit Migrationshintergrund machen rund ein Fünftel der Braunschweiger Bevölkerung aus. „Aber sie tauchen in unserem Gesundheitssystem nicht auf“, sagt Sozialdezernentin Dr. Andrea Hanke.

Zumindest nicht in der Zahl, wie es eigentlich sein müsste. Die gebürtige Iranerin Dr. Farahnaz Javanmardi kennt dafür einige Gründe: „Zum Teil kennen sie die Angebote nicht, aber es gibt auch sprachliche, kulturelle und religiöse Hürden.“ Das führe dazu, dass viele Menschen mit Migrationshintergrund nicht einmal einen Hausarzt haben.

Kaum war im Spätsommer vergangenen Jahres der Förderantrag für die Servicestelle gestellt, als Flüchtlinge in größerer Zahl kamen und damit noch viele gute Gründe mehr, in diesem Bereich in die Gesundheitsvorsorge zu investieren. Statt Parallelstrukturen aufzubauen, schlägt die Servicestelle die Brücke zu den verschiedenen Stellen im Gesundheitswesen. Ziel ist es auch, vorhandene Angebote anzupassen und zu verbessern. Eigens ausgearbeitete Fragebogen helfen dabei, den Bedarf genau zu erfassen.

Die Sprache scheint jedenfalls ein wichtiger Schlüssel für die Problemlösung zu sein. Derzeit werden weitere 30 Lotsen, viele haben einen beruflichen Hintergrund im Gesundheitswesen, ausgebildet. Das Team ist international, viele Sprachen sind vertreten. Die Lotsen gehen dorthin, wo die Menschen sind, informieren in Vereinen, bei Frauengruppen, in Moscheen. „Es gibt viele Wege, wie wir an die Menschen herankommen, wir machen sogar Hausbesuche für ältere Menschen“, sagt Farahnaz Javanmardi. Auch die Ernährungs- und Kochangebote für die Flüchtlinge in der Naumburgstraße sein ein solcher Weg, um auf Gesundheitsthemen sprechen zu kommen. Und sie berichtet von einem syrischen Kind, das auffällig unter Konzentrationsstörungen litt. Verdacht: ADHS. Die Lotsen wiesen den Weg in die Familienberatung, die helfen konnte. Die Flucht mit ständigen Ortswechseln, aufgelösten Alltagsstrukturen und beständiger Angst hatte ihre Spuren hinterlassen. „Das Kind nimmt heute eine gute Entwicklung – ohne ADHS-Therapie“, sagt Farahnaz Javanmardi.

Mit den Sprachmittlern an der Seite haben es die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes viel einfacher, Vertrauen aufzubauen. Nachdem die Flüchtlinge in der Naumburgstraße im Vorfeld informiert wurden, war die Teilnahmequote an der nächsten Impfaktion gleich viel größer. Selbst für Tabuthemen gelte: „Wir müssen auf die Menschen zugehen, uns trauen und direkt fragen, dann bekommen wir richtig gute Antworten“, fasst Gesundheitsamtsleiterin Dr. Brigitte Buhr-Riehm ihre durchweg guten Erfahrungen zusammen. Im Gesundheitsamt werden auch die Flüchtlinge beraten, die unter psychosozialen Schwierigkeiten leiden. Diese Probleme beherzt anzugehen, sei die Voraussetzung dafür, dass Menschen aus ihrer resignativen Haltung herauskommen, Verantwortung für sich und ihre Gesundheit übernehmen können.

Die Interkulturelle Servicestelle für Gesundheitsfragen im Gesundheitsamt der Stadt, Hamburger Straße 226, ist montags, mittwochs und donnerstags nach telefonischer Vereinbarung unter der Nummer 4 70 72 93 erreichbar.
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