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Zwei Vornamen, zwei Kulturen

Ausstellungsprojekt bringt Jugendliche aus Sintifamilien mit anderen Schülern zusammen.

Von Marion Korth, 21.11.2010.

Braunschweig. Nur wenige Sinti und Roma überlebten die Verfolgung in der Nazizeit. Wer aus den Vernichtungslagern zurückkehrte, erlebte im Nachkriegsdeutschland weiterhin Ausgrenzung. Davon erzählt die Ausstellung „Fremd im eigenen Land“, die von Montag an in der Jugendkirche gezeigt wird.

Wie aber sah und sieht der Alltag von Sinti-Familien in Braunschweig aus? Begleitend zu der Ausstellung begeben sich Jugendliche auf Spurensuche, sichten Unterlagen, versuchen, neue Dokumente zusammenzutragen und Regionalgeschichte aufzuarbeiten. Wer sich für eine Projektmitarbeit interessiert, kann sich an Heiderose Wanzelius, Lehrerin an der Ricarda-Huch-Schule unter 33 47 70 melden.
Sie kennt die Sintifamilien in Braunschweig seit vielen Jahren und hat einige Jugendliche aus diesen Familien mit ihren Schülern zusammengebracht. Gibt es Unterschiede? „Unsere Sprache ist anders, unser Aussehen“, zählt Dennis (14) auf. Eigentlich heißt er Jamie Dennis. Er hat, wie die anderen Jungen auch, zwei Vornamen, einen deutschen und einen in der Sintisprache. Der Familienzusammenhalt sei sehr eng, die Eltern Respektpersonen. Großvater und -mutter hätten hohes Ansehen. „Die Älteren sind unser ganzer Stolz.“ Der Opa von Simon Shimano war im KZ und hat überlebt. „Wir haben darüber geredet, deshalb habe ich mich weiter für Geschichte interessiert“, sagt er. Nicht nur der Zusammenhalt innerhalb der Familien, sondern auch mit den anderen Sinti sei groß. Deshalb, aber auch weil sie ihr Hobby, die Rap-Musik verbindet, sind sie Freunde. „Aber wir sind nicht mehr nur unter uns“, betont Santano Renaldo (16).
Mit Vorurteilen hätten die drei nicht zu kämpfen. Nur in der Grundschule habe es Ärger mit einer vierten Klasse gegeben. Damals mussten die Jungs Schläge einstecken und sich hässliche Dinge anhören. Schon aus diesem Grund findet es Heiderose Wanzelius gut, dass 2003 eine Gedenkstätte im Rathaus eingeweiht worden ist. Von Braunschweig aus sind mehr als 250 Sinti und Roma in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert worden.
Nach Hannover wird Braunschweig die zweite Station der Wanderausstellung sein. Der Historiker Boris Erchenbrecher und die Praktikantin Ronja Willrodt arbeiten mit den Schülern gemeinsam. „Das Problem ist, dass die Anerkennung der Sinti und Roma fehlgeschlagen ist“, sagt Erchenbrecher und nennt ein Beispiel. In manchen Schulen habe es bis in die 1960er Jahre „Zigeunerbänke“ für die Kinder aus Sinti- und Romafamilien gegeben, wo diese getrennt sitzen mussten.

Fakten:

• „Fremd im eigenen Land – Sinti und Roma in Niedersachsen nach dem Holocaust“ bis Mitte Januar in der Jugendkirche, Herzogin-Elisabeth-Straße 80a.
• Konzipiert vom Verein für Geschichte und Leben der Sinti in Niedersachsen, unterstützt von der Stiftung Erinnerung – Verantwortung – Zukunft.
• Anmeldungen für Klassenführungen von Montag an unter 01 79/9 61 81 04.
• 10. Dezember Eröffnung mit dem Braunschweigteil.
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