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Andrej Hermlin: „Ich glaube an den Swing der 30er Jahre"

Highlight Konzert mit dem Berliner Musiker und seinem Orchester am 7. Juni im Großen Haus

Von Sebastian Walther

Braunschweig. Der Sohn des Dichters Stephan Hermlin lebt und liebt den Swing der 30er Jahre. Seine Berliner Wohnung hat er mit zahlreichen Devotionalien der Zeit geschmückt und mit seinem Swing Dance Orchestra bringt er am 7. Juni das Lebensgefühl einer Ära so authentisch wie möglich in das Große Haus des Staatstheaters.

?Stimmt es eigentlich, dass Sie sich die ersten Swing-Stücke selbst beigebracht haben?

!Das Klavierspielen habe ich mir weitestgehend selbst beigebracht, nach alten Schallplatten. Ich habe versucht herauszuhören, was die Pianisten so tun. Später dann, während meines Musik-Studiums, habe ich ein paar sehr gute Tipps bekommen. Aber ein Großteil dessen, was ich heute auf der Bühne mache, ist tatsächlich weitestgehend selbst erlernt.

?Was hat Sie denn ursprünglich an der Musik so fasziniert?

!Das ist schwer in Worte zu fassen, es ist ja ein Gefühl, das kann man so schlecht erklären. Der fast erotische, weiche, samtige Klang der Saxophone ist einer der Gründe, warum ich mich in diese Musik verliebt habe. Und natürlich auch der Rhythmus, der ja beim Swing ein ganz anderer ist als beim Old-Time-Jazz: zupackend, der einfach zwingt, sich dazu zu bewegen.

?Auch im Teenager-Alter, in dem man sich stark über Musik definiert, sind Sie nie von zeitgenössischer Musik eingefangen worden?

!Es gab eine Zeit, zwischen 16 und 20 Jahren, in der ich durchaus auch mal in Diskotheken gegangen bin und die Plätze eins bis zehn der Charts auswendig konnte. Aber das hat an meiner Liebe zum Swing nichts geändert, das kam sozusagen mit dazu. Der Swing hat sich immer als dicker, roter Strich durch mein Leben gezogen, dazwischen verfolge ich schon das Musikgeschehen. Ich habe zum Beispiel jetzt gerade das Finale von „Deutschland sucht den Superstar“ gesehen.

?Schaut man sich Ihre CDs an, gewinnt man den Eindruck, es ginge Ihnen stets um die größtmögliche Authentizität. Wie weit reicht dieser Anspruch?

!Das ist sehr wichtig für mich, denn ich glaube an den Swing der 30er Jahre und nicht an die späteren Kopien. Er war nie wieder so wild wie in dieser Zeit, als es die Musik der Teenager war, und die Musiker selbst ja noch Teenager waren. Ich glaube an diesen Klang. Und deshalb versuchen wir, ihn so authentisch wie nur möglich auf die Bühne zu bekommen. Deshalb spielen wir unverstärkt, auf alten Instrumenten, die Original-Arrangements – aber das allein nützt ja noch nichts, wenn man sie nicht so liest, wie sie damals gelesen wurden. Und dann kommt bei uns noch das Optische dazu, denn ich glaube, dass Musik nicht nur gehört, sondern auch gesehen wird.

?Wie schwierig sind denn diese speziellen Anzüge aus den 30er Jahren zu bekommen?

!In der Menge wie wir sie benötigen gar nicht mehr. Wir lassen sie extra nachschneidern, ich habe alte Kataloge und Bücher gesammelt und danach werden sie gestaltet. Das geht allerdings auch weiter zu den Frisuren, jemand mit Bart oder langen Haaren könnte bei uns nicht mitmachen.

Service:

Der Festival-Rundgang der von der nB präsentierten 6. Cityjazznight findet am Sonnabend (6. Juni) statt. Darumherum werden drei Highlight-Konzerte veranstaltet.
1. Juni: Till Brönner und Band eröffnen die Konzertreihe um die Cityjazznight im Großen Haus des Staatstheaters
7. Juni: Swing & Roll mit Kitty, Daisy & Lewis aus London, Großes Haus, Staatstheater
9. Juni: Swinging London mit The Puppini Sisters, Großes Haus, Staatstheater
•Tickets: Karten gibt es in der Konzertkasse, Schild 1.
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