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2018: OB fordert ein „neues Denken“

Wer neuen Wohnraum schaffen will, muss auch an Kinderbetreuung, Schulen und anderes denken. „Die Sicht aufs Ganze“ ist wichtig, sagt Oberbürgermeister Ulrich Markurth. Foto: Stadt Braunschweig / Daniela Nielsen

Gespräch zum Jahresende mit Ulrich Markurth – Große Projekte und Veränderungen in Sicht

Von Marion Korth, 16. Dezember 2017.

Braunschweig. Wenn Oberbürgermeister Ulrich Markurth „Weihnachtswünsche“ für Braunschweig hat, dann hält er sich damit zurück, sie zu benennen und verweist stattdessen auf die großen Pakete, die „auszupacken“ die Stadt viel Zeit, viel Arbeit und viel Geld kosten werden. Von „Wünschen“ kann in diesem Zusammenhang allerdings nicht in allen Fällen die Rede sein.

Die Stadthalle
Dass sich im Keller der 1965 gebauten Stadthalle nicht gerade Hightech verbirgt, war zu ahnen, ebenso, dass etwas dabei herauskommen könnte, wenn das Amt für Denkmalpflege den Bau genauer hinsichtlich seiner Schutzwürdigkeit unter die Lupe nimmt. Dass das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege nun aber auch das erst nach der Eröffnung der Stadthalle gebaute Parkdeck mit einbeziehen und ebenfalls unter Denkmalschutz stellen will, das hat den Oberbürgermeister überrascht. Das hat Einfluss auf die bisherigen Pläne eines privaten Geldgebers, an dieser Stelle ein Kongresshotel zu bauen, möglicherweise auch auf geänderte und flexiblere Raumkonzepte im Inneren der Stadthalle, um deren Funktionalität für die Zukunft zu sichern. Die Stadt wird nun ihre Stellungnahme abgeben. Markurth: „Wir müssen sagen, wie wir es machen wollen. Man kann mit dem Denkmalschutz verhandeln.“ Er hofft, dass es gelingt, das Parkhaus herauszubekommen. An den Umbauplänen für die Stadthalle und dem gesetzten zeitlichen Rahmen wird festgehalten (der Rat stimmt am 19. Dezember ab), da die Veranstaltungsplanung einen großen Vorlauf benötigt.
Bahnhofsumfeld
Die Stadthalle setzte in den 1960er Jahren im kriegszerstörten Braunschweig einen architektonisch markanten Punkt schräg gegenüber dem Bahnhof, für dessen Umfeld hat die Stadt große Pläne. „Ich hoffe, dass wir in den nächsten Jahren etwas von der Bahn hören“, sagte Markurth. Bis an die Spitze zu Ronald Pofalla habe man sich vorgearbeitet, um Braunschweiger Interessen vorzutragen. Markurth: „Es geht darum, den Bahnhof sicht- und erlebbar zu machen“. Und darum, ihn urban anzubinden. Stichwort: der Bahnhof als Mobilitätszentrum. Die Menschen kommen aus Berlin und Hannover, ihnen und allen anderen würde die Stadt gern einen netteren Empfang bieten. „Damit werden auch die Bahnhofsumfelder wichtiger“, sagt Markurth. Ein echtes „Sahnestück“ sei etwa die Fläche Richtung Ackerstraße – bislang nicht mehr als eine hässliche Brache. Das Gelände gehöre der Bahn. Nur mit ihr zusammen ließen sich Pläne für den Bau eines Parkdecks und für einen wirklichen Fernbusbahnhof verwirklichen. Auch hätte Markurth gern die Bahnunterführung weg („Die ist einfach nur gruselig.“), derzeit werde das Gleis jedoch noch benötigt, um die Züge zum Betanken fahren zu können. Die Pläne reichen weiter: vom Berliner- und Willy-Brandt-Platz hin zur viel zu breiten Kurt-Schumacher-Straße. Die Verwaltung prüfe die Möglichkeiten einer „dezenten Bebauung“. Eines ist Markurth dabei wichtig: „Parks zuzubauen, ist nicht meine Linie.“
Auch in Gliesmarode zeichnet sich eine Bewegung mit der Neugestaltung des dortigen Haltepunkts und den Möglichkeiten des früheren Praktiker-Baumarktgeländes ab, ebenso mit dem neuen Haltepunkt in der Weststadt.
Bürgermitsprache
Bis 2030 soll die Stadtbahn in mehreren Teilschritten erweitert werden, beginnend mit Rautheim und Volkmarode. Der Austausch von Informationen, Anregungen und Befürchtungen ist diesbezüglich in vollem Gang. Hier werde nicht für die Schublade gesammelt, „die Meinungsbilder machen schon etwas mit den Planungen“, versichert Markurth. Bürgermeinungen seien wichtig, und es werde viel getan, um ihnen Raum zu geben. Von direkten Bürgerentscheiden hält der Oberbürgermeister indes nicht viel. „Nicht repräsentativ“, sagt er. Als Beispiel nennt er die Diskussion um die Neugestaltung des Hagenmarkts, der Sturmtief Xavier neue Dringlichkeit gegeben hat, oder den Neubau der Okerbrücke bei Leiferde als Verbindung nach Stöckheim. Alle oder viele Bürger, nicht nur die Anlieger, hätten dazu eine Meinung, aber nicht alle würden sich an einem Bürgerentscheid beteiligen. Die Aufgabe für die Stadtverwaltung sieht Markurth so: „Wir müssen das mit den lokalen Interessen ausgleichen und auf eine Sachebene bringen.“
„Wir verfolgen beim Hagenmarkt kein bestimmtes Ziel, außer dass er attraktiver wird“, sagt Markurth. „Wir machen keine Fantasievorschläge, sondern suchen nach den technisch machbaren Lösungen.“ Und nach denen, die finanzierbar sind.
Neues Denken
Egal, was die Stadt anfasst – es muss sehr viel bedacht werden. Gesetzliche Vorgaben, Finanzrahmen, Verkehrsauswirkungen, ästhetische Ansprüche, Lärmschutz und vieles mehr. Noch ein Beispiel: „Wir können das Thema Wohnen nicht separiert denken“, sagt Markurth. Da ist die Frage nach der Zahl der Kinder, nach Kindertagesstätten und Schulen. „Unsere Schulen sind an der Grenze, und wir wissen nicht, wie wir mit dem Schulbau hinterherkommen sollen.“
Die Auswirkungen reichen in verschiedenste Bereiche, bis hin zur Forderung nach „anderen Stadtwerken“, die nicht nur Energieanbieter, sondern im Zusammenspiel mit anderen, wie der Nibelungen Wohnbaugenossenschaft, Fachwissen, Infrastruktur und Dienstleistungen in den Quartieren anbieten.
Auch für die eigene Verwaltung fordert Markurth „ein anderes Denken“ und „die Sicht aufs Ganze“. Es gehe darum, Themen, die viele Bereiche berühren, als Querschnittthemen besser und schneller zu bearbeiten und sich immer wieder die Frage zu stellen: „Warum machen wir Dinge?“ Viele Antworten soll nicht zuletzt das Integrierte Stadtentwicklungskonzept Braunschweig 2030 liefern. Leitfaden dafür ist das Zukunftsbild, das im Rahmen des Beteiligungsprojektes „Denk Deine Stadt“ gemeinsam mit vielen Bürgern Farbe angenommen hat.
„Wir stehen vor dramatischen Veränderungen“, sagt Markurth. Neues Denken geht Hand in Hand mit neuen Antworten. „Wir können nicht alle Fahrzeuge auf Elektromotoren umrüsten, das geht wegen der Kosten und wegen der fehlenden Infrastruktur nicht.“ Deshalb findet er es gut, wie das Unternehmen Volkswagen Financial Services in Richtung der digitalen Mobilitätsdienstleistungen geht und sich neue Bereiche erschließt.
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1 Kommentar
1.055
S. Leunig aus Braunschweig - Innenstadt | 16.12.2017 | 23:50  
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