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„Wir wissen auch, wer nicht zu uns kommt“

Staatstheater stellt erste Ergebnisse seiner Zuschauerbefragung vor

Von André Pause, 04.04.2010

Braunschweig. „Die letzte Besucherumfrage ist auf jeden Fall mehr als zehn Jahre her. Wir hatten uns immer wieder vorgenommen, eine neue zu machen. Jetzt war es wirklich notwendig“, sagt Thomas Fehrle, Verwaltungsdirektor des Staatstheaters Braunschweig.

Daher haben er und Joachim Klement, ab der Spielzeit 2010/11 Generalintendant des Hauses, das Publikum Ende vergangenen Jahres mit einem Fragebogen um seine Meinung gebeten. Durchgeführt wurde die Erhebung durch Professor Dr. Axel Dreyer von der Hochschule Harz, mit finanzieller Unterstützung der Stiftung des Staatstheaters. Insgesamt haben 1072 Besucher der Sparten Schauspiel, Musiktheater, Tanztheater und Junges Staatstheater Auskunft gegeben – sowohl im Großen als auch im Kleinen Haus.
„Im Fokus stand für uns der Abendspielplan dieser Spielstätten. U22, Haus III und andere Spielorte oder Konzerte waren nicht Gegenstand der Untersuchung“, sagt Fehrle.
Erhoben wurden, neben soziodemographischen Grundlagen, Daten zu Besucherverhalten und Kulturinteresse, Informationsverhalten und Mediennutzung, Buchung und Anreise sowie Serviceangeboten und Kundenzufriedenheit. Große Überraschungen blieben aus. Sehr verkürzt zusammengefasst, sieht der typische Besucher des Staatstheaters etwa so aus: Er ist eine Sie, Anfang 60, bereits verrentet und lebt in einer Partnerschaft. Die Kinder sind aus dem Haus, der Bildungsstand und das Haushaltsnettoeinkommen sind hoch. Zum Theater, für dessen Aufführungen sie ein Abonnement besitzt, gelangt die Dame mit dem Auto. Besonders interessiert ist sie am Musiktheater sowie am Schauspiel. Die Lektüre der Braunschweiger Zeitung sowie der nB gehören zum Standard, und in Sachen Rundfunk und Fernsehen gilt ihr Interesse dem öffentlich-rechtlichen Programm.
„Natürlich gibt es den typischen Besucher in dieser Form nicht, auch wenn es erst einmal plastisch wirkt“, gibt Dreyer zu bedenken. Doch in der Tat waren zwei Drittel der in der Stichprobe Befragten Frauen. Das Durchschnittsalter der Befragten insgesamt lag bei 57 Jahren. Und verglichen mit dem Bevölkerungsdurchschnitt waren die über 60-Jährigen deutlich stärker im Theater vertreten, während sowohl die Altersgruppe von 40 bis 49 als auch die der bis 39-Jährigen unterproportional zu Gast waren. „Wir wissen jetzt, wer uns besucht, haben zugleich aber auch erfahren, wer nicht zu uns kommt. Hier werden wir uns verstärkt engagieren“, verspricht Klement, der das Theater in Zeiten der gesellschaftlichen „Durchökonomisierung“ als Ort der kulturellen Bildung sowie der Gemeinschaftsbildung verstanden wissen will. Sehr erfreut zeigte sich der baldige Generalintendant über das große Stammpublikum und das hohe Maß an Zufriedenheit der Gäste mit dem Service des Staatstheaters, insbesondere was die Freundlichkeit der Mitarbeiter anbelangt.
Einen wesentlichen Kritikpunkt stellte die Situation bei den Parkmöglichkeiten dar. „Darum werden wir uns kümmern, genauso wie um Nachverhandlungen im Bereich des Öffentlichen Personennahverkehrs. Die Preise, die wir hier zahlen, spiegeln sich nicht in der Nutzung unserer Gäste wider“, betont Fehrle. „Interessante Anknüpfungspunkte für das Cross-Marketing“ sieht er dagegen auch über die bereits bestehende Kooperation mit dem Programmkino Universum hinaus. Aufgrund der Ergebnisse sei beispielsweise eine Zusammenarbeit mit kulturellen Einrichtungen wie Museen durchaus denkbar.
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