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50 Jahre nB: Von der Ödnis um die Leuchttürme

Schwarzseher in Sachen Ausgehkultur: André Pause. T.A.

Urbane Ausgehkultur ist überall, nur nicht hier.

Von André Pause, 23. November 2014.
Braunschweig. Eine Ausgehkolumne soll ins Haus. „Aus der Perspektive des Sub- bis Hochkulturgenießers“, wird mir zum 50-jährigen nB-Jubiläum via Messenger angetragen. Nun denn.
Zumindest in Sachen musikalischer Subkultur könnte ich die Angelegenheit angenehm kurz halten: gibt’s nicht mehr, Ende-Gelände, aus die Maus. Das mag ketzerisch klingen, aber aus der Sicht eines 41 Lenze zählenden Alteisens, das in der immer gleichförmiger werdenden Clublandschaft dieser Stadt nur noch sehr selektiv unterwegs ist, gibt es da einfach nicht mehr so unheimlich viel Berichtenswertes.
In den Konzertkalendern einschlägiger Musikzeitschriften wie Intro, Spex und so weiter taucht Braunschweig allenfalls im absoluten Ausnahmefall auf. Acts die dort – oder auf anderen Kanälen, denen eine gewisse Deutungshoheit in Sachen Popkultur beschieden ist – besprochen werden, machen um unser prosperierendes Städtchen seit Jahren einen weiten Bogen. „Dir muss doch klar sein, dass wir hier nicht Berlin oder Hamburg sind“, wird dem Pessimisten aus der Ecke der gerne im eigenen Saft schmorenden Fraktion um die Ohren gehauen. Als ob dies das Problem wäre ... Beunruhigend ist, dass Braunschweig auch von Städten wie Münster oder Bielefeld und – vor allem zur Movimentos-Zeit – sogar Wolfsburg nur die Rücklichter sieht. Die den bunten Strauß der Möglichkeiten widerspiegelnde urbane Ausgehkultur scheint überall möglich zu sein, nur hier nicht. In Braunschweig wird seit mehr als einer Dekade beinahe ausnahmslos auf das saturierte Mainstreampublikum gesetzt. Diesem wird der eingeschlagene Kurs womöglich sogar gefallen. Manch einem Menschen in verantwortlicher Position stünde es jedoch gut zu Gesicht, bevor im euphemistischen Ton von Dingen wie „vielfältiger Kulturlandschaft/Szene“ schwadroniert wird, einfach mal die Realität anzuerkennen: Dass der hiesige Teil der Metropolregion monopolistisch geprägt ist, und dass, wenn man radikaler Kulturökonomisierung das Wort redet, kulturelle Daseinsvorsorge irgendwann zu kurz kommt.
Dann wird es eben öde rund um die vom Brötchengeber der „Nimby“-Gesellschaft geförderten Leuchtturmprojekte, die mit dem Hochkultur-Ballermann Hand in Hand gehen, damit die Zielgruppe ihre im übertragenen Sinne fetten Popos wenigstens ab und an vom Sofa über den Carport bis zur Veranstaltung bekommt. Und dann stehen halt auch immer die gleichen Nasen mit ihren MP3-Playern hinter den Turntables der Clubs. Die Entwicklung hin zur Einfalt der Happy Few getreu dem Motto „war gut, ist gut, bleibt gut“ ist traurig und unter dem Strich vor allem: armselig.
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