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Zwischen Diddl-Maus und Handy-Boom

Christopher Schulze liebt das Schreiben – vor allem über geschichtliche Themen. Ein neues Buch ist schon in Arbeit. Es dreht sich – soviel sei verraten – um Braunschweig. Fotos : Leute
 
Heute das Schwanensee, damals der Gieseler Turm. Hier wurde an den Wochenenden gefeiert.

Christopher Schulze plaudert in „Geboren 87“ über seine Generation und den Urlaub in Lederhose.

Von Birgit Leute, 22.04.2017.

Braunschweig. Er ist gerade einmal 30 Jahre alt, hat immer noch das breite Jungengrinsen und bohrt trotzdem schon die dicksten Bretter: Vor drei Jahren hat Christopher Schulze mal eben einen 200-Seiten-Wälzer über den Schwarzen Herzog geschrieben, danach zwei Anekdotensammlungen über den Soldatenkönig Friedrich Wilhelm und den Alten Dessauer Leopold I.

Jetzt legt der Braunschweiger, der im „richtigen Leben“ eigentlich Lehrer an einer Braunschweiger Berufsschule ist, seinen nächsten Band vor. Für ihn geradezu leichte Kost, denn „Geboren 87“ beschreibt ganz einfach seine Generation – vom Dinofieber bis zur Schlange vor der letzten Telefonzelle.
Wir haben uns mit ihm über das Buch und seine Jugend in Braunschweig unterhalten:

?Herr Schulze – die 80er und 90er in Braunschweig: Was musste man als Jugendlicher einfach gemacht haben?

!Am Wochenende natürlich in den Gieseler Turm gehen. Das Gute war, der Turm war schon um 18 Uhr auf, so dass man auch als Minderjähriger – und das waren ich und meine Klassenkameraden damals noch – trotzdem ordentlich feiern konnte.
Dann die School‘s Out Party im Schlosspark – legendär. Als der Park mit dem Schloss-Center zuplaniert wurde ging für uns praktisch eine Ära zu Ende.

?Das Buch erzählt nicht Ihre Kindheit in Braunschweig, sondern eine typische Kindheit zwischen 1987 und 2006. Jeder soll sich wiedererkennen – so das Konzept der Reihe. Was reizte Sie daran?

! Ehrlich gesagt: Ich habe zwei, drei Stunden nachgedacht, ob mir überhaupt genug für 64 Seiten einfällt und ob das wirklich repräsentativ ist. Aber schon nach kurzer Zeit hatte ich jede Menge Bilder im Kopf und dann aus dem Bauch heraus Themen gewählt.
Klar, der Urlaub im Bayrischen Wald mit Eltern und stilechter Lederhose – das ist schon sehr persönlich, aber ich bin sicher, der eine oder andere erkennt sich da wieder.

?Wenn Sie drei Dinge nennen müssten, die typisch für Ihre Generation sind. Welche wären das?

!Die ersten Handys, Dinos und Diddl-Mäuse, Kult-Serien wie Star Trek oder Filme wie Star Wars. Ein absolute Must have bei den Jungs war ab Ende der 90er das Nokia 3210. Ein Handy, das kein Knochen mehr war, sondern sich bequem in die Tasche stecken ließ. Das Allerwichtigste aber war: Auf ihm war „Snake“ vorinstalliert. Wer bei diesem Spiel den höchsten Score erreichte, war damals in der Klasse der absolute King (lacht). Ganz ehrlich – wenn ich so zurückdenke, lebten wir wirklich sorglos: Die Grenzen waren nach der Wende alle gefallen, man musste keine Angst vor Terroranschlägen haben, es gab keine Diskussion um Europa, keine schrillen Parolen von Populisten.

?Sie sind Lehrer für Deutsch und Geschichte. Würden Sie Ihren Job irgendwann für die Schreiberei an den Nagel hängen?

!Nein. Ich liebe das Schreiben, aber auch liebe auch meinen Beruf. Nur Autor zu sein – das wäre mir auf Dauer zu einsam. Ich brauche einfach den Kontakt zu meinen Schülern.
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