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Allein, mit Kind und klamm

Nancy Alzer verbringt viel Zeit mit ihrem Sohn, möchte aber auch wieder arbeiten gehen. Als Alleinerziehende hat sie es schwer, einen Job zu finden – ein Dilemma. Foto: T.A.

Verband Alleinerziehender für Grundsicherung.

Von Martina Jurk, 23. März 2014.

Braunschweig. Nancy, Britta und Heike erziehen ihre Kinder allein. Das ist schwer genug, aber es werden ihnen zusätzlich Steine in den Weg gelegt. Geld ist knapp. Armut droht.

Rund 40 Prozent der Alleinerziehenden in Deutschland beziehen laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung Hartz-IV-Leistungen. Bei jeder zweiten alleinerziehenden Mutter sei es der Fall, dass Väter ihren Unterhaltspflichten nicht nachkämen. Die Kinder seien einem besonderen Armutsrisiko ausgesetzt.
Die nB befragte Frauen, die sich beim Verband alleinerziehender Mütter und Väter in Braunschweig Rat und Unterstützung eingeholt haben, nach ihren Situationen und Sorgen. Der Verband schlägt eine Kindergrundsicherung vor. Damit hätten alle Kinder einen eigenen Rechtsanspruch auf Leistung und wären alle gleichgestellt.

Beispiel 1: Nancy Alzer will kein Blatt vor den Mund nehmen. „Es reicht, da muss endlich etwas passieren“, meint sie. Die alleinerziehende Mutter ficht jedes Jahr von neuem einen Kampf aus: dass sie den ihr zustehenden Unterhalt vom Vater ihres Kindes bekommt. Dass sie keinen Job hat, belastet die 34-jährige Arzthelferin derzeit am meisten. „Ich habe elf Jahre lang in einer Klinik gearbeitet und bringe demzufolge viele Berufserfahrungen mit. Für etliche Praxen, in denen ich mich beworben habe, sei ich nach deren Meinung überqualifiziert“, erzählt Nancy Alzer frustriert. Mit Kind könne sie nur vormittags arbeiten, was für viele Arbeitgeber ebenfalls ein Ausschlusskriterium sei.
Die alleinerziehende Mutter bezieht Arbeitslosengeld I, Wohngeld, Kindergeld und Unterhalt. Und trotzdem ist das Geld knapp. In diesem Jahr kommt ihr Sohn zur Schule – ein weiterer finanzieller Kraftakt für die Mutter. „Wenn meine Eltern mich nicht unterstützen würden, ginge es gar nicht“, gesteht die 34-Jährige. Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter ist für Nancy eine große Hilfe. „Ich bin unter Gleichgesinnten, wir tauschen uns aus, man bekommt Tipps, ich habe tolle Frauen kennengelernt und sogar Freunde gefunden“, meint Nancy.

Beispiel 2: Heike Wilhelm (Name von der Redaktion geändert) arbeitet als gelernte Physikalisch-Technische Assistentin in einer Druckerei als Aushilfskraft für 6,50 Euro Stundenlohn.
Für ihre beiden Söhne (13 und elf Jahre alt) bekommt sie Unterhalt. Alles in allem zu wenig, um davon leben zu können. Deshalb muss die 39-Jährige mit Hartz IV aufstocken.
„Ich komme so über die Runden, aber es darf nichts passieren. Wenn von den Kindern Sachen kaputtgehen, dann wird’s eng.“ Noch seien die Jungs „pflegeleicht“, was Klamotten angehe. „Aber sie werden älter und sie haben Wünsche, die man nicht ewig unerfüllt lassen kann“, beschreibt die Alleinerziehende eine Situation, die extremen psychischen Stress verursache. So beantrage sie zum Beispiel auch Hilfe für Klassenfahrten ihrer Kinder. Ein Auto könnte sie sich überhaupt nicht leisten.
„Mich stört, jeden Monat wieder neu herumrechnen zu müssen“, ist Heike frustriert. mj

Beispiel 3: Britta Krüger (Name von der Redaktion geändert) hat harte fünf Jahre hinter sich – sozial und finanziell. Mit zwei Kindern (acht und zehn Jahre alt) hat sie die Chance des beruflichen Wiedereinstiegs genutzt und zog deshalb zweimal um. Musik und Politik hat sie studiert, bekam in Braunschweig ein Referendariat. „Für die Kinder gab es in der Schule keine Ganztagsplätze. Mir ging es zunehmend schlechter, ich wurde krank und musste mich in psychologische Betreuung begeben. Damit gerät man in eine Mühle, man wird abgestempelt“, beschreibt die 43-Jährige die Zeit, die nun hinter ihr liegt.
Britta bekommt Unterhaltsvorschuss, das seien 200 Euro weniger als das, was der Kindsvater zahlen müsste, erklärt sie. „Ich finde es ungerecht, dass die Väter, die nicht zahlen, nicht stärker belangt werden.“ Im Mai mache sie ihre Prüfung. Eine Lehrerstelle könnte sie aber erst wieder 2015 antreten. Bis dahin muss Britta mit Hartz IV auskommen. mj
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1 Kommentar
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Peggy Müller aus Braunschweig - Nordstadt | 23.03.2014 | 11:32  
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