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Wovon Frauen träumen

Ganz zum Schluss steht das Publikum und Heinz Rudolf Kunze genießt die Begeisterung. (Foto: Obi-Preuß)
Braunschweig: Spiegelzelt |

Heinz Rudolf Kunze begeistert im ausverkauften Spiegelzelt.

Von Ingeborg Obi-Preuß, Braunschweig, 28. November 2015.
"Marlow ich fleh Sie an Marlow finden Sie Mabel,
es koste was es wolle, Geld spielt keine Rolle dabei
Marlow ich fleh Sie an Marlow finden Sie Mabel
sagen Sie ihr, dass ich alles vergess und verzeih"


Das ist einer der Klassiker aus dem Kunze-Repertoire am Freitag im Spiegelzelt An der Martinikirche und doch steht es für den ganzen Abend. Diese Zeilen, aus denen so eine große, alles zur Seite wischende Liebe spricht, sind es, die diesen Abend sooo sehr zu Herzen gehen lassen.
Eigentlich gibt sich der Rocksänger, Poet und Literat ja gern als böser alter Mann, genießt offensichtlich seinen Ruf als misanthropischer Zyniker - aber seine Liebeslieder - und davon gibt es an diesem Abend eine Menge - entlarven ihn (mal wieder) als großen Romantiker. Wie schön - und wie ehrlich das rüberkommt. Er kann Sätze formulieren, von denen Frauen träumen, Wahnsinn. Zum Beispiel: "Oh ich hab' Sehnsucht, ich möchte für dich singen, dein verschwiegener Fährmann sein und das Meer das dich trägt" aus dem Lied "Leg nicht auf."
Zum ersten Mal ist HRK auf Solo-Tournee, nur er, drei Gitarren, ein Flügel, eine Mundharmonika. Er wechselt die Instrumente, auf jedem spielt er virtuos. Und dann seine Stimme, die in dieser sehr intimen Atmosphäre besonders gut zum Tragen kommt. Mehrere Oktaven kann er mühelos meistern, klingt leicht rau, samtig, oft unglaublich gefühlvoll. Warm und weich.
Er wäre natürlich nicht Heinz Rudolf Kunze, wenn er "nur" mit Liebesliedern im Gepäck käme, nein, er trägt Verse vor, Prosa, die sich mit den aktuellen Problemen der Welt ebenso beschäftigen wie mit den Abgründen in Familien und mit den Unzulänglichkeiten der Menschen überhaupt. "Ich verfluche euch, ihr Fehlgeburten der Evolution, ihr Daseinsverbrecher ...die Hasstirade ist lang, am Ende grinst er ins Publikum und raunzt "So, da habt ihr´s". Auch seine bekannten Hits hat er im Gepäck, "Lola", "Dein ist mein ganzes Herz", "Aller Herren Länder", oder "Nur gelogen". Die Fans singen textsicher mit.
Er ist ein Meister der Sprache, findet deutliche Worte, gern mit feiner Ironie.
Nur nicht beim Thema Liebe - da bleibt er ganz pur, voller Respekt vor diesem besonderen Gefühl, voller Demut. Da ist er ganz bei sich. Ein großartiger Abend. Das Publikum steht am Ende und klatscht und jubelt. Drei Zugaben, dann ist Schluss. Der Poet geht. Grandios.
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