Anzeige

50 Jahre nB - Eine rote Lampe kündigt den Systemabsturz an

Im Deutschen Museum steht eine Linotype, die nach Gutenberg den ersten wesentlichen Entwicklungsschritt in der Drucktechnik darstellt. Foto: Deutsche Museum/oh
 
So sieht die Zeitung seitenweise heute am Bildschirm aus, bevor sie für die Druckerei freigegeben wird. Foto: Ammerpohl

In 50 Jahren nB hat sich die Produktion einer Zeitung grundlegend verändert – die Digitalisierung revolutionierte den Prozess.

Von Andreas Konrad, 22. November 2014.

Braunschweig. Heute ist es nur ein Tastendruck, dann sind ganze Ausgaben der nB zum Druck freigegeben. Vor 50 Jahren in den Anfängen waren deutlich mehr Arbeitsschritte vom Redakteur zum Drucker notwendig.

Im Zeitalter von Laptop, Smartphone und Tablet kaum denkbar, war das Zeitungmachen vor rund 30 Jahren noch echte Handarbeit. Der Schritt von Johannes Gutenberg, der in der Mitte des 15. Jahrhunderts den Buchdruck erfand, bis zu den 1980er-Jahren war bei weitem kürzer als alles, was in den Folgejahren kam. Die Digitalisierung der Welt hat bei den Zeitungen einen schnellen, allumfassenden und für ganze Berufsgruppen gravierenden Wandel bewirkt.
Bei Gutenberg wurde noch jeder einzelne Buchstabe eines Textes manuell gesetzt, also aneinandergereiht. Erst ab 1886 mit der Erfindung der Setzmaschine von Ottmar Mergenthaler gab es eine wesentliche Erleichterung – nun konnten ganze Zeilen produziert werden. Die Redakteure schrieben ihre Texte mit der Schreibmaschine, die Schriftsetzer wandelten diese im Maschinensatz für den Druck um. Fotos mussten aufwendig und unter Einsatz von viel Chemie auf einer Metallplatte reproduziert werden, die in die Druckplatten eingefügt wurde, bunte Bilder auf allen Seiten waren absolute Seltenheit. So entstand die nB – und auch die Braunschweiger Zeitung – bis zum Juni 1981, der Monat des Umzuges vom Hutfiltern in der Innenstadt in das Pressehaus an der Hamburger Straße.
„Wir suchten damals schon länger nach einer praktikablen Lösung für einen elektronischen Ganzseitenumbruch“, erinnert sich Jürgen Dillge, damals mitverantwortlich für die Technik. „Doch niemand konnte so etwas liefern.“ Immerhin schaffte Siemens es, mit dem System Cosy 200 zu Beginn der 1980er-Jahre in diese Richtung zu gehen. Nun wurde die Schreibmaschine durch eine Tastatur mit Monitor ersetzt. Die älteren Redakteure erinnern sich bei Cosy vor allem an die hellgrünen Buchstaben auf dem dunklen Bildschirm. Und – vollkommen skurril – an eine rote Warnleuchte über der Tür, die sich einschaltete, wenn die nächste Systemstörung drohte. Wer dann nicht im Raum war, um seinen Text schleunigst zu sichern, durfte meist wieder von vorne beginnen, ein nicht seltenes Schauspiel.
In der Druckvorstufe musste nun niemand mehr einzelne Zeilen zusammenpuzzlen, die Berichte der Redakteure kamen als Textfahne zum Aufkleben, also eine fortlaufende Textspalte, dort an und mussten mit einem Skalpell in ein vom Redakteur auf dem Papier definiertes Seiten-Layout geschnitten und geklebt werden. Dazu kamen Bilder und Anzeigen, alles in einem Rohrbombensystem durchs Haus geschickt, von der Redaktion in die Technik.
Heute gibt es keine Seitenmonteure mehr, auch das Pressehaus wurde wieder verlassen. Die Zukunft des Verlages liegt im nagelneuen Medienhaus Hintern Brüdern und einer hochmodernen Druckerei an der Christian-Pommer-Straße, beide verbunden über das Internet. Der angestrebte elektronische Ganzseitenumbruch wurde schließlich 1998 mit der gleichnamigen Software der Firma Dialog und der dahinter stehenden Technik eingeführt. Seitdem layouten die Redakteure die Seiten am Computer, füllen diese mit Text und Bildern, kontrollierten später auch die richtigen Positionen der Anzeigen und geben die kompletten Seiten frei.
Parallel dazu gibt es seit rund einem Jahr einen Ableger der nB, der täglich mit aktuellen Berichten bestückt werden will – das Mitmachportal Unser38. Auch dank moderner Technik ist es hier erstmals möglich, unmittelbar und gemeinsam mit den Lesern eine Zeitung zu machen. Ein weiterer Schritt Richtung Zukunft.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.