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Aidshilfe schickt Tram durch die Stadt

Acht HIV-Kranke gaben ihr Porträt für künstlerische Gestaltung – Bundesweit einmalige Aktion gegen Stigmen und Tabus

Braunschweig (anh). 01.11.2009 In die Öffentlichkeit gehen, etwas bewegen – vor allem gegen Tabus und Stigmatisierung, das will die Braunschweiger Aidshilfe mit ihrer Straßenbahnaktion „Aids braucht positive Gesichter“.Teasertext

Acht Mitglieder der Selbsthilfegruppe der Aidshilfe haben sich porträtieren lassen und sind ab sofort auf einer Tram der Verkehrs-AG zu sehen. Die Bahn fährt ab sofort vier Monate lang abwechselnd auf allen Linien durch die Stadt. Künstlerin Nadine Decker gestaltete die rote Straßenbahn mit den goldenen Fenstern. Der Kontakt kam über das Wolfsburger Kunstmuseum zustande. Gestern wurde die Straßenbahn am Hauptbahnhof feierlich enthüllt.
„Es wird Zeit, dass unserer Gesellschaft ein realistisches Bild gezeigt wird“, sagte die Bundestagsabgeordnete Dr. Carola Reimann, Schirmherrin. Die Zahl Infizierter steige. Die Darstellung Aidskranker schwanke zwischen Verharmlosung und dem Bild vom Tode Gezeichneter. „Ich finde es sehr mutig, sich so selbstbewusst und exponiert in der Öffentlichkeit zu zeigen“, lobte die Politikerin die Porträtierten. Sie waren gestern bei Pressegespräch und anschließendem festlichen Empfang der Aidshilfe im Café Lâle am Hauptbahnhof dabei. Das sei nicht selbstverständlich, betonte Jean-Luc Tissot von der Braunschweiger Selbsthilfegruppe.
„Das Projekt ist bundesweit einmalig“, sagte Imke Schmieta, Geschäftsführerin der Niedersächsischen Aidshilfe. Es sei nur möglich geworden durch ein breites Spektrum an Kooperationspartnern und Sponsoren. Zu den Hauptsponsoren zählen Volkswagen Financial Services und das Land Niedersachsen. Die Aktion „Aids braucht positive Gesichter“ kostete rund 20 000 Euro.
„Die Idee fand ich sofort gut. Ich musste aber erst einmal meine Chefin fragen, ob ich das darf“, sagte Doreen im Gespräch. Auch sie hat der Aktion ihr Gesicht gegeben. Die gebürtige Erfurterin arbeitet als Textilverkäuferin bei H&M: „Meine Chefin ist sehr tolerant, sie unterstützt mich in jeder Hinsicht“, sagte die 29-Jährige im Gespräch. Sie weiß seit Anfang 2006, dass sie sich mit dem HIV-Virus angesteckt hat. Die Aidshilfe half ihr, offen mit der Krankheit umzugehen: „Seitdem führe ich eigentlich ein ganz normales Leben. Ich genieße es sogar mehr als vorher.“
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