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Alles auf (Neu-)Anfang

Turbulente Zeiten für das Traditionsfest: Die vielen Bühnen und das große Familienprogramm erfordern viel Organisationsarbeit. Ehrenamtlich war das nicht zu machen, professionell aber auch nicht (mehr). Veranstalter Undercover sieht nun andere in der Pflicht. Archivfoto: T.A.
 
Das Magnifest war und ist eine schöne Werbung für das Viertel und darüber hinaus für die Stadt. Archivfoto: T.A.

Magnifest: Undercover zieht sich zurück.

Von Marion Korth, 19. April 2016.

Braunschweig. Die Gnadenfrist läuft. Diesmal wird noch alles beim Alten bleiben, doch als Veranstalter zieht sich die Agentur Undercover von der Organisation des Magnifestes zurück. Bleiben eineinhalb Jahre, das Traditionsfest auf neue Beine zu stellen.

Die Nachricht vom Rückzug Undercovers überraschte viele. Stefan Müller, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Magniviertel: „Wir haben das auch erst zwei, drei Tage vor der Pressemitteilung erfahren.“ Eine (Krisen-)Sitzung habe es noch nicht gegeben, um über die Zukunft des Festes zu reden. Für die Mitglieder der Werbegemeinschaft war vor elf Jahren jedenfalls klar, nebenbei und ehrenamtlich ist dieses Fest nicht mal eben so zu planen. So kam Undercover ins Spiel. „Unsere Hoffnung damals war: Wir investieren in die Verbesserung und gewinnen Unterstützer“, sagt Undercover-Geschäftsführer Michael Schacke. Die Entwicklung habe Mut gemacht, in der Rückschau aber stellt Schacke fest: „Im Schnitt fehlt ein mittlerer fünfstelliger Betrag.“ Und: „Wir haben uns über die Maßen engagiert, mehr geht nicht.“
Über die Jahre sei es gelungen, ein „familienfreundliches Kulturfest“ zu veranstalten, und das, ohne Eintritt zu nehmen. Das Magnifest zu planen, sei wahnsinnig aufwendig und kleinteilig, die Anforderungen an einen professionellen Veranstalter gleichzeitig sehr hoch. Nicht jede geleistete Arbeitsminute sei in die Kalkulation eingeflossen. „Das Magnifest ist seit dem ersten Jahr defizitär“, sagt Michael Schacke. „So haben wir aber nicht gerechnet.“ Auf Partner wie das Hofbrauhaus Wolters und viele Ladeninhaber im Magniviertel sei über all die Jahre Verlass gewesen, andere sprangen wieder ab. Wenn es aussah, als sei endlich ein grüner Ast erreicht, tat sich eine andere Lücke auf. So hätte es nicht weitergehen können. „Das Konzept für das Magnifest ist vor vielen Jahren entstanden, vielleicht muss man es in kleinerer Form fortführen oder setzt einmal ein Jahr aus“, meint Schacke. Die Möglichkeiten von Undercover seien jedenfalls ausgereizt, mit sehr vielen Partnern sei gesprochen, immer wieder um Unterstützung geworben worden, eine tragfähige Grundlage für eine Fortführung sieht er derzeit nicht.
Bei der Stadt gibt man noch nichts verloren. „Das Magnifest steht zunächst nur vor dem Wechsel des Veranstalters, noch ist ja nur klar, dass Undercover aufhören wird. Von einem Aus zu sprechen, ist eine pessimistische Sichtweise. Die Information über den Rückzug von Undercover ist ja bewusst so früh mitgeteilt worden und die Veranstaltung in diesem Jahr durch das konzertierte Engagement der städtischen Tochtergesellschaften gerettet worden, um eine unterbrechungsfreie Fortführung durch einen anderen Veranstalter ab 2017 zu ermöglichen. Damit sind eineinhalb Jahre Vorlauf gegeben, der neue Veranstalter kann das Fest 2016 noch in Augenschein nehmen und im Herbst Sponsoren ansprechen. Die Voraussetzungen sind so optimal für eine Übernahme“, ist sich Wirtschaftsdezernent und Stadtmarketing-Geschäftsführer Gerold Leppa sicher.
Gerold Leppa weiter: „Seit seiner Entstehung ist das Fest immer durch das Engagement der Anlieger und Sponsoren getragen, die Werbegemeinschaft hat es lange ehrenamtlich organisiert und hält nach wie vor die Rechte am Konzept. Ich hoffe, dass es auch weiterhin gelingt, das private Engagement aufrechtzuerhalten.“ Durch das Miteinander im Quartier mit Gastronomen und Händlern, die vom Fest natürlich auch profitieren, könnte das gut gelingen. Die Bedeutung sei über das Viertel hinaus vor allem für regionale Bands sehr gestiegen, nicht zuletzt durch die Bühne, die die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz gefördert hat. Leppa: „Aus meiner Sicht wäre es sehr schade, wenn dieses schöne Angebot nicht weitergeführt wird. Aber die Stadt kann nicht einspringen, wir haben mit Blick auf die Haushaltslage und die Finanzplanung der nächsten Jahre weder die personellen noch finanziellen Möglichkeiten dazu.“

FÖRDERUNG
Das Magnifest ist Anziehungspunkt als Auftrittsort für Nachwuchsbands, Familien mit Kindern wurde ebenfalls viel geboten. In welcher Höhe ist das Magnifest bislang von der Stadt beziehungsweise ihrer städtischen Gesellschaften gefördert worden? Die nB fragte nach.
Der Fachbereich Kultur fördert nach Mitteilung der Stadt das Rahmenprogramm für Kinder und Jugendliche beim Magnifest seit 2011 mit jeweils 10 000 Euro pro Jahr. Von Anfang an sei durch die Kulturverwaltung darauf geachtet worden, dass städtische Fördermittel nicht dem kommerziellen Teil des Festes zugutekommen, sondern nur dem kulturellen Teil, insbesondere für Kinder- und Jugendangebote.
Die Braunschweig Stadtmarketing GmbH unterstützte das Fest vergangenes Jahr erstmalig in Rahmen eines Sponsorings mit 20 000 Euro, dieses Jahr im Verbund mit den städtischen Tochtergesellschaften in Summe mit 15 000 Euro. „Im letzten Jahr sind wir mit dem Stadtmarketing eingesprungen, um eine Lücke auszugleichen, in der Hoffnung dieses Jahr klappt es wieder – das hat sich leider nicht ergeben, und so sind wir erneut eingesprungen“, so Leppa.
Die diesjährige Initiative zur Rettung ging vom Stadtmarketing aus und wird von anderen städtischen Tochtergesellschaften unterstützt, um genug Vorlauf für einen Nachfolger in der Veranstalterrolle zu schaffen. Zusätzlich verzichtet das Stadtmarketing wie bei anderen Kulturveranstaltungen und solchen im öffentlichen Interesse auf die sonst üblichen Sondernutzungsentgelte.
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