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Ab in die Wildnis: Riesenwippe und Geocaching statt Mathe und Deutsch

Gar nicht so einfach: Schüler der Hauptschule Sophienstraße beim Motivationstraining im Awo-Peterscamp. Zum ersten Mal stehen die Zehnjährigen auf einer Riesenwippe. Trainer Frank Wangerin dirigiert die Gruppe mit energischer Hand und lobt. Foto: Awo

Im Awo-Peterscamp erfahren Hauptschüler in einem Motivations-Projekt neues Selbstbewusstsein.

Von Birgit Leute, 13.02.2016.

Braunschweig. Samuele hat die Hände tief in die Taschen seines Anoraks vergraben. Der dunkle Pony klebt feucht an der Stirn. Statt Mathe oder Deutsch steht für den Zehnjährigen heute „Erlebnispädagogik“ auf dem Stundenplan

Kein Zuckerschlecken an diesem nasskalten Februarmorgen, denn er und seine
14 Mitschüler verbringen den ganzen Vormittag mit Outdoor-Aktivitäten. Ein Besuch im Awo-Petercamp.

Zu Gast ist heute die 5a der Hauptschule Sophienstraße. Bis zum Sommer vertauscht sie einmal im Monat das Klassenzimmer mit der „Wildnis“. „Förderung der Schulmotivation und sozialen Kompetenz“ lautet der Titel des Projekts.

Was das genau bedeutet, erklären Nils Borkowski, Awo-Projektleiter, und Katharina Giblewska, kommunale Schulsozialpädagogin, so: „Die Hauptschulen werden mehr und mehr zum Sammelbecken für Schüler, die anderswo nicht untergekommen. Diese sind oft unmotiviert, haben wenig Lust am Lernen und finden sich in Klassen wieder, in denen viele verschiedene Nationalitäten aufeinanderprallen und Streit auch schon mal mit der Faust geregelt wird.“

Das Peterscamp wolle hier gegensteuern. „Durch die Erlebnispädagogischen Angebote sollen Motivation und Kommunikationsfähigkeit angeregt werden“, nennt Borkowski ein Ziel.

Die Zehnjährigen werden dabei ordentlich rangenommen. Floßbau, Klettergarten, Geocaching, Top-Rope-Climbing: die Aufgaben fordern, lassen sich oft nur in der Gruppe lösen – und sind am Anfang für viele ungewohnt. „Mein Sport heißt PC“, brummt Pharell. Mit den Händen in den Hosentaschen steht er auf einer Riesenwippe und muss versuchen sie mit den anderen Schülern im Gleichgewicht zu halten. „Und das soll Spaß machen?“ ist quer über die Gesichter geschrieben. Es macht. Noch keine zehn Minuten sind vergangen und anstelle der Coolness hat alle der Ehrgeiz gepackt. Die Wippe liegt wie ein Brett, alles jubelt und Trainer Frank Wangerin zollt ein dickes Lob. „Das habt ihr super gemacht.“

Bis zum Sommer werden er und sein Kollege Johannes Rathgen die Gruppe begleiten. Gleichzeitig bekommen die Lehrer eine Fortbildung, wie sie mit schwierigen Schülern besser umgehen können.

Schulleiter Stefan Behmer ist begeistert: „Das Projekt ist gleich mehrfach positiv: Es gibt den Schülern Selbstbewusstsein, stärkt die Lehrer durch ein eigenes Training und schafft ein ganz neues Vertrauen zwischen beiden Gruppen.“
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