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Der Chemiker Dr. Tagne Kuate ist Chemiker, Kameruner, Braunschweiger – in dieser Reihenfolge. Ein Portrait

. Von Marc Wichert, 13.04.2011

Braunschweig. Wenn Dr. Tagne Kuate sein Fach beschreibt, beschreibt er eine Leidenschaft. Der 33-Jährige ist Chemiker, stammt aus Kamerun und forscht an der TU an neuen Sandwich-Komplexen.

Den Ausführungen Tagne Kuates zu folgen, ist gar nicht so einfach. Was für den Doktor der Chemie selbstverständlich ist, hört sich für Laien wie das berühmte Anglerlatein an. Während er weiß bekittelt durch die Labore des Instituts für anorganische und analytische Chemie am Hagenring führt, erzählt er von seinem neuesten Projekt. „Momentan versuche ich, neue Sandwich-Komplexe zu entwickeln.“
Was man damit anstellen könne, frage ich ihn. „Bei der Arzneiherstellung werden unter anderem Katalysatoren eingesetzt und die Sandwich-Komplexe werden für diese Katalyse benötigt.“ Kuate ist in seinem Element, spricht Sätze, in denen Begriffe vorkommen wie „Kronenether“ oder „ditope Rezeptoren“. Dann wird er konkret. „Chemie ist alles“, sagt er und sucht nach einem Beispiel. Er nimmt die Mineralwasserflasche aus Kunststoff in die Hand und sagt: „Das ist eine Flasche. Im Grunde aber ist das alles Chemie.“
Es sind die elementaren Strukturen, die den Kameruner faszinieren. Für Kuate ist Chemie die Basis aller Naturwissenschaften. Begonnen hat seine wissenschaftliche Laufbahn in Yaoundé, der Hauptstadt Kameruns. Während und nach seinem Chemiestudium arbeitete er als Lehrer, zwei Jahre nach seinem Master in Chemie ist er mit Hilfe eines Stipendiums des Deutschen Akademischen Austauschdienstes nach Deutschland gekommen. Im Spätherbst 2005 landete er in Dortmund, wo sein Bruder bereits lebte. Das Stipendium ermöglichte ihm, sich ganz seiner Doktorarbeit zu widmen, mit der er Möglichkeiten suchte und fand, Wasser zu entsalzen und Abwässer zu reinigen.
Warum wollte er gerade nach Deutschland? „Ich hatte auch die Möglichkeit, nach Frankreich zu gehen“, sagt Kuate in flüssigem Deutsch. „Aber die Bedingungen für die Forschung sind in Deutschland besser.“ Außerdem habe ihn die deutsche Kultur interessiert. Durch die Kolonialvergangenheit seiner Heimat hatte er einen positiven Bezug zu Deutschland, das als ehemalige Kolonialmacht auch in guter Erinnerung geblieben sei.
Als er nach Deutschland kam, sei er euphorisch gewesen. Saubere Straßen, schöne Häuser, alles sehr geordnet. Nach vier Wochen kam der Kulturschock. „Die Menschen in Deutschland haben nie Zeit und sind erstmal sehr distanziert.“ Heimweh nach Kamerun habe er schon gehabt, nach den Gesprächen auf der Straße, auch mit Wildfremden. Dort seien die Menschen viel lockerer.
Diese Mentalitätsunterschiede erklären für ihn auch die großen Unterschiede in der wirtschaftlichen Entwicklung der beiden Länder. Und den Stellenwert und die Qualität der Forschung in Deutschland. „In Deutschland arbeiten die Leute sehr stark, um ein Ziel zu erreichen“, das schätze er. Und irgendwie scheint er sich als Grenzgänger zwischen den Mentalitäten zu sehen, der mit beidem, Disziplin wie Leidenschaft, vorankommen will. Um dann mit seinen gesammelten Erfahrungen und seinem Know-How in ein paar Jahren nach Kamerun zurückzukehren.
„Ich habe in Deutschland und vor allem hier am Institut viel gelernt. Das möchte ich in Kamerun nutzen.“ Das Land brauche gut ausgebildete Leute, um sich zu entwickeln. Er plant, dort Professor für Synthese zu werden. Die ersten Kontakte an die Universitäten in Kameruns seien bereits geknüpft.
Doch bis dahin genieße er die Zeit in Braunschweig. Er treffe sich mit anderen Kameruner Studenten an den Wochenenden zum Fußballspielen. Oder forscht in seinem Labor, was für ihn auch so etwas wie Wochenende ist.
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