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Zwischenstopp in Braunschweig

Deutschrocker Heinz Rudolf Kunze ist Stargast beim diesjährigen Pop Meets Classic am 21. April.

Von André Pause, 14.03.2012.

Braunschweig. Beim diesjährigen Pop Meets Classic (PMC) am 21. April in der VW-Halle ist Heinz Rudolf Kunze einer der Stargäste. André Pause hat den Deutschrocker auf der Durchreise nach Potsdam getroffen.



? Herr Kunze, auf diese Weise sind Sie mal wieder in Braunschweig. Für Auftritte waren Sie ja schon lange nicht mehr hier.

! Ich war mit meiner Band im Jolly Joker, vor zirka vier Jahren.

? Jetzt spielen Sie bei PMC, wie ist Heinz Rudolf Kunze dort eingebunden? Was können die Zuschauer erwarten?

! Ich darf ja nur zwei Nummern bringen: „Ich habs versucht“ und „Finden Sie Mabel“. (lacht) Mehr Raum gibt es für mich nicht. „Ich habs versucht“ gab es im Original ja schon mal mit einem Wiener Orchester, daran hat sich der Dirigent wahrscheinlich auch ein bisschen orientiert. Obwohl er noch einmal eine neue Partitur geschrieben hat. Aber ich denke, er wird da einige Elemente berücksichtigt haben. „Finden Sie Mabel“ ist dann wohl eine Art Mischung zwischen der Begleitband, dem Orchester und mir. Statt einer Pedal-Steel gibt es eine Fidel, die das Solo spielt.

? Manche Ihrer Kollegen machen es ja schon nicht mehr unter Symphonie-Orchester. Wäre das für Sie auch noch mal eine Option?

! Für eine ganze Platte nicht. Ich habe mit einem Orchester teilweise gearbeitet, als Farbe, als Arrangement. Ich sehe da keinen großen Sinn. Ein Orchester ist ein sehr komplexer Klangkörper, und bei zehn Versuchen, Popmusik und Klassik zu verbinden, gehen acht in die Hose. Ich hoffe, wir gehören dann zu den beiden anderen (lacht). Ich denke, dass sich diese Klangkörper Band und Orchester eher behindern als anputschen. Manchmal löscht sich das sogar gegenseitig aus, wie bei „Concerto for Group and Orchestra“, dem schrecklichen Konzert von Deep Purple, ihre schlechteste Platte.

? Vor wenigen Tagen ist „Ich bin – im Duett mit“ erschienen. Wie ist es dazu gekommen, ist es eine reine Duett-Platte?

! Mehr oder weniger. Es gibt zwei neue Lieder darauf. Bei einem singt Heiner Lürig (sein Gitarrist) die Backings und ich die Hauptstimme. Das Stück „Ich bin“ bin ich ganz alleine, da mache ich meine eigenen dreißigstimmigen Chöre, das mache ich besonders gerne (lacht). Die anderen Sachen sind Duette. Die Plattenfirma wollte zum Dreißigjährigen unbedingt ein Best-Of haben. Sie haben mir diese Idee, die ich eher langweilig finde, schmackhaft gemacht: „Du schreibst einfach mal alle Namen auf, die dir einfallen, mit denen du gerne etwas machen möchtest. Wir nehmen die Sachen dann neu auf und koppeln nicht nur die alten Versionen aneinander.“ Da freut sich auch meine Band, denn die war (in der jetzigen Konstellation) bei den Originalaufnahmen noch gar nicht bei mir. Ein paar Freunde haben sich ihre Lieder für die Aufnahmen selber ausgesucht, weil sie meine Arbeit sehr gut kennen und ihre speziellen Favoriten haben. Bei den anderen habe ich gesagt: Lieber Achim Reichel, zu dir passt „Meine eigenen Wege“, was würdest du sagen. So fügte sich dann eins zum anderen.

? Vor einigen Jahren haben Sie die suboptimale Präsenz deutschsprachiger Musik im Radio angeprangert...

! Das hat sich ja weiß Gott geändert, es hat sich völlig umgedreht. Da ist eine Generation an den Start gekommen, die so selbstverständlich deutsch singt, dass sich die Radioanstalten dagegen gar nicht mehr wehren können. Ich finde gut, dass sich das Verhältnis zur eigenen Sprache so entkrampft. Als die Generation Grönemeyer-Kunze 1980/81 angefangen hat, musste man sich noch oft verteidigen, wenn man deutsch sang. Die haben einen angeguckt wie ein Auto und gefragt: Warum singt ihr nicht englisch? Da habe ich gesagt: Ja, weil Bob Dylan nicht französisch singt, sondern in der Sprache, in der er es am besten kann.

? Beurteilen Sie die Chancen in der heutigen Zeit für junge Künstler damit auch als gut?

! Nein, das ist etwas anderes. Die Chancen für junge Künstler beurteile ich ausgesprochen pessimistisch, weil der Markt so dermaßen schwierig geworden ist, der CD-Markt zusammengebrochen ist. Wir verkaufen alle nur noch ein Drittel von dem, was wir vor 15 Jahren verkauft haben. Das betrifft jeden. Wir haben uns früher hundertmal überlegt Musiker zu werden, in dieser Zeit, wo die Musindustrie so unsicher geworden ist, nur noch kurzfristig an das schnelle Verwerten denkt, sollte man sich das tausendmal überlegen.

? Was halten Sie von den derzeit stattfindenden Anti-Acta-Aktionen?

! Natürlich gar nichts. Weil das für mich einfach Kriminelle sind, Diebe. Da werde ich enteignet. Es kostet schließlich eine Menge Geld, Zeit und Arbeitskraft, Musik herzustellen. Wie kann man der unverschämten Einstellung sein, so was könnte man umsonst bekommen. Wovon sollen wir Musiker denn leben? Das ist Diebstahl, die gehören ins Gefängnis.

? Also: Platten kaufen. Welche haben Sie sich zuletzt angeschafft?

! Die neue Springsteen, weil ich seine Platten zwar fast immer langweilig finde, aber aus Loyalität alle Springsteen-Platten kaufe. Dann dieses wunderbare Album aus Wisconsin von Bon Iver und irgendeine von den Flaming Lips…“Embryonic“. Ich habe die britische Zeitschrift „Uncut“ abonniert. Wenn mich beim Lesen irgendetwas anregt, dann hole ich mir das.
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