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Zwischen Stolz und Trotz

Oliver Simon in der Rolle des Judas. Foto: Volker Beinhorn
Braunschweig: Dom |

Lot Vekemans „Judas“ feierte Premiere – Nächster Termin am 12. März.

Von André Pause, 08.03.2016.

Braunschweig. Die andere Geschichte des „Judas“ solle erzählt, das Bild des Missverstandenen so genau wie möglich gezeichnet werden, an diesem 75-minütigen Abend im Braunschweiger Dom. Dominique Schnizer hat Lot Vekemans Monolog für diverse Aufführungen in Gotteshäusern der Region inszeniert. Die Premiere findet im Hohen Chor des Doms statt. Ein passender Ort für eine grundsätzliche Infragestellung, dieser östlichste Bereich der Kirche: Ex oriente lux – im Osten geht die Sonne auf.

Staatstheater-Schauspieler Oliver Simon ist es, der die in der Geschichte widersprüchlich beschriebene Figur nach mehr als 2000 Jahren genauer ausloten, ihren Möglichkeitsraum beleuchten soll. Was könnte uns der Mann, der Jesus für 30 Silberlinge verraten und an die Römer ausgeliefert haben soll, heute so alles zu sagen haben?

Nun, zunächst einmal umtreibt ihn, dass sich nach Angaben der Kassiererin ein Besucher ohne Eintrittskarte unter den Anwesenden befinden soll. Die im Laufe des Monologs zum „Running Gag“ aufgeblasene Behauptung raubt zumindest einem Besucher zusehends den Nerv: „Sie kommen nicht in die Puschen!“, sagt der von Simon mit seiner Aufbruchsaktion konfrontierte Mann im Gehen. Das kann man durchaus so sehen.

Überhaupt: Auch wenn nach und nach die selbstquälerische Zerrissenheit des Judas etwas sicht- und greifbarer wird, Oliver Simon das Gefühlspendel zwischen gekränktem Stolz und Trotz streckenweise virtuos ausschlagen lässt, das Publikum in direkter Ansprache an seiner Verzweiflung teilhaben lässt, die Produktivität des Zweifels – ein Ziel des Abends – wird nicht so recht erfahrbar.
Der Monolog mag festgesetzte kirchliche Grundsätze sanft hinterfragen, einen Fingerzeig geben, wie eine aktive Auseinandersetzung mit Glauben heutzutage aussehen könnte, besonders konkret wird es dann aber leider nicht.

Die nächste Aufführung ist am Samstag (12. März), 20 Uhr, in der Kirche Heilige Dreifaltigkeit, Salzgitter-Bad.
Weitere Informationen im Internet unter www.staatstheater-braunschweig.de.
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