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50 Jahre nB - Die nB rotiert: Drucken unter Hochdruck

Große Auflage: Acht Rollen à 20 Kilometer Länge werden für den Druck der knapp 178 000 Exemplare der nB benötigt. T.A.
 
Das Digitalisierte wird materialisiert: Aus dem Datensatz der Titelseite belichtet Wolfgang Wienke die Druckplatten. T.A.

Die nB zum Anfassen entsteht im neu gebauten Druckzentrum an der Christian-Pommer-Straße.

Von Marion Korth, 22. November 2014.

Braunschweig. „Jetzt wird’s laut“, sagt Drucker Frank Behrens. Im Bauch der haushohen Maschine rumort Bewegung. Rollen drehen sich – schnell und schneller. Das Surren schwillt zum Getöse an. Wer etwas zu sagen hat, muss schreien. Die Gitterroste unter den Füßen vibrieren. Das „Ding“ spuckt die ersten Zeitungen aus. Sie sind weiß. Schemenhafte Farbschleier verdichten sich zu Worten und Bildern. 300 Exemplare später ist sie da: die neue nB.

Hektisches Blättern oben am Leitstand. Inhalte interessieren nicht, kein Fußballergebnis, kein Unfall. Maschinenführer Markus Rischbieter und Farbsteller Ralf Brinkmann verschwenden keine Zeit: Stimmt die Reihenfolge der Seiten, ist keine verdreht oder verrutscht, passen die Farben, ist das Rot rot genug, fehlt ein bisschen Blau? Feintuning am Computerbildschirm, dann geben sie Gas. Die MAN Colorman rattert auf Hochtouren. 45 000 Zeitungen in der Stunde, 750 in der Minute, mehr als ein Dutzend in der Sekunde. Zeit ist kostbar, Papier auch. Die Rollen wiegen bis zu zwei Tonnen, 20 Kilometer am Stück, eine Rolle langt für 20 000 Zeitungen. Für den Altpapiercontainer bleibt nicht viel übrig, gewechselt wird erst dann, wenn der Pappkern fast erreicht ist. Kaum läuft der Andruck, ist es soweit. Der Nachschub wurde längst ein- und neuer Vorrat bereitgelegt – alles vollautomatisch. Die neue Rolle wird für den fliegenden Wechsel auf Touren gebracht, bis sie die gleiche Laufgeschwindigkeit wie die in der Maschine erreicht hat. „Das ist dann wie Stillstand“, sagt Behrens. Die Papierbahnen werden in vollem Lauf aneinandergeklebt, ein Aluminiumstreifen kennzeichnet den Übergang, er wird später passgenau herausgeschnitten.
Eins greift ins andere – das ist das Arbeitsprinzip. Ein Mausclick in der Redaktion hat am Abend zuvor den Prozess angestoßen. „Vorstufenfreigabe“ heißt das, eine nB-Seite ist fertig für die Belichtung, das Internet verbindet das gerade bezogene BZV Medienhaus Hintern Brüdern mit dem für mehr als 30 Millionen Euro neu gebauten Druckzentrum in der Christian-Pommer-Straße. An diesem Tag ist Wolfgang Wienke der Verantwortliche am Druckplattenbelichter, er materialisiert das Digitalisierte. Was am Bildschirm schon einmal aussah wie fertig, wird rechnerisch wieder auseinandergenommen. Eine Druckmaschine ist selbst ein großer Brocken, mag Zeitungsseiten aber nur häppchenweise. Aus einer Seite werden im Vierfarbdruck vier Belichtungsplatten: Cyan (Blau), Magenta (Rot), Yellow (Gelb) und K (steht für Karbon oder eben Schwarz). Aus diesen vier Farben setzt sich die bunte nB-Welt zusammen.
Die Aluminiumdruckplatten werden der Maschine vorgelegt, ein Krakenarm voller Saugnäpfe holt sie sich, schwenkt herum, bestückt selbsttätig die Druckmaschine – noch so eine Neuerung. Der Druck ist durchgetaktet: acht Minuten für einen Plattenwechsel, 15 Minuten für einen kompletten Papierwechsel. Der Weser Report ist an diesem Tag mit 19 Minuten Verzug fertig geworden. „Wir hatten ein bisschen Pech – Papierriss“, sagt Frank Behrens. „Aber das holen wir wieder ’rein.“ Nervös werden er und seine Kollegen erst bei einem Stromausfall wie neulich oder bei einem Maschinenschaden. „Bei allem, was länger als eine Stunde dauert, wird es eng“, sagt Behrens. Bis 12.30 Uhr sollen die knapp 178 000 Exemplare der nB durch sein. Es sieht gut aus, die Maschine rattert, Drucken unter Hochdruck. Alltag.
Statt waschen, schneiden, föhnen drucken, legen, falzen. Die nB kommt an die „Kette“, eine nach der anderen, kein Ende in Sicht, Abtransport am laufenden Band hinüber zu den Kollegen von der Weiterverarbeitung. Schichtführer Thomas Horn übernimmt. Zwei Verarbeitungslinien laufen an diesem Morgen parallel, eine dritte ruht in Reserve. Boss, Buhl und Porta, A.T.U. und Conrad Electronics – die nB wird von Maschinenhand aufgeblättert, nimmt die bunte Beilagenfracht auf.
Weiter geht’s in langer Runde oben unter der Hallendecke. Die nB fährt Karussell. Stapeln, packen, fertig. Durch die Eisentür nach draußen. 8.15 Uhr, es ist kalt, aber mittlerweile wenigstens hell. In ein paar Minuten werden die ersten Fahrer kommen, die für ihre Tour benötigten Paletten einladen.
Dann ist die nB wieder unterwegs – unterwegs zu Ihnen.
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